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BUND kritisiert Hängepartie und fordert Neugestaltung des Karlsplatzes

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Von: Bastian Ludwig

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Während die Kasseler Innenstadt in den vergangenen Jahren eine gestalterische Aufwertung erfahren hat, herrscht auf dem Karlsplatz weiter Stillstand.

Kassel – Seit 30 Jahren wird in Kassel über den Karlsplatz diskutiert. Mehrfach gab es Anläufe, für mehr Aufenthaltsqualität auf der innerstädtischen Fläche zu sorgen. Im Streit um die oberirdischen Parkplätze auf dem Karlsplatz scheiterte diese Unterfangen wiederholt. Mit einer Kundgebung am Dienstag, 23. Mai, von 11 bis 13 Uhr, will der Umweltverband BUND Kassel neue Bewegung in die Debatte bringen.

Die Zielsetzung der Umweltschützer ist klar. Sie fordern mehr Grün und weniger Parkplätze. „Seit Jahren reden die Verantwortlichen der Stadt von der Neugestaltung des Karlsplatzes, fassen Beschlüsse – und es geschieht nichts“, sagt Stefan Bitsch, Geschäftsführer des BUND Kassel. Bitsch erinnert an den Beschluss der Stadtverordneten im Vorfeld des Baus der Tiefgarage Friedrichsplatz in den 90er-Jahren. Deren zweiter Bauabschnitt war 1996 mit der politischen Maßgabe eröffnet worden, dass gleichzeitig 550 oberirdische Parkplätze in der Innenstadt wegfallen sollten.

Über seine Gestaltung wird seit Jahrzehnten gestritten: Der Karlsplatz dient bislang hauptsächlich als Parkplatz. Die ortsansässigen Geschäftsleute fordern, dass die Autos nicht von der Fläche verbannt werden. Der BUND hält eine Umgestaltung mit weniger Parkraum für nötig. Archi
Über seine Gestaltung wird seit Jahrzehnten gestritten: Der Karlsplatz dient bislang hauptsächlich als Parkplatz. Die ortsansässigen Geschäftsleute fordern, dass die Autos nicht von der Fläche verbannt werden. Der BUND hält eine Umgestaltung mit weniger Parkraum für nötig. © Jochen herzog

Karlsplatz in Kassel: Hin und her bei der Umgestaltung

Der vereinbarte Rückbau oberirdischer Stellplätze war sogar Bestandteil des Vertrages, den die Stadt mit dem Tiefgaragenbetreiber Gerhard Jochinger geschlossen hatte. So sollte Jochinger eine entsprechende Auslastung der Tiefgarage gewährleistet werden. Bei Nichteinhaltung war eine Konventionalstrafe vereinbart. So reduzierte sich für einige Jahre die jährliche Leasingrate, die die Parkhausgesellschaft an die Stadt zahlen musste, um 250.000 Euro, weil die ungefähr 100 Parkplätze auf dem Karlsplatz weiter von der Stadt bewirtschaftet wurden.

Der beschlossene Abbau der 550 oberirdischen Parkplätze sei bis heute nicht vollständig umgesetzt, moniert Bitsch. Tatsächlich sollten dafür seinerzeit auch die Parkplätze auf dem Karlsplatz wegfallen. Zu Jahresbeginn 1999 hatte der damalige Bürgermeister Ingo Groß (SPD) veranlasst, alle noch bestehenden Parkplätze stillzulegen. Erklärtes Ziel der Stadtverordneten war es schon damals, den Platz zu bebauen. Jochinger war als Bauherr im Gespräch. Dieser wollte dort ein Stadthaus errichten, das von einem Platz mit Aufenthaltsqualität umgeben sein sollte.

Karlsplatz in Kassel: Neugestaltung in der Schwebe

Doch nur vier Monate später drehte Groß die Entscheidung zurück. Nun sollten die Parkplätze wieder auf Dauer erhalten werden. Die ansässigen Einzelhändler hatten für den entsprechenden Druck gesorgt, da sie sich durch den Wegfall der Parkplätze vor ihren Türen in ihrer Existenz bedroht sahen. Rückendeckung bekamen sie damals von der CDU-Fraktion. Nachdem der erste Anlauf zur Neugestaltung des Karlsplatzes gescheitert war, passierte fast 20 Jahre lang nichts. 2019 brachte Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) den Platz schließlich als Standort für das geplante documenta-Institut ins Gespräch. Im Mai 2020 stimmten die Stadtverordneten dann mit knapper Mehrheit für den Standort. Grüne, SPD und ein Teil der Linken votierten dafür.

Doch abermals hatten Karlsplatz-Anlieger den Widerstand erfolgreich organisiert. Mehr als 7000 Unterschriften sammelten sie gegen die geplante Bebauung. Noch bevor der damit nötig gewordene Bürgerentscheid stattfinden konnte, zog die SPD-Fraktion die Reißleine. Sie hob im August 2020 mit den anderen Parteien den zuvor getroffenen Beschluss wieder auf.

Seitdem hängt die Zukunft des documenta-Institutes ebenso in der Luft wie die Neugestaltung des Karlsplatzes. Die Stadt Kassel will sich auf HNA-Anfrage im Laufe der nächsten Woche zu ihren weiteren Planungen für den Karlsplatz äußern. (Bastian Ludwig)

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