Unternehmen hat keine Anhaltspunkte, für Schienenlieferungen zu viel bezahlt zu haben

Fragliches Kartell lieferte auch an die KVG

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Unter der Lupe: Die Schienen der Lossetalbahn – hier eine Tram zwischen Helsa und Kaufungen – hatte die KVG bei Firmen gekauft, die jetzt wegen Kartellverstößen im Zwielicht stehen.

Kassel. Auch die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft KVG gehört zum Kundenkreis eines Kartells von Schienenlieferanten, das jetzt vom Bundeskartellamt ein hohes Bußgeld wegen verbotener Preisabsprachen kassiert hat.

Bisher gibt es laut KVG-Sprecherin Heidi Hamdad allerdings keine Anhaltspunkte, dass auch das nordhessische Nahverkehrsunternehmen von Kartellbetrug betroffen ist. Überprüfungen hätten nichts Auffälliges ergeben.

Mit zwei der betroffenen Stahlkonzerne, ThyssenKrupp und Voestalpine BWG, habe die KVG im vergangenen Jahrzehnt Liefergeschäfte im Gesamtvolumen von zwei Millionen Euro gemacht. Dabei sei es vor allem um Schienen- und Weichenlieferungen für den Bau der 2006 fertiggestellten Lossetalbahn gegangen sowie „in deutlich geringerem Umfang“ für die im Vorjahr eröffnete Straßenbahntrasse nach Vellmar.

Beide Vorhaben wurden laut Hamdad europaweit ausgeschrieben. Dafür gebe es jeweils Vergleichsangebote weiterer Lieferanten, die bisher nicht im Fokus von Kartell-Ermittlungen stehen. Die KVG-Sprecherin: „Wir vergeben keine Aufträge in solchen Größenordnungen wie die Deutsche Bahn. Das hat für uns den Vorteil, dass wir nicht auf die Großen im Markt angewiesen sind, sondern auch mit kleineren Herstellern zusammenarbeiten können.“

Als Hauptgeschädigte in dem Kartellverfahren gilt die Deutsche Bahn. Sie geht davon aus, zehn Jahre lang Preise gezahlt zu haben, die um 30 Prozent überhöht gewesen seien. Das mit Abstand höchste Bußgeld wurde gegen ThyssenKrupp verhängt. Der Konzern muss knapp 125 Mio. Euro zahlen.

Das Kartellamt hat angekündigt, beim Thema Schienenlieferungen nun verstärkt auch das Geschäft mit regionalen und lokalen Abnehmern wie der KVG unter die Lupe nehmen zu wollen. Falls dabei „weitere Lieferanten ebenfalls der unzulässigen Preisabsprache überführt würden, stiege die Wahrscheinlichkeit, dass wir betroffen sind“, sagte Hamdad.

Mit Blick auf die bisherigen Verfahren sehe die KVG aber „keinen Grund, mit ThyssenKrupp und Voestalpine nicht mehr zusammenzuarbeiten, denn wir haben bislang keinerlei Hinweise auf ein kriminelles Verhalten uns gegenüber“. Würden diese beiden Firmen aus dem Lieferantenkreis ausgeschlossen, „würden wir selbst den Wettbewerb beschränken“, sagte Hamdad. Dies hätte ein höheres Risiko für die KVG zur Folge, „überteuerten Angeboten den Zuschlag erteilen zu müssen“.

Von Axel Schwarz

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