176 Mitglieder wollen Erinnerungen wach halten - Informationsaustausch auch im Internet

Kaskade-Fans bleiben am Ball

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Besuchten ihr ehemaliges Lieblingskino: Die Facebook-Gruppe der Kaskadefreunde traf sich am documenta-Standort Kaskade-Kino am Königsplatz und wünscht sich eine echte Wiederbelebung des alten Lichtspielhauses. Von links: Christian Fresenius, Horst Schnitzmeier, Karsten Wagner, Andreas-Werner Gerner, Werner Schiffmann, Katrin Wagner und Sabrina Schiffmann. Foto: Hein

Kassel. Das Kaskade-Kino lebt, aber nur zeitlich begrenzt bis zum 16. September als documenta-Standort. Und im Internet: Die 176 Mitglieder zählende offene Facebook-Gruppe der Kaskade-Freunde „Kaskade-Kino Kassel“ pflegt per Mail einen regen Gedankenaustausch über ihren Kultort und kämpft um dessen Wiederbelebung.

Darüberhinaus scheint das Schicksal des Traditionshauses am Königsplatz zunächst besiegelt: Der Eigentümer der Immobilie, die Aachener Grundvermögen, will die Räume an einen Einzelhändler vermieten (HNA berichtete). Dabei soll der 50er-Jahre Saal mit seiner markanten goldfarbenen Decke in moderne Geschäftsräume integriert werden. Durch eine Glasplatte im Boden wird man auf einige beleuchteten Kinositze blicken.

Toter Denkmalschutz

Eine schlimme Vorstellung für die Kaskade-Freunde. „Das ist ja dann wie ein Pharaonengrab“, sagt Christian Fresenius. Werner Schiffmann fügt hinzu: „Toter Denkmalschutz - davon hat doch niemand was.“ Er wirft den verantwortlichen Denkmalschützern vor, dass sie das Kino „still und heimlich eingemottet haben“. „Ich bin sicher, dass das Kaskade als Kultkino eine Zukunft haben würde“, sagt Andreas-Werner Gerner. Charakteristika des prächtigen Lichtspielhauses wie die Sonntagsmatineen und Langen Filmnächte kämen heute wieder an, vermutet er.

Eine Weile diskutieren die Kaskade-Freunde noch, wo genau der Eingang des Kaskade und des benachbarten Bambi-Kinos war, denn davon ist heute nichts mehr zu erkennen. Schließlich geht’s hinein, in den documenta-Standort. Auf der Leinwand ist als Dauerschleife ein Film des Künstlers Jérôme Bel über tanzende Menschen mit Behinderung zu sehen. Sachkundig wird das Kino von den Fans inspiziert und fotografiert.

Erinnerungen an schöne Kinostunden werden wach. Kaum einer, der nicht schwärmt. „Der erste Film, den ich hier gesehen habe, war Disneys ‘Die Wüste lebt’, was für ein Erlebnis“, sagt Werner Schiffmann.

Schräge Stuhlreihen

„Wenn nach den Wasserspielen die Leinwand runtergeklappt wurde, gab es dieses typische klackende Geräusch.“ Kein Zweifel: Hier sind echte Kenner zusammengekommen. Sie äußern auch Kritik: „Wenn ich diese schrägen Stuhlreihen sehe, könnte ich heulen“, sagt Horst Schnitzmeier. Aufgrund der Bauarbeiten am benachbarten Henschelhaus (heute Peek & Cloppenburg) hat sich der Fußboden des ehemaligen Kinos verworfen. „Das muss doch repariert werden.“

Die Hoffnung stirbt zuletzt: „Immerhin, das Kino wird nicht weggerissen, es bleibt“, schreibt Kaskadefreund Karsten Wagner im Netz: „Wenn sich ein dort eingepflanztes Geschäft nicht rentiert, kann man immer noch den waagerechten Boden wieder herausrupfen. Unser Einsatz war/ist nicht umsonst, und wir bleiben dran, solange es das Kaskade-Kino gibt.“

Wie das Kaskade-Kino und seine alten Wasserspiele aussahen, zeigen wir in einem Video unter: http://zu.hna.de/ kaskade-video

Von Christina Hein

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