Erlös aus Verkauf für Aktion Advent

Kaskade-Stühle als Erinnerung ans Kino

Kassel. Die größte Einzelbestellung hat der vielleicht größte Fan des legendären Kaskade-Kinos aufgegeben. 200 gepolsterte Klappstühle transportierte Werner Baus mit Unterstützung zahlreicher Helfer am Mittwoch ab. Für sein Kino-Museum in Helsa-Eschenstruth will er die roten Sitze haben.

Am Mittwoch wurde der große Kinosaal fast leer geräumt, bis zum Wochenende verschwinden auch die meisten Sessel von der Empore. „Die ersten drei Reihen werden nach dem Umbau wieder zu sehen sein und auch einige Exemplare im ehemaligen Kinosaal“, sagt Kurt Pillkowsky. Der Bauleiter hat im Auftrag des Immobilienbesitzers Aachener Grundvermögen den Verkauf der Kinostühle organisiert.

Der Erlös soll der Aktion Advent der HNA zugutekommen. Pillkowsky rechnet mit gut 4000 Euro. „Wir wollten mit dem Verkauf kein Geschäft machen“, sagt der Bauingenieur, der schon die Arbeiten im Nachbargebäude von Peek und Cloppenburg geleitet hat. Er erinnert sich an eine ganze Reihe von Telefonaten mit Menschen, die einen besonderen Bezug zum Kaskade-Kino hatten.

„Eine Frau hat mir erzählt, dass sie ihren späteren Mann zum ersten Mal in diesem Kino geküsst hat“, sagt er. Gleich 20 Kinosessel habe ein Mann von der evangelischen Kirche haben wollen. Die seien für einen Jugendraum bestimmt.

Bilder vom Abtransport

Stühle verschwinden aus Kaskade Kino

Genau so viele hat auch eine Frau bekommen, die gesagt habe, sie wolle damit ihre Loft-Wohnung ausstatten. „Mindestens 80 Prozent der Anrufer wussten aber noch gar nicht, wo sie die Stühle hinstellen sollten. Die wollten einfach eine Erinnerung haben“, sagt Pillkowsky.

In der kommenden Woche beginnen die Umbauarbeiten an den seit zwölf Jahren nicht mehr als Kino genutzten Räumen. Für 100 Tage war es noch einmal als documenta-Standort im Fokus.

Das Kaskade-Kino war für seine Wasserspiele berühmt, die vor dem Filmprogramm zu sehen waren. Das Kino wurde 1952 gebaut und 1978 saniert. Die Bestuhlung stammt aus den 1970er-Jahren.

In Absprache mit der Denkmalpflege plant die Aachener Grundvermögen den Umbau zu einem Geschäft über zwei Etagen. Dabei sollen Teile der Empore, die Decke sowie etwa 100 Stühle, die Leinwand und das Mischpult für die Wasserspiele erhalten bleiben. Bereits im Juni 2013 soll der Umbau abgeschlossen sein. Zur Investitionssumme macht der Bauherr keine Angaben. Kaskade-Fan Werner Baus hat angeboten, dann einen Film mit den Wasserspielen zu zeigen.

Von Thomas Siemon

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