Mieter für einstiges Filmtheater am Königsplatz noch offen

Einzelhandel statt Kino: Kaskade wird umgebaut

Blick in den Kinosaal: Das Kaskade ist Baustelle. Hinter der neuen Betonwand (Bildmitte hinten) entsteht ein Fluchttreppenhaus. Die Stufen führen zum Lyceumsplatz. In dem rechteckigen Schacht in der Mitte werden später Kinosessel unter Glas zu sehen sein. Fotos: Fischer

Kassel. Szenenwechsel im Kaskade: Baustaub statt rauchende Colts, Presslufthammer statt Filmmusik - im Kaskade-Kino am Königsplatz wird hart gearbeitet. Das Kasseler Traditionskino hat endgültig ausgedient. Es muss Platz für den Einzelhandel machen.

Der Eigentümer, die Aachener Grundvermögen in Köln, lässt das seit zwölf Jahren geschlossene Filmtheater umbauen. Die Arbeiten sollen im Frühsommer 2013 beendet sein. Wer in die Räume einzieht, ist noch offen.

Auf den ersten Blick erinnern nur noch die goldene Decke und die Empore an die alten Zeiten. Im September haben die Abrissarbeiten in dem denkmalgeschützten Kino begonnen. Seit Oktober wird der einstige Reiss-Betrieb unter Regie der Kasseler Bauunternehmung Rennert umgebaut. Die Arbeiter haben einen ebenen Boden aus Beton eingezogen. Zwei neue Säulen stützen die Empore, die zum Teil geöffnet und so den Blick auf den Kinosaal samt Bühne freigeben wird. Der vordere Teil bleibt unverändert - samt der roten Kinosessel, die dort unter einer schützenden Plane in einer Viererreihe stehen.

Die alte Stützkonstruktion aus Stahl bleibt ebenfalls stehen. Ursprünglich sollte sie laut Rennert-Chef Thilko Gerke ersetzt werden. Wegen des großen Aufwands habe sich der Bauherr anders entschieden. Die Empore wird später eine Ebene mit dem Vorraum bilden, der zuletzt vom ehemaligen Café Nr. 1 genutzt wurde. Die Stufen, mit denen die unterschiedlichen Höhen bislang überwunden werden, fallen weg.

Bilder: So sieht es heute im Kaskade-Kino aus

So sieht es heute im Kaskade-Kino aus

Barrierefreiheit wird auch ein Aufzug schaffen, der vom Keller bis ins Obergeschoss führt. Hinter der Bühne gibt es ein Fluchttreppenhaus. Die Stufen führen zum Lyceumsplatz. Eine Wand aus Beton ersetzt das alte Mauerwerk, das sich hinter der Leinwand befand.

Mehr über die Geschichte des Kaskade.Kinos lesen Sie im Regiowiki.

Die Technik für die Wasserspiele, die einst die Kinogänger vor jeder Filmvorführung erfreuten, liegt verborgen unter einer Decke. Sie wird spätger mit einer Panzerglasplatte abgedeckt. Kunden können so einen Blick darauf werfen. Das gilt auch für einige Stuhlreihen, die auf ähnliche Weise in einem ausgesparten Schacht unter Glas sichtbar werden.

„Es ist ein schwieriger Bau“, sagt der für den Eigentümer tätige Bauleiter Kurt Pillkowsky. „Es ist ein altes Haus mit vielen Überraschungen.“ Das treibe die Kosten in die Höhe. Zahlen nennt die Aachener Grundvermögen nicht. Die Pläne stammen von dem Kölner Architekten Thomas Michael, der bereits das Bonner Metropol-Kino von 1929 zur Buchhandlung umbaute.

Von Ellen Schwaab

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