Ausstellung im Stadtmuseum

Die 80er waren mehr als nur Spaß: Das Jahrzehnt, in dem sich Kassel veränderte

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Symbol der Wende: Kulturdezernentin Susanne Völker und Kai Füldner, Leiter der Städtischen Museen, mit einem Trabi, der durch die Berliner Mauer zu fahren scheint.

Bei dieser Ausstellung können alle mitreden: Mit der Schau „Ab in die 80er!“ feiert das Kasseler Stadtmuseum ein Jahrzehnt, das jeder, der älter als 40 ist, erlebt hat.

Alle anderen bekommen die Folgen der damaligen Umwälzungen in Politik und Popkultur noch heute zu spüren. Gerade in Kassel, das sich seither sehr verändert hat. Vier Gründe, warum die 80er besonders im Gedächtnis bleiben und man die ebenso informative wie unterhaltsame Ausstellung auf vier Etagen, die heute (18 Uhr) eröffnet wird, auf jeden Fall besuchen sollte.

Die Maueröffnung

Verkleidete Ausstellungsmacher: Kai Füldner (von links), Christina Reich (Kuratorin), Kathrin Schellenberg (stellvertretende Leiterin) und Andrea Schlicht (Kuratorin) im Outfit der 80er.

Auf den ersten Blick sieht es aus, als hätte sich das Stadtmuseum im Datum geirrt. Ausgerechnet 30 Jahre nach der Wende eröffnet das Haus eine Ausstellung über ein Jahrzehnt, das mit dem historischen Ereignis im November 1989 schon fast vorbei war. Auf den zweiten Blick ist genau das ein kluger Schachzug. Das Ende des Kalten Krieges wird in einen größeren Kontext gepackt, der auch im nächsten Jahr noch Besucher anlocken wird.

Für Kai Füldner, Leiter der Städtischen Museen, ist darum auch ein Auto ein „zentrales Element“ der Ausstellung. Er hat einen Trabi gekauft, ihn in der Mitte durchsägen lassen, damit er ins Museum passt, und die vordere Hälfte an eine Nachbildung der Berliner Mauer montiert. Ein schönes Symbol dafür, dass es die Menschen waren, die die Grenze zum Einsturz brachten. Es ist gut möglich, dass der Trabi in den nächsten Monaten so oft fotografiert wird wie der Herkules.

Gerade für die Stadt im ehemaligen Zonenrandgebiet war der Mauerfall laut Füldner ein Glücksfall: „Wenn es das nicht gegeben hätte, würde es Kassel heute nicht so gut gehen.“

Kassel im Wandel

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur Bilder und Filme der Menschenmassen, die am zweiten Novemberwochenende 1989 aus der DDR nach Nordhessen strömten. Die Kuratoren dokumentieren auch, wie sich das Gesicht Kassels im gesamten Jahrzehnt verändert hat.

Die Bundesgartenschau 1981 und die Kunstaktion 7000 Eichen von Joseph Beuys zur documenta 1982 machten die Stadt grün. Der neue Uni-Campus am Holländischen Platz und die documenta urbana veränderten Kassel architektonisch. Der gegen große Widerstände gebaute Bahnhof Wilhelmshöhe sorgte dafür, dass ICEs nicht an Kassel vorbeifuhren. Und damals gegründete Kulturinitiativen wie Schlachthof und Filmladen sind längst etabliert.

Die Krisen

Die Retro-Welle hat die 80er rückblickend zur Spaß-Ära gemacht. Dabei waren sie „nicht unbedingt das schöne Jahrzehnt“, wie Füldner sagt. Das wird schon im ersten Stock deutlich, wo das Planspiel „Fulda Gap“ gezeigt wird. So bezeichneten Militärs das Gebiet an der innerdeutschen Grenze, wo Soldaten aus Ost und West hätten aufeinandertreffen können. Spaß konnten die 80er nur machen, weil es eben lediglich „beinahe knallte“, wie Füldner sagt.

Aber auch sonst hatte man damals nicht unbedingt viel zu lachen. Ein abgesperrter Sandkasten steht für die Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986. Zeitzeugen berichten, wie Autos an der Grenze und das Gemüse im Garten dekontaminiert werden mussten.

Der Zeitgeist

Nena und andere Pop-Stars dürfen in der 80er-Jahre-Ausstellung ebenfalls nicht fehlen.

Bereits Anfang der 80er hatte das Waldsterben die Menschen aufgerüttelt. An einem Tisch werden Protestplakate der damals gerade entstandenen Umweltbewegung sowie aktuelle Poster von Fridays for Future gezeigt. Zudem kann man aus Wörtern eigene Slogans bilden.

Überhaupt ist der Mitmachfaktor der Ausstellung hoch. Besucher können alte Computer-Games zocken, raten, welches Zitat aus welchem Film ist, und sich Lieder anhören, die in legendären Kasseler Clubs wie dem „Kunst-Bunker“ und dem „Café Musique“ liefen.

Sie können noch einmal mit den Fußball-Fans des KSV Hessen weinen, der 1984 denkbar knapp am Bundesliga-Aufstieg scheiterte. Und sie können sich mit Vokuhila-Perücke und Stirnband wie Jane Fonda kleiden und auf einer Yoga-Matte Aerobic machen. 80 Kasseler hatten sich vorher auf einen Aufruf gemeldet, um Leihgaben zur Verfügung zu stellen – von Kleidung bis zu Schlumpffiguren.

Laut Kulturdezernentin Susanne Völker gelingt es der Ausstellung „wunderbar, Geschichte lebendig werden zu lassen“. Globale Ereignisse werden lokal anschaulich gemacht. Nur was könnte die Botschaft von damals für uns heute bedeuten? „Die 80er waren ein Jahrzehnt des Engagements“, sagt Kuratorin Christina Reich. Womöglich ist es Zeit, sich wieder zu engagieren – aber dann bitte in anderen Klamotten.

Ausstellung „Ab in die 80er!“ im Stadtmuseum Kassel

Ausstellung „Ab in die 80er!“ im Stadtmuseum Kassel
nein © Andreas Fischer
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