Corona-Pandemie

„Umsatzeinbußen ohne Ende“: Das sagen Wirte zur 2G-Plus-Regel in Kassel

Strengere Regeln für den Einlass in Lokale: Voraussichtlich nächste Woche treten sie auch in Kassel in Kraft.
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Strengere Regeln für den Einlass in Lokale: Voraussichtlich nächste Woche treten sie auch in Kassel in Kraft.

In Kassels Gastronomie gilt nun die 2G-plus-Regel. Das sagen betroffene Wirte zu der neuen Corona-Maßnahme.

Kassel – Auch in Kassels Kneipen und Restaurants treten verschärfte Corona-Regeln in Kraft, da die Stadt nun offiziell als Corona-Hotspot gilt. Geimpfte und genesene Gäste müssen dann einen tagesaktuellen Schnelltest vorweisen, sofern sie noch keine Auffrischungsimpfung erhalten haben. Für Wirte, die das kontrollieren müssen, ist das ein weiterer Dämpfer fürs Geschäft und für die Stimmung. Wir haben uns in der Gastro-Branche in Kassel umgehört.

Im Zwehrener Hof befürchtet Inhaberin Petra Hebaum „Umsatzeinbußen ohne Ende“ und vermehrten Ärger mit genervten Gästen. Schon jetzt gebe es immer wieder Diskussionen um die geltenden Kontrollpflichten, was sie zunehmend als „ermüdend“ empfinde: „Ich habe die Bedingungen ja nicht gemacht.“

Corona in Kassel: Wirtin fühlt sich „allmählich überfordert“

Mit Blick auf die zusätzlich geforderten Schnelltests habe sie lange überlegt, solche Tests selbst vor Ort anzubieten. „Aber das ist einfach zu aufwendig“, sagt Hebaum. Wenn sie die Kosten dafür auf die Gäste umlege, „wird das keiner machen, der hier nur ein Bier trinken will“. Und der das Ergebnis dann nicht nutzen könne, wenn er noch in weitere Kneipen zieht – dokumentieren könne sie so einen Test ja nicht.

„Man fühlt sich allmählich überfordert von den immer neuen Regelungen für die Gastronomie“, klagt die Wirtin. Auch die Einkaufsplanung sei zunehmend schwierig, mit der Perspektive, dass demnächst vielleicht noch weniger Gäste kommen.

Dieses Problem sieht auch Claudio Carciola, Inhaber des Restaurants Alte Wache am Bergpark. „Das war einfacher, als der Lockdown noch galt.“ In dieser Zeit hatte Carciola aufs Außer-Haus-Geschäft gesetzt und konnte daher berechenbarer kalkulieren. Wie die Gäste nun auf die neuen Regeln reagieren werden, „das können wir nicht einschätzen“, sagt der Gastronom. Er denkt aber, „dass das unsere Branche wieder deutlich bremsen wird“.

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2G-Plus-Regel in Kassel: Stammgäste sind verständnisvoll

Immerhin seien die Stammgäste der Alten Wache verständnisvoll, was die inzwischen obligatorischen Impfstatus-Kontrollen betrifft. Diskussionen darum gebe es keine – und gastronomische Laufkundschaft sei am Bergpark in diesen Wochen auch kaum ein Thema.

Sascha Kovacs, Inhaber des Restaurants Denkmahl im Vorderen Westen, sieht die neuen Nachweis-Verpflichtungen gelassen. Am vergangenen Wochenende habe er einmal genauer ausgewertet, wie sich seine Gäste am Eingang legitimieren: „Bei uns sind glücklicherweise 85 Prozent der Leute schon geboostert“, hat er festgestellt.

Für das Restaurantteam sieht Kovacs keine zusätzlichen Erschwernisse bei der Abfrage von Impf- oder Teststatus: „Die Fragestellung ist ja im Grunde die gleiche, dieser Aufwand ändert sich ja nicht.“ Allerdings gelte für die gesamte Gastronomie in diesen Zeiten umso mehr, dass „jeder Gast zählt“. Wie sich die verschärften Corona-Regeln auf die Lust zum Ausgehen auswirken werden, dazu will Kovacs keine Prognose wagen.

Corona-Pandemie: Dehoga Hessen kritisiert „ständigen Wechsel von Maßnahmen“

Der Branchenverband Dehoga Hessen bemängelt, dass es unverhältnismäßig sei, durch die verschärften Regen etliche potenzielle Gäste abzuschrecken, wie Regionalgeschäftsführer Oliver Kasties sagt. „Wir kritisieren diesen ständigen Wechsel von Maßnahmen“, deren Folge erneut deutliche Umsatzeinbrüche und eine weitere Verunsicherung des Gastro-Personals sein werde.

Insbesondere kritisiert der Dehoga, dass die schärferen Zugangsregeln für Lokale nicht an die Entwicklung der Inzidenzwerte und Hospitalisierungsraten gekoppelt sind, es also bei einer Entspannung der Lage „keinen Weg zurück“ gebe, sagt Kasties. Über diesen Punkt stehe für Mittwoch ein Gespräch des hessischen Gastro-Verbandes mit Ministerpräsident Volker Bouffier an. Auch eine rechtliche Überprüfung behalte sich der Dehoga vor. (Axel Schwarz)

In Hessen werden die Corona-Regeln aufgrund der Omikron-Variante erneut angepasst. Es wird bundesweit eine 2G-Plus-Regelung für die Gastronomie geben.

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