Tonne kann eingezogen werden

Was gehört in den Biomüll? Ab sofort gibt es die Rote Karte für Müll-Sünder in Kassel

+
Statdreiniger kontrollieren ab sofort die Biomüll-Tonnen in Kassel: Sarah Klemme zeigt die Hinweis-Aufkleber.

Wer in seine Biotonne Abfall wirft, der dort nicht hineingehört, muss damit rechnen, dass Kassels Stadtreiniger die Tonne ungeleert stehen lassen.

Rote Aufkleber hinterlassen Kassels Müllwerker ab sofort an Biotonnen, in denen sie bei Stichproben regelmäßig Fremdstoffe finden. Das ist nicht nur ein freundlicher Hinweis, sondern hat nun auch Konsequenzen, wie der städtische Betrieb jetzt bekannt gab. Schon seit dem Sommer finden zahlreiche Biotonnen-Nutzer an den Gefäßen gelbe Aufkleber als Mahnung vor.

Der Hintergrund ist, dass die Grenzwerte für Bioabfall 2018 deutlich verschärft wurden. Ist zu viel Plastik oder sonstiger Fremdmüll drin, kann das organische Material nicht mehr zur Kompostherstellung verwendet werden.

Wer einen roten Aufkleber findet, muss die Fremdstoffe wieder herausholen

Deswegen müssen anhaltend sorglose Biomüll-Sünder in Kassel nun mit Folgen rechnen. Wer einen roten Aufkleber vorfindet, kann die Fremdstoffe aus der Tonne entfernen, dann wird sie beim nächsten Mal geleert.

Alternativ kann man bei den Stadtreinigern eine Sonderleerung als Restmüll beauftragen, was je nach Tonnengröße extra kostet.

Nach drei aufeinanderfolgenden Verstößen wird die Biomüll-Tonne eingezogen

Dirk Lange, Betriebsleiter Stadtreiniger Kassel.

Falls Abfallkunden die Verstöße über drei Leerungs-Intervalle hinweg nicht einstellen, bekommen sie die rot gekennzeichnete Biotonne entzogen und stattdessen eine weitere, kostenpflichtige Restmülltonne hingestellt. 

Man wolle die Nutzer damit nicht bestrafen, betonte Betriebsleiter Dirk Lange von den Stadtreinigern. Vielmehr setze man auf eine Kombination von Aufklärungsarbeit und Kontrollen vor Ort, um „die Qualität des Bioabfalls wieder in den Griff zu bekommen“.

Wegen Verunreinigung: Rund 500 bis 600 Tonnen Biomüll landen pro Jahr in der Verbrennungsanlage

Pro Jahr landen laut Lange in Kassel 500 bis 600 Tonnen organischer Abfall, der kompostiert eigentlich ein wertvoller Dünger für Äcker und Gärten wäre, wegen Verunreinigungen in der Müllverbrennungsanlage. Ganz abgesehen vom ökologischen Aspekt bedeute das auch höhere Kosten sowie Einnahmeausfälle für die Stadtreiniger.

Das Problem sei quer durchs Stadtgebiet überall dort festzustellen, wo es große Gebäude mit vielen Bewohnerparteien gibt. „Das hat etwas mit Anonymität zu tun“, sagte Lange.

Rund 11.000 Tonnen organischer Müll werden pro Jahr in Kassel gesammelt

Die Kasseler Stadtreiniger sammeln jedes Jahr rund 11.000 Tonnen organischen Abfall über die Biotonnen ein, das sind etwa 40 Gewichtsprozent des gesamten Müllaufkommens in der Stadt. Betreiber von großen Kompostieranlagen nehmen den Bioabfall ab – aber nur, wenn er nicht zu stark verunreinigt ist. Im fertigen Kompost darf der Anteil etwa von Plastik, dem problematischsten Fremdstoff, höchstens 0,1 Gewichtsprozent betragen, heißt es in der Düngemittelverordnung.

Fragen und Antworten zum Thema Biotonne

Was darf man alles in der Biotonne entsorgen? 

Hinein dürfen Obst-, Gemüse- und Eierschalen, Reste von Käse, Wurst, Fleisch und Fisch (auch Gräten und Knochen), Teebeutel und Kaffeefilter, altes Brot und anderes Gebäck, Küchenkrepp und Servietten, Reste von Joghurt und Quark, verdorbene Lebensmittel aus dem Kühlschrank – wobei hier ganz wichtig ist: ohne Kunststoffverpackung. 

Was ist das Problem dabei? Der Biomüll wird doch mechanisch ausgesiebt.

Das gelingt aber nur unvollständig. Sehr viele Plastikteilchen landen im Kompost auf dem Acker, werden ausgewaschen und gelangen in die Meere, wo sie von Vögeln und Fischen gefressen werden. So landet das Mikroplastik über die Nahrungskette auch in unseren Mägen. Die Kasseler Stadtreiniger haben dazu einen informativen Youtube-Film ins Netz gestellt – zu finden unter dem Titel „Aktion gegen Plastik im Bioabfall – Die Stadtreiniger“.

Aber es gibt doch extra kompostierbare Öko-Plastiktüten für den Bioabfall?

Die sind untauglich, weil sie in modernen Kompostieranlagen viel zu langsam verrotten. Wer Kunststoffbeutel egal welcher Art benutzt, sollte nur den Inhalt in die Biotonne ausschütten und die entleerten Beutel anschließend in die Restmülltonne geben.

Was werfen die Kasseler so alles in die Biotonnen?

Das landet alles in im Biomüll: Stadtreiniger-Chef Dirk Lange bei einer Stichprobe.

Eine Stichprobe auf dem Betriebshof der Stadtreiniger hat am Freitag Bemerkenswertes zu Tage gefördert: Nach einer Tour im Stadtzentrum fanden sich in der ausgekippten Ladung eines Biomüllwagens jede Menge Plastiktüten voll Hausmüll, außerdem Windeln, Bierflaschen, in Plastik eingeschweißtes Obst und Gemüse sowie auch etliche Textilien. Neben alten Bettlaken hatte jemand etwa ein Michael-Schumacher-Fan-Badetuch in die Biomülltonne gestopft.

Warum wird gerade jetzt so streng kontrolliert beim Bioabfall?

Das kommt keineswegs unangekündigt. Bereits im Sommer hatten die Stadtreiniger alle Hauseigentümer angeschrieben und ausführlich informiert. Dabei wurde auch mitgeteilt, dass falsch befüllte Biotonnen künftig bei der Leerung stehen gelassen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.