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Ärger über Graffiti in Kassel: „Sieht aus wie im Getto“

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Friseurmeister Murat Gütmen aus Kassel ärgert sich über die vielen Graffiti-Schmierereien rund um das Wehlheider Kreuz.

Kassel - „Hier sieht es aus wie im Getto“, sagt Murat Gütmen. Der Friseurmeister, der seit Jahren den Salon Deluxe an der Schönfelder Straße in Wehlheiden betreibt, spricht von den vielen Fassaden im Quartier in Kassel, die mit Graffiti beschmiert sind. Ob am ehemaligen Fiasko oder den Häusern am Georg-Stock-Platz und in der Kantstraße.

Er selbst ist von den Schmierereien auch betroffen. Nachdem er sein Geschäft vor zehn Jahren komplett saniert habe, habe es angefangen. Immer wieder sei die Fassade von Unbekannten mit Farbe beschmiert worden. In jüngster Vergangenheit gleich dreimal. Zuletzt hat der Geschäftsmann in diesem Sommer die Wand deshalb neu streichen lassen. Mittlerweile ist sie schon wieder mit einem Schriftzug beschmiert.

Graffiti in Kassel-Wehlheiden: „Man ist einfach machtlos“

„Ich bin sauer, und ich ärgere mich“, sagt der 43-jährige Gütmen. Am liebsten würde er eine Kamera an seiner Immobilie installieren, um die Sprayer aufnehmen zu können. Als Privatmann darf er das allerdings nicht. „Man ist einfach nur machtlos.“

Kaum gestrichen, schon wieder beschmiert: die Hauswand des Friseursalons Deluxe an der Schönfelder Straße.
Kaum gestrichen, schon wieder beschmiert: die Hauswand des Friseursalons Deluxe an der Schönfelder Straße. © Ulrike Pflüger-Scherb

Anzeigen wegen Sachbeschädigung erstatte er mittlerweile gar nicht mehr, weil das ohnehin nichts bringe, so Gütmen. „Grundsätzlich können wir zwar nachvollziehen, dass sich manch ein Geschädigter bei eher niedrigen Aufklärungsquoten sagt, eine Anzeige bringe eh nichts“, so Polizeisprecher Matthias Mänz. Aber dennoch rate die Polizei aus folgenden Gründen immer zu einer Anzeige: Die Aufklärungsquote schwanke bei Sachbeschädigungen durch Graffiti teilweise nicht unerheblich, weil mitunter Serien und somit gleich eine Vielzahl von Taten aufgeklärt werden könnten. Zum einen führe eine nicht angezeigte Tat dazu, dass ein Geschädigter in einem solchen Falle trotz bekanntem Täter womöglich keine Schadensersatzansprüche mehr gelten machen könne, so der Polizeisprecher. Zum anderen komme der Täter für einen Teil seiner Taten möglicherweise ohne Strafe davon.

Graffiti in Kassel: Polizei bittet um Anzeige trotz schwankender Aufklärungsraten

„Um Täter zu ermitteln und Straftaten aufklären zu können, ist für die Polizei darüber hinaus wichtig zu wissen, wo es möglicherweise gehäuft zu solchen Schmierereien kommt. Werden Taten nicht angezeigt, wird es für die Polizei schwieriger, ein aktuelles Lagebild zu erstellen“, sagt Mänz. Örtliche Schwerpunkte, an denen verdeckte oder offene polizeiliche Maßnahmen vorgenommen werden könnten, würden somit möglicherweise nicht erkannt.

Dass es zu Schwankungen bei der Aufklärungsquote kommt, macht der Vergleich zwischen den Jahren 2020 und 2021 deutlich: Von den 305 angezeiget Tat im Jahr 2020 wurden 7,2 Prozent aufgeklärt. 2021 lag die Aufklärungsquote bei 18,4 Prozent – bei 315 angezeigten Fällen. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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