Arbeitslosenquote leicht gestiegen

Agenturchef Detlef Hesse über den Arbeitsmarkt in der Region: „Leiharbeit geht zurück“

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Die Arbeitslosenzahlen in Kassel und der Region sind im Dezember leicht gestiegen.

Die Arbeitslosenquote in Kassel und der Region ist leicht gestiegen. Darüber sprachen wir mit Detlef Hesse, dem Chef der Arbeitsagentur Kassel.

Kassel – In der Region gibt es aktuell 14.519 Jobsuchende – das sind 566 mehr als im November und 436 mehr als Dezember 2018. Die Arbeitslosenquote kletterte damit um 0,2 beziehungsweise 0,1 Punkte auf nun 5 Prozent im Agenturbezirk. 

In Kassel liegt die aktuelle Quote bei 7,1 Prozent (Vormonat 6,8 Prozent), im Landkreis bei 3,6 Prozent (Vormonat 3,4 Prozent). Über die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt sprachen wir mit Detlef Hesse (62), dem Chef der Agentur für Arbeit Kassel.

Herr Hesse, die Arbeitslosenzahlen sind im Dezember gestiegen - ist dies der saisonübliche Dämpfer?

Ja, der Anstieg lässt sich wie in den Vorjahren überwiegend saisonbedingt erklären, auch wenn es erst Mitte Dezember richtig kalt geworden ist. Allerdings fällt er stärker aus als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Der Arbeitsmarkt zeigte sich trotz schwächelnder Konjunktur im vergangenen Jahr robust. Wer hat besonders von dieser Entwicklung profitiert?

Detlef Hesse, Chef der Arbeitsagentur Kassel.

Das Jahresergebnis fällt durchaus positiv aus: Die Arbeitslosenquote sank im Schnitt von 5,3 auf 5,2 Prozent. Davon konnten alle Personengruppen profitieren. In der zweiten Jahreshälfte haben die Konjunkturimpulse jedoch nachgelassen. Von der nachlassenden Nachfrage waren insbesondere Ausländer, Jugendliche und Männer betroffen.

Sind dies auch die Gruppen, die es trifft, wenn Leiharbeiterverträge - etwa bei Mercedes und VW - nicht verlängert werden?

Wir beobachten generell einen Rückgang bei der Zeitarbeit. Auch im verarbeitenden Gewerbe gehen die Beschäftigungszahlen zurück. Im Automobilbranchenbereich wird die Zurückhaltung größer. Fragen wie die nach der Zukunft des E-Antriebs, globale Einwirkungen aber auch solche, die die Demografie betreffen, führen dazu, dass die Nachfrage schwächer wird als in den Vorjahren. Dass sich die Zahl der Leiharbeiter verringert, ist neben der konjunkturellen Entwicklung auch veränderten gesetzlichen Vorgaben geschuldet. Gerade Großunternehmen halten häufig nicht länger an dem hohen Stand der Leiharbeit fest.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch Wachstumsbranchen. Wo ist mit Stellenzuwächsen zu rechnen?

Zuwächse wird es im Dienstleistungsbereich geben, in Tourismus, Gastronomie und Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen aber auch in der öffentlichen Verwaltung.

Statistiken 2019 waren nicht nur durch niedrige Arbeitslosigkeit gekennzeichnet, sondern auch durch hohen Stellenbestand. Wird sich das in diesem Jahr fortsetzen?

Ein hoher Stellenbestand ist nicht unbedingt positiv zu bewerten. Denn er bedeutet auch, dass Stellen schwer zu besetzen sind. Insofern halte ich den Stellenzugang für aussagekräftiger: Übers Jahr haben wir in der Region fast 1000 offene Stellen weniger zu verzeichnen. Dennoch wird die Nachfrage insbesondere nach Fachkräften auf einem hohen Niveau bleiben.

Kommt der Abbau der Arbeitslosigkeit 2020 zum Stillstand?

Wir sind schon beim Stillstand angekommen; wir haben 3,1 Prozent mehr Arbeitslose als im Vorjahr. Der Abbau kann sich kaum weiter fortsetzen, aber wir dürfen auch nicht vergessen, von welchem Niveau wir kommen und welch hohe Arbeitslosenquote Kassel noch vor 20 Jahren hatte. In der Region wird sich in den nächsten Jahren die Problematik der Demografie verschärfen, wenn die Generation 55 Plus aus dem Erwerbsleben ausscheiden wird. Der Bedarf wird hier größer werden als andernorts – das sorgt für Nachfrage, bedeutet aber zugleich eine große Herausforderung.

Und was macht Ihnen Sorgen?

Dass die Geringqualifizierten auf der Strecke bleiben, denn die Nachfrage nach Helferberufen lässt nach. Weiterbildung hat deshalb Priorität. Ebenso das Thema Ausbildung: Wir beobachten, dass sich immer mehr kleine Betriebe aus der Ausbildung verabschieden. Ihnen aber gilt der Appell: Das sind die Fachkräfte, die ihr braucht!

Arbeitsmarkt in Zahlen:

  • Deutschland: Dezember 2019: 2,23 Millionen Arbeitslose, plus 47 000 gegenüber November 2019. Quoten: 4,9 Prozent, plus 0,1 Prozentpunkte gegenüber November 2019 und Dezember 2018
  • Hessen: Dezember 2019: 146 699 Arbeitslose, plus 3359 gegenüber November 2019, plus 1925 gegenüber Dezember 2018 Quoten: 4,3 Prozent gegenüber 4,2 Prozent im November 2019 und 4,3 Prozent im Dezember 2019.
  • Niedersachsen: Dezember 2019: 212 378 Arbeitslose, plus 4589 gegenüber November 2019, minus 3406 gegenüber Dezember 2018 Quoten: 4,9 Prozent gegenüber 4,9 Prozent im November 2019 und 5 Prozent im Dezember 2018.

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