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Kassel als Graffiti-Stadt ist „voll fett“: Neue Audioguides stellen Street Art vor

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Von: Matthias Lohr

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Heinz Erhardt in der Treppenstraße: Wandgemälde von Kolor Cubes und Britto Arts Trust zur documenta.
Heinz Erhardt in der Treppenstraße: Wandgemälde von Kolor Cubes und Britto Arts Trust zur documenta. © KolorCubes

Seit Jahren verwandeln Graffiti-Künstler Kassel immer wieder neu. Nun zeigen zwei neue Audioguides, dass die ganze Stadt eine große Freiluft-Galerie ist. Kassel wird so neu entdeckt.

Kassel – Vor wenigen Wochen erlebte Moritz Micalef, wie Kassel internationale Besucher auch nach der documenta zum Staunen bringen kann. Auf dem Gelände des K 19 an der Universität traf er ein Englisch sprechendes Paar, das sich Graffiti-Kunst anschaute und dabei den Audioguide zu Kassels Street Art hörte, den die CDW-Stiftung 2019 veröffentlicht hatte. Die junge Frau sagte zu dem Mann: „Ich wusste nicht, dass Kassel so eine Kunststadt ist.“ Auf Englisch sagte sie: „arty town“.

Und Kassel wird immer mehr „arty“, wie zwei neue Audioguides beweisen. Micalef, der als Referent für Kunst und Kultur bei der CDW-Stiftung arbeitet, hat sie gerade mit Graffiti-Künstlern und anderen Teilnehmern des ungewöhnlichen Projekts vorgestellt. Die kostenlosen Audio-Führungen sind in der App „izi.Travel“ abrufbar und führen einmal über eine Nord-Route (zwischen Holländischem Platz und Weserspitze) sowie durch Kassel-Mitte (vom Weinberg zum Entenanger).

24 künstlerisch gestaltete Graffiti-Wände gibt es mittlerweile in der Stadt, 18 sind neu. Ganz Kassel ist quasi eine große Freiluft-Galerie. Nun kann man die Kunst noch besser erkunden. Eingesprochen hat die Texte der Schauspieler Thomas Hof, der die Stadt so neu entdeckt hat. „Ich bin in Ecken gekommen, an denen ich noch nie war“, sagt der in Gudensberg lebende Theaterpädagoge.

Die Führungen haben keine bestimmte Zielgruppe, wie Micalef sagt: „Es sind keine kunsthistorischen Texte.“ Teenager sollen ebenso begeistert werden wie Senioren. Es gibt ja auch einiges zu entdecken.

Das Graffiti-Kollektiv KolorCubes ist seit Jahren in der Stadt aktiv. Immer wieder laden Dustin Schenk, Sarah Menzel und Stefan Gebhardt renommierte internationale Künstler nach Nordhessen ein. Diesen Sommer gestaltete das Trio als Teil der documenta mit dem Kollektiv Britto Arts Trust aus Bangladesch eine riesige Wand in der Treppenstraße. Fragt man Schenk, wie er Kassel als Graffiti-Stadt findet, sagt er: „Das ist schon fett.“

So hat der Verein Urbane Experimente von Marcel de Medeiros etwa die Unterführung am Weinberg in einen großen Kunstraum verwandelt, der immer wieder neu erfunden wird. Oft geht das einher mit Stadtentwicklungsprogrammen, wie Micalef sagt. Er lobt die „gestalterische Kraft von ästhetischen Statements“.

Vor allem im Schillerviertel sind zuletzt immer wieder neue Murals entstanden, wie die großen Bilder genannt werden, die von mehreren Künstlern zu bestimmten Themen kuratiert werden. Dieses Quartier wird im Frühjahr auf einer weiteren Route vorgestellt. Ein vierter Audioguide der von den Gründern der Firma SMA ins Leben gerufenen CDW-Stiftung soll sich dann Rothenditmold widmen.

Bis dahin kann man zum Beispiel die Kunst von David Harwardt entdecken. Mit zehn hatte er erstmals eine Graffiti-Dose in der Hand. Längst ist er unter dem Künstlernamen „Jackules“ gut im Geschäft. Sein Atelier hat er in einem Hinterhof im Königstor eingerichtet. Ein Video eines Werks, das er dort auf eine Häuserwand gemalt hat, wurde eine Viertel Million Mal aufgerufen.

Übrigens muss man für den Audioguide nicht unbedingt raus in die Stadt. „Man kann sich das alles auch zuhause anhören“, sagt Sprecher Hof. So richtig „arty“ ist Kassel aber nur vor Ort. (Matthias Lohr)

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