Mindestens 150 Jahre alt

Lange vergessen: Alter Keller unter Ständeplatz entdeckt

Kassel. Unter dem Grundstück des Ständehauses befinden sich vermutlich seit etwa 150 Jahren zwei Felsenkeller, die durch Gänge verbunden sind. Die wurden jetzt entdeckt.

Als der Zugang nach dem Zweiten Weltkrieg zugemauert wurde, geriet das unterirdische Bauwerk in Vergessenheit. Bis vor Kurzem: Da wurde das Kellergeheimnis von Bernd Tappenbeck und Tom Gudella vom Verein Vikonauten im wahrsten Sinne des Wortes gelüftet. Am Freitag stellten sie ihre Entdeckung erstmals der Öffentlichkeit vor.

Spuren aus einer anderen Zeit: Ein paar alte Lederschuhe stehen in einem der Gänge.

Seit Anfang des Jahres war der Verein Vikonauten – der sich der Erforschung von Kasseler Kellern, Gewölben und Bunkern verschrieben hat – den Kellern auf der Spur. Anlass dafür waren alte Pläne und Dokumente. Auf diese waren die Unterwelt-Forscher im Stadtarchiv und im Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes gestoßen, der seinen Sitz im Ständehaus hat.

In den Archiven hatten sich Tappenbeck und Gudella umgetan, weil sie eigentlich nach weiteren Verbindungsgängen des bereits bekannten Luftschutzstollens Viktoriabunker an der Kölnischen Straße gesucht hatten. Dann aber kam es zu der völligen Neuentdeckung. Denn bislang waren keine Felsenkeller im Bereich des Ständeplatzes bekannt.

Alte Zeitung: Sie erschien im Jahr 1956. Kurz darauf wurde der Keller wohl verschlossen.

Der Landeswohlfahrtsverband unterstützte die Vikonauten und ließ diese in seine Keller. Dort brachen sie einen zugemauerter Durchgang auf. Im Licht ihrer Stirnlampen erschienen ein Felsenkeller und Gänge. Der zweite Keller ist verschüttet. Der Zugang ist nur einige Meter begehbar. Vermutlich brach er ein, als die Bundesbank auf dem Nachbargrundstück ihre Tresorräume in den Boden trieb.

Den Bau der Keller datiert Tappenbeck auf die frühen 1870er-Jahre. Damals stand oberhalb der unterirdischen Anlage das Haus Ständeplatz 10, das so genannte Schwarzenbergsche Haus. Das später im Krieg zerstörte Gebäude war ab 1874 vom Großhändler August Hörster genutzt worden, der Bier und Spirituosen handelte. Tappenbeck geht davon aus, dass dieser den Keller zur Kühlung anlegte. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde er zur Lagerung von Bier genutzt – ab 1925 war dort der Krönertsche Bierkeller zu Hause.

Kassel: Altes Gewölbe unter dem Ständehaus entdeckt

Im Krieg wurde der Bau als Bunker umgerüstet. So wurden Luftdrucktüren installiert, die heute von Rost zerfressen sind. Auf dem Boden liegen stille Zeitzeugen: Eine Zeitung aus 1956, alte Weinflaschen, verrottete Schuhe und nostalgische Felgen.

Diese Felsenkeller sind derzeit nicht für die breite Öffentlichkeit zugänglich. Die Vikonauten wollen daran arbeiten.

Rubriklistenbild: © Fotos: Koch

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