Das Altstadtoriginal als Angler an der Fulda

Sensation in Kassel: Altes Bild von Kupille aus 1900 aufgetaucht

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Am Finkenherd im Jahr 1900: Das bislang unveröffentlichte Foto zeigt das Kasseler Original Kupille, der als Adam Ernst in der Unterneustadt geboren wurde. Hinten links ist die Unterneustädter Mühle zu sehen, von der noch Reste erhalten sind. Foto:  Privat/nh

Kassel. Angeregt von der Berichterstattung der HNA über die Bronzestatuen von Ephesus und Kupille, hat uns ein Leser eine unbekannte Fotografie zur Verfügung gestellt.

Sie zeigt das Stadtoriginal Kupille beim Angeln an der Fulda. 

Seit 116 Jahren ist diese großartige Aufnahme des Kasseler Originals Adam Ernst, der als Kupille bekannt wurde, in Familienbesitz. „Mein Opa hat das Foto wie seinen Augapfel gehütet“, sagt Heinrich Schulze (69). Der ehemalige Polizist ist in Kassel aufgewachsen und lebt heute in Baunatal.

Durch die Berichterstattung in der HNA über die Bronzestatue von Ephesus und Kupille ist ihm das Bild wieder in den Sinn gekommen. Diese bislang unveröffentlichte Rarität zeigt Kupille in Höhe des Finkenherds an der Fulda. Er trägt seine typische Kappe und hält einen Ast in der Hand. Mit einem Seil habe er einen mit Blut getränkten Lappen an den Ast gebunden, sagt Heinrich Schulze. So habe es sein Opa Georg Willhardt erzählt. Mit diesem Köder habe Kupille geangelt und wahrscheinlich Hechte fangen wollen.

Guten Appetit: Auch dieses Bild zeigt Kupille. Fotos:  Stadtmuseum/nh

Ob das funktioniert hat? Erfahrene Angler halten diese Methode eher für einen Scherz. „Das funktioniert nicht, auch wenn immer wieder solche oder ähnliche Geschichten erzählt werden“, sagt Günter Dannowski, der Vorsitzende des Anglervereins Chassalla.

Wie dem auch sei: Für einen Scherz war Kupille bekanntlich gern zu haben. Überliefert ist, dass er zusammen mit Ephesus regelmäßig geangelt und die Fische dann verkauft hat. Geld für Bier und Schnaps brauchten die beiden immer. Gut möglich, dass sich Ephesus (Jahrgang 1866) und Georg Willhardt (Jahrgang 1874) gekannt haben. „Mein Opa wohnte an der Schützenstraße, nicht weit von der Fulda entfernt“, sagt Heinrich Schulze. Wer das Foto von Ephesus gemacht hat, ist nicht bekannt. Es ist auf eine Pappe geklebt und handschriftlich mit dem Stichwort Kupille auf das Jahr 1900 datiert. Die Qualität der Aufnahme deutet darauf hin, dass sie ein professioneller Fotograf gemacht hat.

Zum Vergleich: Kupille auf einer historischen Postkarte.

Kupille sitzt in einer mit Gras gepolsterten Astgabel und hält von dort die selbst gebastelte Angel ins Wasser. Durch den Nebel im Hintergrund kann man gerade noch die alte Fuldabrücke erkennen. Die Häuser, die am Ufer zu sehen sind, wurden im Krieg zerstört. Es gibt nur wenige Fotos der beiden Kasseler Originale Ephesus und Kupille. Überliefert ist, dass sie sich meistens zwischen der Altstadt und der Unterneustadt herumtrieben.

„Das Foto ist ein echtes Juwel“, sagt der Leiter der Städtischen Museen, Dr. Kai Füldner. Er freut sich, dass er das Original als Leihgabe für das Stadtmuseum nutzen kann. Das Foto wird ab dem 16. Dezember in der Sonderschau „Dein! Kassel“ zu sehen sein.

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Ephesus und Kupille arbeiteten in der Bäckerei Wiedemann an der Weserstraße

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