Neun Generationenpaare haben sich gegenseitig ihre Lieblingsplätze gezeigt – Ausstellung im Kulturbahnhof

Kassel mit anderen Augen sehen

Ein Ort, an dem viele Erinnerungen hängen: Etin Odiase verbringt seine Freizeit am liebsten auf dem Bebelplatz. Fotos:  Koch

Kassel. An welchen Orten in Kassel verbringen junge Menschen am liebsten ihre Freizeit und welche Ecken besuchen ältere gern? Diese Fragen hat sich das Medienprojekt „Kassel ist schön“ des Vereins „Die Kopiloten“ gestellt. Acht Wochen waren neun Generationenpaare in Kassel unterwegs, um sich gegenseitig ihre Lieblingsplätze zu zeigen und Videoporträts zu drehen. Begleitet wurden sie von Studenten der Universität Kassel.

Auch Heidi Balthasar war dabei. Sie hat ihren Lieblingsort vor vielen Jahren zufällig beim Spazierengehen in der Karlsaue entdeckt. Die Insel Siebenbergen hat die 74-Jährige sofort fasziniert. „Die Flora ist hier außergewöhnlich“, sagt sie mit Begeisterung und zeigt auf die vielen bunten Blumen. Gerade jetzt im Frühling ist sie hier am liebsten. „Es duftet einfach herrlich.“

Eigentlich könnte die ganze Insel ein Lieblingsort sein. Doch eine bestimmte Stelle hat es Heidi Balthasar besonders angetan. Es ist der höchste Aussichtspunkt. „Das ist die Krönung hier oben“, sagt sie und schaut von der grünen Bank aus in die Ferne. Neben dem Tempel der Schwaneninsel und der Orangerie ist sogar auch das Regierungspräsidium zu sehen.

Mehrmals im Jahr besucht Heidi Balthasar ihren Lieblingsort, um sich zu entspannen und dem Zwitschern der Vögel zu lauschen. „Es ist eine Oase mitten in der Stadt.“

Ein paar Kilometer weiter westlich sitzt Etin Odiase an seinem Lieblingsort ebenfalls auf einer Bank. Auf dem Bebelplatz ist es allerdings laut und hektisch. Bahnen rauschen vorbei, Autos suchen nach Parkplätzen und Menschen flitzen über die Straße. Der Trubel stört den 15-Jährigen nicht. Denn Odiase verbindet viele Erinnerungen mit dem Platz. An diesem Ort hat er seine Kindheit verbracht.

„Wir waren immer hier, der Spielplatz war uns zu langweilig“, sagt er und erinnert sich zurück. Entweder seien sie mit ihren Fahrrädern um den Platz herumgedüst oder erkundeten die Umgebung. Auch wenn Odiase heute nicht mehr am Bebelplatz wohnt, kommt er so oft es geht zu seinem Lieblingsort, um Freunde zu treffen und sich zu entspannen. „Ich fühle mich hier zu Hause“, sagt er.

„Es ist eine Oase mitten in der Stadt.“

Heidi Balthasar (74)

Heidi Balthasar schüttelt den Kopf. Sie kann das nicht ganz nachvollziehen. „Mir wäre es hier einfach zu laut“, sagt sie. Trotzdem findet die 74-Jährige es spannend zu sehen, was für Lieblingsplätze andere und insbesondere junge Menschen haben. Etin Odiase geht es genauso. „Wir können bei diesem Projekt viel voneinander lernen“, sagt er. Und genau darum geht es.

Die Teilnehmer sollen verschiedenste Ecken in Kassel kennenlernen und diese aus dem Blickwinkel des anderen betrachten. Und noch etwas will das Projekt erreichen. „Manche wissen noch nicht, dass Kassel schön ist“, sagt Etin Odiase. Nach einem Besuch der Ausstellung könnte sich das ändern.

Die Ergebnisse des Projekts sind bis zum 22. Mai im Kasseler Kulturbahnhof täglich von 10 bis 19 Uhr in einer Ausstellung zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Von Nina Thöne

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