Mehrere Razzien

Nach Terroranschlag in Wien: Wohnung in Kassel-Waldau wird durchsucht - Mann soll Attentäter gekannt haben

Nach dem Terroranschlag in Wien wurden mehrere Wohnungen in Deutschland durchsucht. Auch in Kassel gab es eine Razzia. Der Mann soll den Attentäter gekannt haben.

  • Terroranschlag in Wien: Vier Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, ein weiterer Toter ist der Täter selbst.
  • Eines der Todesopfer des Anschlags kam aus Deutschland.
  • In Kassel, Osnabrück und im Kreis Pinneberg bei Hamburg gab es Razzien.

+++ 16.55 Uhr: Wenig deutet am Freitagmittag daraufhin, was sich am frühen Morgen vor dem Hochhaus in Kassel-Waldau abgespielt hat. Ralph Berthold wohnt hier seit 18 Jahren, schläft oft schlecht und wurde auch gestern früh wach. Als er gegen halb sechs aus dem Fenster schaute, sah er jede Menge Polizisten.

Gut 50 Personen und zwölf Fahrzeuge seien es gewesen, sagt der 56-Jährige. Auf den umliegenden Parkflächen hätten sie nach dem Auto des Mannes gesucht, der Kontakte zu Kujtim F. gehabt haben soll – jenem Attentäter, der am Montag in Wien vier Menschen getötet und 20 zum Teil schwer verletzt haben soll. Wenig später hätten die Polizisten im Treppenhaus gestanden und die Wohnung seines Nachbarn in Kassel-Waldau durchsucht.

Nach Terroranschlag in Wien - Wohnung in Kassel durchsucht

Als alles vorbei ist, kommen Journalisten und fragen Berthold, ob er den Mann näher kennt. „Eher flüchtig“, sagt er, „man hat sich im Treppenhaus gegrüßt. Er ist ganz normal wie Sie und ich.“ Hartmut Heerich kennt den Mann nicht. Der 79-Jährige ist schon seit einem Vierteljahrhundert in dem Hochhaus in Kassel-Waldau zuhause und hat viele Bewohner kommen und gehen sehen. Allein in diesem Jahr seien 18 Mietparteien in das 48 Wohnungen umfassende Gebäude eingezogen. Gerade erst wurde es saniert und fällt zwischen den Plattenbauten nun positiv auf.

Heerich war gestern wie jeden Morgen gegen halb sechs mit seinem Hund Gassi. Als er wieder zurückkam, sah er die Polizisten und musste seinen Ausweis zeigen, um wieder in seine Wohnung zu können. Der Rentner sagt: „Die Polizei ist ja öfter hier, aber so einen Aufwand habe ich noch nie erlebt.“ Sein Nachbar Berthold erzählt, dass man im Sommer oft gemeinsam vor dem Haus in Kassel sitze. Die Gegend sei „nicht wie die Bronx, sondern ganz normal“.

Wohnung in Kassel-Waldau wird durchsucht - Mann soll Attentäter gekannt haben

Erstmeldung vom Freitag, 06.11.2020: Kassel – Nach dem islamistischen Terroranschlag von Wien haben Ermittler am Freitagmorgen die Wohnungen von vier jungen Männern in Deutschland durchsucht – darunter auch eine Wohnung in Kassel-Waldau. Die vier Männer gelten nicht als tatverdächtig, sollen aber direkt oder indirekt Verbindungen zu dem österreichischen Attentäter gehabt haben.

Nachbarn aus Kassel schildern, dass ab dem frühen Morgen über mehrere Stunden ein massives Polizeiaufgebot mit mehreren Fahrzeugen in Kassel-Waldau im Einsatz gewesen sei.

Kassel: Wohnungen in Deutschland werden nach Anschlag in Wien durchsucht

Zwei der Männer, darunter der Mann aus Kassel, sollen den Attentäter im Sommer in Wien getroffen haben, wie Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt (BKA) mitteilten. Festnahmen habe es aber bei den Durchsuchungen am Freitag nicht gegeben.

Ein Anhänger der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) hatte am Montag in Wien vier Menschen getötet und mehr als 20 Menschen zum Teil schwer verletzt, bevor er selbst durch Schüsse der Polizei starb. Der 20-jährige Attentäter war nach Überzeugung der Ermittler Teil eines radikal-islamistischen Netzwerks, das über Österreich hinausreicht.

Nach Terroranschlag in Wien - Mann aus Kassel-Waldau soll Attentäter gekannt haben

Auch die vier Männer, die zwischen 19 und 25 Jahre alt sind, rechnen die Ermittler der Islamistenszene zu. Neben der Razzia in Kassel gab es zwei Durchsuchungen in Osnabrück und eine im Kreis Pinneberg (Schleswig-Holstein). Der Mann aus Kassel und einer der Osnabrücker sollen vom 16. bis 20. Juli in Wien gewesen sein.

Dort sollen sie sich mehrmals mit dem späteren Attentäter getroffen haben. Einer der beiden soll sogar bei ihm untergebracht gewesen sein. Außerdem habe es Kontakt über einen Messenger-Dienst gegeben. Auch die anderen beiden Männer hatten über das Internet Kontakt zum Attentäter oder zu einer Person, die mit ihm in Kontakt stand.

Kassel: Razzia in Wohnung - Mann aus Waldau nicht tatverdächtig

Der Mann aus Schleswig-Holstein ist nach Informationen des Nachrichtenmagazins Spiegel einschlägig aktenkundig und soll mit seiner Familie früher in Wien gelebt haben. Wegen eines fehlgeschlagenen Ausreiseversuchs nach Syrien mit anderen Islamisten sei er vor zwei Jahren zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Bei den Durchsuchungen seien hauptsächlich Kommunikationsmittel beschlagnahmt worden, heißt es. Die müssten nun ausgewertet werden. Die Bundesanwaltschaft führt nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit dem Wiener Anschlag vom 2. November ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt. (dpa/kme/mal)

Rubriklistenbild: © HessennewsTV

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