„Gewinn auch für Anlieger“

Architektenvereine werben für Institutsneubau am Karlsplatz

Hier soll das documenta-Institut entstehen: Für die Parkplatzfläche am Karlsplatz als Baugelände haben die Stadtverordneten am 11. Mai votiert.
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Hier soll das documenta-Institut entstehen: Für die Parkplatzfläche am Karlsplatz als Baugelände haben die Stadtverordneten am 11. Mai votiert.

Vom geplanten Neubau des documenta-Instituts am Karlsplatz erwarten Kassels organisierte Architekten eine entscheidende städtebauliche Verbesserung für den Bereich zwischen Karlskirche und Friedrichsplatz.

Sie sind weiterhin überzeugt, dass die geschäftlichen Anlieger, die heute Front gegen das Vorhaben machen, auf Dauer davon profitieren werden.

Wenn auch Parkplätze wegfielen, könne eine qualitätvolle Bebauung des Areals sogar mehr Publikum in diesen Bereich locken, sagten Marc Köhler, Vorsitzender der Ortsgruppe Kassel im Bund Deutscher Architekten, sowie Barbara Ettinger-Brinckmann vom Kasseler Architekturzentrum im Kulturbahnhof (KAZ im Kuba).

Dazu sei es nötig, dass der Neubau im Erdgeschoss von allen Seiten publikumswirksame Einrichtungen wie Geschäfte, Ausstellungen, städtische Servicestellen und Ähnliches bietet, die zu den üblichen Ladenöffnungszeiten der Innenstadt in Betrieb sein müssten. An keiner Stelle dürfe Hinterhofcharakter entstehen, betonten die Planer. Dies sei eine Anforderung an den anstehenden Architektenwettbewerb. Ebenso müssten die oberen Geschosse rundum von Fenstern und anderen Öffnungen geprägt sein, hinter denen sich Leben spiegelt, statt mit großflächig geschlossenen Fassaden die Blicke zu versperren.

Um den Anliegern die Sorgen vor einer längeren Bauphase zu nehmen, müsse die Stadt ihnen „konkrete Erleichterungen“ anbieten, fordern Köhler und Ettinger-Brinckmann. Denkbar sei etwa, einen Teil des Rathaus-Innenhofs als temporäre Kundenparkplätze zu nutzen oder dem Café Nenninger eine Außenbestuhlung zum Friedrichsplatz hin zu gestatten. Auch könne mit der Lage des Cafés so geplant werden, dass erklärtermaßen keine eigenständige Cafeteria im künftigen Institutsbau geschaffen werden müsste.

An der gegenüber liegenden Schmalseite des Neubaus wiederum gibt es laut Barbara Ettinger-Brinckmann die „Riesenchance“, den eigentlichen Karlsplatz in seiner historischen Dimension weitgehend wieder herzustellen. Dazu gehöre, wie sie betonte, lediglich der Bereich rund um das Landgrafendenkmal vor der Kirche – und nicht die heutige Parkplatzbrache, die schon einst in der hugenottischen Oberneustadt ein Gebäudeblock gewesen sei. Dass im Zuge der Rathaus-Sanierung ein weiterer Eingang fürs Publikum vom Karlsplatz aus vorgesehen ist, komme einer stadtgestalterischen Neuordnung entgegen.

Ettinger-Brinckmann erinnerte an den Bau der Grimmwelt auf dem Weinberg mit all den Kontroversen im Vorfeld und dem allseits gelobten Stück Stadtbild, das dort schließlich entstanden ist. Auch für den Karlsplatz gelte, dass der Neubau dort „höchsten baukulturellen Ansprüchen genügen“ müsse, sagte die KAZ-Vorsitzende und Präsidentin der Bundesarchitektenkammer: „Ich bin überzeugt, dass hinterher alle froh sein werden“, wenn Kassels Zentrum um ein städtebauliches Glanzlicht reicher ist.

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