Erhebliche Mehrkosten

Arzt aus Kassel beklagt hohe Kosten für Corona-Schnelltests und kritisiert Gesundheitsamt

Sven Dallmann
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Verärgert: Der Allgemeinmediziner Dr. Sven Dallmann kritisiert Umgang mit Ärzten.

Auf Kasseler Hausärzte werden nun erhebliche Mehrkosten zukommen: Denn sie müssen jetzt regelmäßig zu testende Personen mit Schnelltests auf Covid-19 testen.

Kassel – Darauf weist der Allgemeinmediziner und Sportarzt Dr. Sven Dallmann hin. Er halte die Entscheidung für die Schnelltests sinnvoll – die Nebenwirkungen der Umsetzung aber seien „ein absolutes Unding“. Zum einen seien Schnelltests wesentlich teurer. „Der Einkaufspreis liegt oftmals über dem, was wir erstattet bekommen“, sagt Dallmann, der von montags bis mittwochs Lehrer testet.

Unabhängig vom Anschaffungspreis des Schnelltests bekomme er für die Testung einer Lehrkraft 8 Euro erstattet. Für medizinisches Personal sogar nur 7 Euro. Weil der günstigste verfügbare POC-Test laut seiner Recherche 7,83 Euro koste, lege er drauf. Und: Im Gegensatz zum Labortest kostet der Schnelltest auch mehr Arbeitszeit. „15 bis 20 Minuten pro Test plus die Ergebnisübermittlung an den Patienten.“

Kasseler Arzt beklagt hohe Kosten für Schnelltests

Seitdem die Vereinbarung aufgehoben worden sei, dass Schutzausrüstung gestellt werde, müsse der Arzt nun auch diese Anschaffung selbst tragen. „Das Problem ist der KV bekannt und trotzdem erwarten sie, dass wir das machen.“ Per Brief habe die Kassenärztliche Vereinigung die Ärzte darum gebeten, sich an der neuen Test-Strategie zu beteiligen. Ein Blick der HNA in das Intranet bestätigt gestern: Derzeit stehen keine Bestände für Schutzausrüstung zur Verfügung. Offen sei nach wie vor die Frage, woher die nun benötigten Schnelltests kommen sollen. „Die müssen erst einmal hergestellt werden“, so Dallmann. Zumal man bei der Qualität der auf dem Markt angebotenen Tests schon sehr wachsam sein müsse. Dallmann zieht daraus für sich einen Schluss: „Reiserückkehrer werden bei uns unter diesen Umständen ab sofort nicht mehr getestet. Denn hier zahle ich bei jedem Test 2,50 Euro drauf, das ist nicht wirtschaftlich.“

Auch so sei der Alltag des Hausarztes täglich mit Abwägung verbunden. „Die Hälfte unserer Patienten gibt am Fenster an, Rückenschmerzen, Knieprobleme oder Schnupfen zu haben. Im Arztzimmer kommt dann raus, dass sie auch Halsschmerzen und eine Störung des Geschmacksinns haben“, berichtet die medizinische Fachangestellte Martina Kobus. „Dann können wir nur hoffen, dass der Test trotzdem negativ ausfällt“, fügt ihr Chef hinzu. Seinem Motto, im Zweifel lieber zu testen, stehen die nicht zufriedenstellenden Umstände im Weg.

Kasseler Arzt kritisiert Gesundheitsamt

Als Hausarzt werde er oft mit Dingen konfrontiert, auf die er jetzt mal aufmerksam machen wolle. So sei es nur dem gut funktionierenden Vertretungssystem in Harleshausen zu verdanken, dass positiv auf Covid-19 getestete Ärzte nicht arbeiten müssten. „Laut Gesundheitsamt sollen wir nämlich trotz positivem Testergebnis arbeiten – zur Aufrechterhaltung des Betriebs.“ Einem seiner Kollegen, der dies der HNA am Telefon schildert, wurde vom Gesundheitsamt gesagt, er könne trotz positivem Coronatest ruhig arbeiten. „Ich fragte nach: Bin ich jetzt unter Quarantäne oder nicht? Sie sagte, ich muss den direkten Weg zur Arbeit nehmen und bei der Arbeit eine FFP2-Maske tragen.“ Er habe die Praxis geschlossen. „Das kann man den Patienten nicht zumuten.“ Ein Sprecher der Stadt weist das zurück: „Nein, das ist falsch. Positiv getestete Ärzte dürfen nicht arbeiten.“ Weiter wollte er nichts dazu sagen. (Anna Lischper)

So viel kostet ein Coronavirus-Test - und kommt bald der Schnelltest für Zuhause? Die Zahl der Neuinfektionen in der Stadt und im Kreis Kassel steigt weiter an. In Hessen gelten seit Dienstag (01.12.2020) strengere Regeln.

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