Mediziner hält anlasslose Corona-Abstriche für überflüssig

Arzt übt Kritik an kostenlosen Corona-Tests für Lehrer und Erzieher

Symbolfoto: Ein Helfer mit einem Abstrich-Röhrchen für einen Corona-Test.
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Symbolfoto: Ein Helfer mit einem Abstrich-Röhrchen für einen Corona-Test.

In Zeiten von Corona gibt es immer wieder neue Virus-Maßnahmen: Eine davon sind kostenlose Tests für Lehrer und Erzieher. Ein Arzt aus Kassel meldet sich zu Wort.

Kassel – Für die einen sind sie ein Segen, andere halten sie für überflüssig: Seit einem Monat können sich Erzieher und Lehrer in Hessen alle zwei Wochen kostenlos auf das Corona-Virus testen lassen.

Dies führt in den dafür zugelassenen Praxen zeitweise für eine hohe Nachfrage. Einige Ärzte testen nur Pädagogen, die ohnehin zu ihren Patienten zählen. Dr. Uwe Popert vom Vorstand des Hausärzteverbandes Kassel hält die anlasslosen Tests für überflüssig. Sie blockierten die Kapazitäten für tatsächliche Verdachtsfälle.

Popert sieht Probleme auf die Ärzteschaft zukommen: „Wenn im Herbst die Krankheitszahlen wieder steigen, fehlen uns die Ressourcen.“ Insofern sei es „absolut sinnlos“, symptomfreie Menschen zu testen. Ich verstehe jeden Arzt, der sich diesen Tests verweigert. „Wir haben keine Zeit für so einen Blödsinn“, so der Mediziner.

Unterdessen gibt es bei Lehrern und Erziehern eine rege Nachfrage für das Angebot des Sozialministeriums. Nach Angaben von Carsten Leimbach von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben viele Kollegen ein „höheres Interesse“ an den Tests. Er selbst und andere Lehrerkollegen hätten aber erfahren, dass einige Praxen nur ihre Patienten berücksichtigten. Welchen Wert zweiwöchige Tests haben, daran hat auch Leimbach leise Zweifel: „Wenn ich morgen eine andere Klasse unterrichte, ist das Ergebnis eigentlich hinfällig.“ Schulamtsleiterin Annette Knieling hat insgesamt positive Rückmeldungen erhalten. Allerdings dauere es einige Tage, bis Ergebnisse vorlägen.

Dr. Uwe Popert

Die Kasseler Kita-Träger haben gemischte Erfahrungen gemacht. „Gut geklappt hat das, wenn der eigene Hausarzt gelistet ist. Das Ergebnis kam allerdings mit durchschnittlich fünf Tagen etwas spät“, so Natascha Graf von Impuls Soziales Management. Gerade in den ersten Wochen der Aktion seien die Teststellen überlastet gewesen, so Lara Charlet von den Kleinen Stromern. „Wie gut es klappt, hängt von den jeweiligen Ärzten ab“, so der Wehlheider Kita-Leiter Alexander Grede von der AKGG.

Das Angebot für Pädagogen gilt zunächst bis 8. Oktober. (Bastian Ludwig)

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