Schwere Aufklärung im Finanzskandal

Kasseler Asta-Vorsitzende Eltzner tritt zurück und erhebt Vorwürfe gegen Gremium

Sophie Eltzner
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Sophie Eltzner ist als Asta-Vorsitzende zurückgetreten (Archivbild).

Eigentlich wollte sie den Finanzskandal um den Asta an der Universität Kassel aufklären - nun legt Asta-Vorsitzende Eltzner ihr Amt nieder.

Kassel - Die Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses der Uni Kassel Sophie Eltzner (Grüne) ist von ihrem Amt zurückgetreten. Ihr Schritt folgt wenige Tage, nachdem die HNA über weitere Unstimmigkeiten bei den Asta-Finanzen sowie die hochschulintern umstrittene Bezahlung der Asta-Referenten berichtet hatte.

In einer E-Mail begründet Eltzner ihren Schritt mit „aufkommenden Rechtsunsicherheiten“, die es erforderlich machten, dass sie jeden Schritt einzelner Mitarbeiter kontrolliere, damit der Asta „rechtssicher“ bleibe. Dies sei nicht zu leisten. Auf HNA-Anfrage teilt sie mit, dass insbesondere „die mangelnde Kooperationsbereitschaft im Kulturreferat“ Anlass gewesen sei. Sie habe die unverzügliche Aufklärung eines Falles einer angeblich gefälschten Quittung über eine Künstlergage (HNA berichtete) gefordert. Dafür habe es keinen Rückhalt gegeben.

Asta Kassel stellt Selbstanzeige: Offenbar über Jahre hinweg Steuern hinterzogen

Zudem stimme ihre Vorstellung vom Engagement in der Studierendenschaft nicht mit der Arbeitsmoral einzelner Mitglieder überein, heißt es in der E-Mail weiter. Bis zur Nachwahl bleibt Eltzner, die bei der Kommunalwahl im März einen aussichtsreichen neunten Platz auf der Liste der Grünen hat, kommissarisch im Amt.

Wie die HNA berichtete, hatte der Asta vor einem Jahr (2019) Selbstanzeige beim Finanzamt gestellt, nachdem offenbar über viele Jahre hinweg Umsatzsteuern hinterzogen worden waren. Insgesamt 300.000 Euro wurden vorsorglich für den Zeitraum seit 2006 an die Behörde überwiesen. Das Geld soll beim Betrieb des ehemaligen studentischen Kulturzentrums K19 nicht ordnungsgemäß abgeführt worden sein.

Finanzskandal an der Universität Kassel: Probleme waren seit Jahren bekannt.

Der aktuelle Asta unter Leitung von Eltzner hatte es sich bei Amtsantritt im August 2019 zur Aufgabe gemacht, den Skandal aufzuklären und auch die Selbstanzeige in die Wege geleitet. Ein Verfahren gegen sämtliche Asta-Vertreter läuft. Dass die Probleme seit Jahren bekannt waren, belegt ein Gutachten aus 2016, das der damalige Asta selbst in Auftrag gegeben hatte. In diesem kommt der Gutachter zum Schluss, dass für einen Teil der Umsätze im K 19 Umsatzsteuern gezahlt werden müssen. Dies wurde offenbar ignoriert. (Bastian Ludwig)

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