Vier junge Leute angesteckt

Au-pair-Mädchen schleppte Tuberkulose ein

Kassel. Ein aus Madagaskar stammendes Au-pair-Mädchen hat eine gefährliche Infektionskrankheit nach Kassel eingeschleppt. Sie steckte vier junge Leute, die mit ihr einen Sprachkurs besuchten, mit Tuberkulose an.

Obwohl die junge Frau unter klassischen Symptomen litt und von mehreren Ärzten untersucht wurde, dauerte es Monate bis endlich die Diagnose feststand. Damit sich solche Fälle nicht wiederholen, will das Gesundheitsamt Region Kassel aufrütteln und informieren.

„Die Tuberkulose ist nicht ausgestorben“, sagt Amtsleiterin Dr. Karin Müller. Im vergangenen Jahr wurden beim Gesundheitsamt über 30 Erkrankungsfälle mit der bakteriellen Infektion in Stadt und Landkreis gemeldet.

Bundesweit werden etwa 55 Prozent der Fälle auf Besucher, Gastarbeiter und Zugezogene aus Ländern mit höheren Erkrankungsraten zurückgeführt. Von den restlichen 45 Prozent haben sich einige angesteckt, die sich länger in Ländern wie Südafrika, Indonesien, Russland oder Peru aufgehalten haben. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr 4052 Tbc-Fälle gemeldet. Dabei werden multiresistente Keime zunehmend zum Problem.

Bei der knapp 20-jährigen Frau aus Madagaskar brauchte es erst den Hinweis eines Laien, der eine Röntgen-Untersuchung des Brustkorbs vorschlug, um zu erkennen, dass das Au-pair-Mädchen bereits an einer hochgradig offenen Lungen-Tbc erkrankt war. Sie litt unter Husten, Schwäche und Gewichtsverlust.

Dies ist kein Einzelfall: Laut einer Erhebung wurden im Jahr 2010 bundesweit 46 Menschen von 22 mit Tbc infizierten Au-pairs angesteckt.

Die beiden Kleinkinder der Kasseler Gastfamilie wurden vorsorglich mit einer halbjährigen Chemotherapie behandelt. So wurde eine Infektion verhindert und sie sind, wie auch ihre Eltern, gesund.

Gegen Tbc gibt es keine effektive Impfung. Der beste Schutz ist ein guter Gesundheitszustand.

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