Zu lange Haare stellen für viele Menschen derzeit eine Herausforderung dar

Kassel: Auch der Oberbürgermeister stutzt sich seine Haare selbst

Sie mischt die richtige Farbe für ihre Kunden: Friseurmeisterin Petra Brencher aus Oberzwehren kann derzeit ihre Kunden nur durch den Verkauf von Produkten unterstützen.
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Sie mischt die richtige Farbe für ihre Kunden: Friseurmeisterin Petra Brencher aus Oberzwehren kann derzeit ihre Kunden nur durch den Verkauf von Produkten unterstützen.

Unter geschlossenen Friseursalons haben derzeit besonders Menschen mit Kurzhaarfrisuren zu leiden. Wir haben uns mal in Kassel umgehört, wie die Menschen ihre Haare jetzt stylen.

Kassel -Werden Fußballprofis und Spitzenpolitiker heimlich frisiert? Diesen Eindruck haben viele Menschen, wenn sie in diesen Zeiten, in denen die Friseursalons seit über vier Wochen geschlossen sind, den Fernseher anschalten. Frisch gefärbt und mit akkuratem Schnitt schauen dort viele in die Kamera. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat deshalb in der vergangenen Woche gar einen Brandbrief an den Deutschen Fußball-Bund (DFB) geschrieben.

Dort warf man den Profikickern vor, sich illegal die Haare schneiden zu lassen.

Dass in einigen Hinterzimmern derzeit die Haare von Friseurprofis geschnitten werden, dafür gebe es viele Hinweise, sagt Friseurmeister Hans Krüger, stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Kassel. Er weiß, dass Kollegen von ihm schon beim Einkaufen im Supermarkt von Kunden angesprochen worden sind, ob sie nicht mal heimlich zur Schere greifen könnten. „Ich hatte auch schon die eine oder andere Nachfrage, wenn auch durch die Blume“, sagt Krüger.

Sie lassen die Haare wachsen: Ehepaar Michael Werner (links) und Hans Krüger von „Head Couture“.

Der Friseurmeister, der den Salon „Head Couture“ am Bebelplatz betreibt, hat diesen Kunden eine klare Absage erteilt. „Das ist ein absolutes Tabu.“ Nicht nur wegen der Schwarzarbeit. Für ihn sei es auch ein Zeichen der Solidarität, in diesen Zeiten der Pandemie auf das Haareschneiden zu verzichten. Wenn Kollegen von einem ins andere Hinterzimmer springen würden, könnten sie schließlich auch zum Superspreader werden. „Ich fasse derzeit keine Schere an“, sagt Krüger. Nicht mal, um die Haare seines Mannes Michael Werner zu schneiden. „Der sieht schon aus wie ein Schlumpf“, sagt Krüger. Er selbst hat nicht so viele Probleme mit dem Schnitt, weil er seine Haare ohnehin länger trägt.

So geht es auch Friseurmeisterin Petra Brencher aus Oberzwehren, Chefin des Salons „Haarwerk“. Sie hat längere Haare, die jetzt einfach weiterwachsen. Auch sie hat in den vergangenen Wochen „verzweifelte“ Kunden getroffen, die um Hilfe gebeten haben.

Die Meisterin kann ihren Kunden derzeit allerdings nur mit Styling- und Pflegeprodukten sowie Farbe unter die Arme greifen. Die darf sie nämlich verkaufen. Dafür mixt Petra Brechner die richtige Farbe für ihre Kunden an, ohne das Rezept zu verraten. Das sehe besser aus, als wenn sich die Leute die Farbe in einer Drogerie besorgten und dann mit einem Balken auf dem Kopf rumlaufen müssten.

„Meine Kunden schätzen das“, sagt die 48-Jährige. Sie ist sich auch sicher, dass diese in den Laden zurückkehren, sobald wieder geöffnet werden darf. „Wir haben 95 Prozent Stammkundschaft. Die fiebert mit uns.“

Petra Brechner, deren vier Mitarbeiter in Kurzarbeit sind, will nicht jammern. Tatsache sei aber, dass die Branche existenzbedroht sei. Man dürfe nicht vergessen, dass die Friseure in Deutschland mit 80.000 Betrieben ein wichtiger Baustein der Wirtschaft seien.

Er stutzt sich die Haare selbst: Christian Geselle.

Oberbürgermeister Christian Geselle ist auch froh, wenn sein Friseur wieder geöffnet hat. Derzeit stutzt er sich seine Haare mit einer Haarschneidemaschine selbst. „Meine Kurzhaarfrisur ist – ob Fluch oder Segen – sehr pflegeleicht“, sagt Geselle. Allerdings dauere es schon eine Stunde, bis er mit dem Ergebnis zufrieden sei. Sein Friseur sei schneller.

Thomas Bockelmann, Intendant des Kasseler Staatstheaters, verlässt sich ganz auf seine Frau, die ihm in diesen besonderen Zeiten die Haare schneidet. „Mit meiner Frisur steht es zum Besten. Ich sehe keinen Unterschied zu sonst“, sagt Bockelmann.

Werden von ihren Freundinnen frisiert: die KSV-Spieler Lukas Iksal (links) und Adrian Bravo-Sanchez.

Genauso geht es den Spielern des KSV Hessen Kassel. Stürmer Lukas Iksal und Adrian Bravo-Sanchez (Mittelfeld) lassen sich zum Beispiel ihre Haare von ihren Freundinnen bei Bedarf schneiden. Das ist nicht illegal. Da wird auch der Deutsche Zentralverband des Friseurhandwerks nichts einzuwenden haben. „Unsere Jungs haben Home-Schnippeling“, sagt Daniel Bettermann vom KSV-Vorstand. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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