Sie machen Karriere mit Lehre

Ausbildung statt Studium: Praxiserfahrung statt Theoriesumpf?

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Engagiert: Lisa Sophie Schmid absolviert neben ihrem Vollzeitjob beim Solarkonzern SMA eine Weiterbildung zur Technischen Betriebswirtin

In Kassel geht man alternative Wege: „Ausbildung statt Studium“ heißt es da, denn die Praxiserfahrung darf nicht fehlen. Angestellte bei SMA und Winkler Logistik machen es vor.

  • Praxiserfahrung statt Theoriesumpf? Berufsbegleitende Weiterbildung der IHK
  • Karriere mit Lehre: Angestellte von SMA und Wrinkler Logistik stellen ihren Arbeitsalltag vor.
  • Die Fortbildung zum geprüften Technischen Betriebswirt (IHK) entspricht einer Qualifikation auf Master-Niveau.

„Ein Studium wäre vielleicht der bequemere Weg gewesen“, sagt Lisa Sophie Schmid. „Aber die Erfahrung, die ich bei der Arbeit sammle, kann mir keiner nehmen“, so die 26-Jährige, die als Projektmanagerin bei SMA arbeitet.

Bequem ist ihr Weg sicher nicht. Schmid absolviert gerade berufsbegleitend eine Weiterbildung zur geprüften Technischen Betriebswirtin.

Sie arbeitet in Vollzeit, drückt Freitagsabends und Samstagsvormittags die Schulbank und lernt nach Feierabend für die Prüfungen. „Das ist schon ein hohes Pensum. Das muss man wirklich wollen“, sagt sie. Und Schmid will. Sie will Karriere machen – auch ohne Studium.

Mit Ausbildung zum Ziel: Karriere machen im Alltag bei SMA in Kassel

Statt nach der Schule Maschinenbau zu studieren, entschloss sich die 26-Jährige, eine Ausbildung zur Industriemeisterin beim Kasseler Solartechnikhersteller SMA zu absolvieren.

Im Anschluss machte sie in Wochenendkursen ihren Meister, besuchte die Schule zwei Jahre lang jeden Freitag und Samstag. Und jetzt sattelt sie noch den geprüften technischen Betriebswirt drauf.

Inzwischen arbeitet Schmid, die mit ihrem Mann in Lohfelden lebt, im Projektmanagement, betreut Produkteinführungen vom Prototypen bis zur Serienreife.

- Qualität statt Quantität?

SMA trotz Wachstum im Minus: Der Solartechnikhersteller verzeichnet in allen Geschäftsbereichen eine steigende Nachfrage. Doch der Preisdruck macht dem Unternehmen nach wie vor zu schaffen.

Anwendbarkeit im Arbeitsalltag

„Diese Laufbahn möchte ich weiter verfolgen und auch große Projekte betreuen“, sagt Schmid. Das brauche aber noch etwas Zeit und Lernen.

Der Vorteil der Karriere mit Lehre sei, dass man während der Arbeit wichtige Erfahrungen sammle, die einem im Studium nicht geboten würden.

„Ich bin im täglichen Geschehen drin und habe schon einen guten Überblick über das Unternehmen“, sagt Schmid. Und viele der Inhalte könne sie jetzt schon im Arbeitsalltag anwenden.

Mit der IHK-Weiterbildung will sie ihre Kenntnisse vertiefen. „Damit schaffe ich die Basis für meinen weiteren Werdegang“, ist sich Schmid sicher.

Praxiserfahrung statt Theoriesumpf

Auch für Martin Obalski ist nach der Ausbildung noch lange nicht Schluss. Der 28-Jährige hat seine Lehre zur Fachkraft für Lagerlogistik bei dem Großhändler für Nutzfahrzeuge gemacht und anschließend die Meisterprüfung abgelegt.

Auch er bildet sich derzeit zum geprüften Technischen Betriebswirt weiter. Dabei vertieft er sein Wissen über betriebswirtschaftliches Handeln, Personal- und Unternehmensführung sowie Management. 

„Das baut stark auf der Erfahrung auf, die ich täglich in der Praxis mache“, sagt der verheiratete Vater zweier Kinder. Im Unterricht werde viel über Theorie und Praxis diskutiert.

Karriere ohne Studium bei Winkler Logistik in Lohfelden

„Da geht Vieles aneinander vorbei.“ Etwa beim Thema Konflikte. „In der Theorie geht man von Eskalationsstufen aus, von einem Konflikt, der in kleinen Schritten entsteht. In der Praxis geht es aber oft direkt von Null auf Hundert“, so Obalski.

Umzug nach Niestetal? Der Großhändler für Nutzfahrzeugteile Winkler hat in Lohfelden eine seiner größten Niederlassungen. Dieser Standort soll nun nach Niestetal verlagert werden. Attraktivität für das Unternehmen zahlt sich bei solchen Veränderungen aus.

Bereits seit sieben Jahren ist der Immenhäuser stellvertretender Abteilungsleiter bei Winkler Logistik GmbH in Lohfelden. Die Weiterbildung soll ihm seinen weiteren Weg ebnen. Obalski hofft, Abteilungsleiter zu werden. „Und vielleicht kann ich ja irgendwann auch mal die Betriebsleitung übernehmen.“

Doppelbelastung durch Unterstützung von Ehepartner, Familien und Arbeitgeber erleichtert

Manchmal hielten ihn die Leute schon für ein bisschen verrückt, dass er sich und seiner Familie die Doppelbelastung zumute, sagt Obalski. „Aber das ist der richtige Weg“, ist er sich sicher. „Ich will für das Unternehmen attraktiv sein.“

Ebnet sich den Weg für eine Karriere ohne Studium: Der angehende Technische Betriebswirt Martin Obalski ist Logistikmeister bei der Firma Winkler Logistik.

Dabei betonen sowohl Martin Obalski als auch Lisa Sophie Schmid, dass dieser Weg nicht möglich wäre ohne die Unterstützung ihrer Ehepartner, Familien und Arbeitgeber.

Technischer Betriebswirt ist Qualifikation auf Master-Niveau

Die Fortbildung zum geprüften Technischen Betriebswirt (IHK) bietet Meistern, Technikern, Technischen Fachwirten und Ingenieuren die Möglichkeit, betriebswirtschaftliche und kaufmännische Handlungskompetenzen zu erwerben und als Führungskraft im technisch-betriebswirtschaftlichen Unternehmensbereich tätig zu werden.

Die Weiterbildung bildet eine Schnittstelle zwischen Technologie und unternehmerischen Grundlagen. Der Absolvent verfügt über technisches Know-how und ist gleichzeitig im betriebswirtschaftlichen Bereich qualifiziert. Der Abschluss entspricht einer Qualifikation auf Master-Niveau und ist die höchste Aufstiegsfortbildung im Angebot der IHK.

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