Vorher finanzielles Polster anlegen

Elterngeld lässt auf sich warten: Auszahlung dauert bis zu zwei Monate

+
Zeit mit dem Kind: Immer mehr Väter nehmen Elternzeit und pausieren beruflich, um sich um den Nachwuchs zu kümmern.

Sparen für die Elternzeit: Wer nach Geburt eines Kindes Elterngeld bekommt, muss eine Weile auf das Geld warten.

Immer mehr Männer nehmen nach der Geburt eines Babys eine berufliche Auszeit, um sich um den Nachwuchs zu kümmern. Doch gerade wenn Väter schon während der ersten Lebensmonate des Kindes in Elternzeit gehen, kann das zu finanziellen Engpässen für die Familien führen. 

Denn das Elterngeld, das erst nach der Geburt beantragt werden kann, trudelt häufig mit zwei Monaten Verzögerung auf dem Konto ein.

Vater aus Kassel wartete elf Wochen auf das Elterngeld - eine finanzielle Durststrecke

Ein betroffener Vater aus Kassel, dessen Unterlagen der HNA vorliegen, musste zehn Wochen auf seinen Elterngeldbescheid warten. Bis das Geld auf das Konto überwiesen wurde, dauerte es eine weitere Woche. Für Familien, die keine Rücklagen haben, bedeutet das mitunter eine finanzielle Durststrecke nach der Geburt. 

Denn häufig sind nach wie vor die Männer die Hauptverdiener. Bei berufstätigen Frauen wirkt sich die verzögerte Auszahlung des Elterngelds weniger stark aus, weil sie zunächst noch über den Mutterschutz weitere acht Wochen nach der Geburt abgesichert sind.

Bearbeitungszeit der Elterngeld-Anträge liegt in Hessen im Durchschnitt bei 36 Tagen

Die Bearbeitungsdauer für Elterngeldanträge liege im laufenden Jahr bei durchschnittlich 36 Tagen, heißt es auf HNA-Anfrage beim Hessischen Amt für Versorgung und Soziales in Kassel, zu dem die Elterngeldstelle gehört. Damit sei die Bearbeitungszeit gegenüber den Vorjahren sogar um drei Tage gesunken, so Amtsleiterin Martina Felmeden-Dreyer.

Tipp der Amtsleiterin: Wollen Väter die ersten Monate in Elternzeit, dann vorher Geld ansparen

Da der Antrag erst ab Geburt gestellt werden könne, gebe es naturgemäß mindestens für einen Monat eine Nachzahlung. Wenn Väter die ersten beiden Lebensmonate in Elternzeit gehen wollten, sei es daher ratsam, vorab ein finanzielles Polster anzusparen, so die Amtsleiterin. Für Familien, die finanziell keine Spielräume hätten, sei es „taktisch nicht die klügste Variante“, wenn der Vater direkt nach der Geburt pausiere, sagt Felmeden-Dreyer.

Elterngeldstelle für die Region bearbeitete 2018 rund 10.000 Anträge

Bei der Elterngeldstelle, die neben Stadt und Landkreis Kassel auch für die Kreis Waldeck-Frankenberg, Schwalm-Eder und Werra-Meißner zuständig ist, gingen im vergangenen Jahr knapp 10 000 Anträge ein. Im laufenden Jahr waren es bis Ende August 6700 Anträge. Diese werden nach Angaben der Amtsleiterin von einem Personalstamm mit rechnerisch 12,5 Stellen bearbeitet.

Leider seien mehr als 85 Prozent der eingereichten Anträge unvollständig, so Felmeden-Dreyer. Wenn teilweise mehrfach bei den Eltern Unterlagen nachgefordert werden müsse, wirke sich das natürlich auf die Bearbeitungsdauer aus.

Service: Für das kommende Jahr lädt die Elterngeldstelle zu drei Info-Veranstaltungen für (werdende) Eltern ein: am 12. Februar, 13 bis 15 Uhr; 6. Mai, 10 bis 12 Uhr; sowie 7. Oktober, 13 bis 15 Uhr. Die Veranstaltungen finden in der Elterngeldstelle in Kassel statt, Mündener Straße 4. Anmeldung per E-Mail an:poststelle@havs-kas.hessen.de

Hintergrund: Eltern können seit 2007 Elterngeld beantragen

Eltern können seit 2007 nach der Geburt ihres Kindes Elterngeld beantragen, wenn sie nach der Geburt weniger oder gar nicht arbeiten, um das Kind zu betreuen. 

Das Basiselterngeld wird über 14 Monate gezahlt, sofern der Vater mindestens zwei Monate Elternzeit nimmt. Das Elterngeld beträgt in der Regel etwa 65 Prozent des Nettoeinkommens vor der Geburt. Der Mindestbetrag liegt bei 300 Euro, der Höchstsatz bei 1800 Euro im Monat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.