Bei Bewerbungen zählt das persönliche Gespräch mehr

Azubis sind Mangelware in der Region: Zeugnis wird immer unwichtiger

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Auszubildende sind im Bereich der IHK Kassel-Marburg Mangelware.

Das Abschlusszeugnis der Bewerber, früher das bevorzugte Mittel zur Auswahl, verliert angesichts des Nachwuchsmangels an Bedeutung. 

Nur noch 70 Prozent der von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg befragten Betriebe halten das Zeugnis bei der Entscheidung für oder gegen einen Bewerber für ausschlaggebend. 94 Prozent vertrauen vielmehr auf das Ergebnis der Bewerbungsgespräche, berichtet Walter Ruß vom IHK-Bereich Aus- und Weiterbildung.

Hintergrund: Zu dem am 1. August beginnenden Ausbildungsjahr bleiben viele Betriebe in der Region auf ihren unbesetzten Stellen sitzen. Auszubildende sind Mangelware. In vielen Branchen sind geeignete Bewerber nicht zu finden. Dies geht aus einer HNA-Anfrage bei der Handwerkskammer Kassel (HWK) und aus der aktuellen Ausbildungsumfrage der IHK Kassel-Marburg hervor.

In der Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer finden sich zurzeit rund 650 unbesetzte Ausbildungsplätze zum Start am 1. August. Gesucht werden Azubis nicht nur von Betrieben der Nahrungsmittelhandwerke (etwa Bäcker und Fleischer), sondern auch in Branchen, in denen es bisher immer mehr Bewerber als Lehrstellen gab.

Nach der jetzt veröffentlichten IHK-Umfrage verfügten im April/Mai noch 41 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen über unbesetzte Stellen. Als „alarmierend“ bezeichnet es die IHK, dass 71 Prozent der Betriebe angaben, sie hätten keine geeigneten Bewerber finden können. Diese Zahl sei gegenüber dem Vorjahr 2018 um zehn Prozentpunkte gestiegen.

Um Azubis zu finden, gehen Betriebe nach Angaben von HWK und IHK inzwischen neue Wege (siehe auch die Ausschreibung zum Ausbildungspreis 2019). Im Handwerk seien andere Fähigkeiten schon immer wichtiger als Noten gewesen, sagt HWK-Sprecherin Barbara Scholz. „Wenn jemand zwei linke Hände hat, dann hilft uns eine Eins in Deutsch auch nicht weiter.“

Ausbildungspreis: Bis 16. August bewerben

Pfiffige Ideen, innovative Projekte und Beispiele erfolgreicher Integration: Damit können sich ausbildende Unternehmen, Ausbildungsverbünde und Auszubildende aus Nordhessen noch bis 16. August für den Ausbildungspreis 2019 bewerben. Die HNA schreibt den Preis mit IHK Kassel-Marburg, Handwerkskammer Kassel, DGB Nordhessen, Agentur für Arbeit und Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (VhU) aus. Den Siegern winken Preisgelder von bis zu 1500 Euro.

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