Gartenamt musste viel gießen

Kasseler Bäumen geht es schlecht: 600 in einem Jahr gefällt

Mussten vor sechs Wochen gefällt werden: 16 Robinien wurden an der Elfbuchenstraße gerodet. Sie waren nach Auskunft des Umwelt- und Gartenamtes krank und nicht mehr standsicher.
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Mussten vor sechs Wochen gefällt werden: 16 Robinien wurden an der Elfbuchenstraße in Kassel gerodet. Sie waren nach Auskunft des Umwelt- und Gartenamtes krank und nicht mehr standsicher. (Archivfoto)

Den Bäumen in Kassel geht es schlecht: 2020 wurden etwa 600 Stück gefällt. Wegen Trockenheit musste das Gartenamt mehr als eine Million Liter Wasser gießen.

Kassel – Das dritte zu trockene Jahr in Folge hat den Bäumen in der Stadt Kassel mächtig zugesetzt. Dies war nun auch Thema im Umweltausschuss. Auf CDU-Anfrage gab das Umwelt- und Gartenamt ein Lagebild zur Situation des städtischen Baumbestandes ab. Im laufenden Jahr hat das Umwelt- und Gartenamt ungefähr 600 Bäume aus dem städtischen Baumbestand – der 86 000 Bäume umfasst – gefällt. Es sei in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg zu verzeichnen, so Amtsleiterin Anja Starick. In 90 Prozent der Fälle sei das Roden nötig geworden, weil die Bäume abgestorben oder von Pilzen und anderen Krankheiten befallen waren. Dies galt etwa auch für die 13 Robinien, die vor wenigen Wochen an der Elfbuchenstraße im Stadtteil Vorderer Westen gefällt werden mussten. Besonders betroffen seien aber vor allem Birken und Ahorne.

Trockenheit macht Bäume in Kassel krank

Auslöser der Baumkrankheiten sei die Trockenheit, die auch 2020 über längere Phasen angehalten habe. Diese mache die Bäume anfälliger für einen Befall. Insbesondere bei den zunehmenden Stürmen gehe dann eine Gefahr von diesen Bäumen aus. Von den Schäden seien aber längst nicht nur alte Bäume betroffen, sondern auch junge Exemplare.

Nicht immer müssen Bäume gleich gefällt werden. So muss immer mehr Totholz herausgeschnitten werden. Zählte das Amt 2015 noch 3300 Einsätze zur Beseitigung von abgestorbenen Ästen und Stutzung von Kronen, waren es 2019 bereits über 10 000.

Gartenamt in Kassel rettet Bäume mit viel Wasser

Für die Rettung des Baumbestandes muss die Behörde erhebliche Wassermengen aus dem Netz entnehmen. Das Umwelt- und Gartenamt hat während der Gießperiode wöchentlich im Schnitt 45 000 Liter zur Bewässerung verbraucht. Sechs Wasserwagen waren zwischen April und September im Stadtgebiet unterwegs. In der Summe sei so für die Versorgung des Jungbaumbestandes 1,08 Millionen Liter Wasser benötigt worden, teilt die Behörde mit. Mittlerweile müsse bis zum fünften Standjahr gewässert werden, um den Baumbestand zu sichern.

„Tatsächlich ist der Bewässerungsbedarf jetzt schon höher und wird in den nächsten Jahren weiter steigen, sodass die aktuellen Ressourcen zur Baumwässerung nicht auskömmlich sind“, sagt Starick vom Umweltamt.

Baumlücken in Kassel auch wegen Corona nicht geschlossen

Wie die HNA berichtete, reaktiviert Kasselwasser eine alte Leitung, die Fuldawasser von der ehemaligen Bahn-Pumpstation am Auedamm zum Friedrichsplatz liefern soll, um dort aus einer Zisterne von Wasserwagen aufgenommen werden zu können.

Wegen der Corona-Pandemie und der eingeschränkten Arbeit des Gartenamtes sind die Baumlücken an vielen Stellen in der Stadt noch nicht wieder geschlossen worden. Nur 250 Bäume sollen bis Ende 2020 nachgepflanzt worden sein.

In Zukunft soll das städtische Artenspektrum, das 570 unterschiedliche Arten und Sorten umfasst, möglichst breit gefächert bleiben. Dabei bevorzugen die Experten aber Baumarten, die der Trockenheit besser standhalten. Jüngst seien vor allem Eiche, Linde, Walnuss, Kirsche, Ahorn, Platane und Amberbaum gepflanzt worden. (Bastian Ludwig)

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