Wichtige Baumart

Wegen anhaltender Trockenheit: Nach der Fichte stirbt die Buche in der Region

Unser Bild zeigt durch Dürre geschädigte Buchen bei Wanfried im Werra-Meißner-Kreis.
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Lichte Kronen im Buchenhain: Im dritten Jahr in Folge leidet der Wald in der Region extrem unter Trockenstress. Nach den Fichten, deren Bestand inzwischen um bis zu 75 Prozent eingebrochen ist, droht nun auch bei Buche ein spürbarer Einbruch. Unser Bild zeigt durch Dürre geschädigte Buchen bei Wanfried im Werra-Meißner-Kreis.

Wegen Trockenheit und Borkenkäferbefall ist der Bestand der Fichten stark geschrumpft - jetzt sterben auch die Buchen in der Region Kassel.

Kassel – Die Sorgenfalten aus den Gesichtern der heimischen Förster wollen nicht verschwinden: Nachdem in den vergangenen zwei Jahren vor allem die Fichte wegen Trockenheit und Borkenkäferbefall in ihrem Bestand rund um Kassel um bis zu 75 Prozent zurückgegangen ist, droht nun auch bei den Buchen ein spürbarer Einbruch.

„Es sind vor allem die älteren Buchen im Alter ab etwa 120 bis 140 Jahren, die aktuell riesige Probleme mit der Trockenheit haben“, sagt Uwe Zindel, Leiter des Fortsamtes Wolfhagen. Von den 18.000 Hektar Waldfläche im Forstamt seien immerhin rund 4000 Hektar mit diesen alten Buchen bestockt – alles wertvolle Bäume im besten Erntealter. Auf weiteren 6000 Hektar wachsen jüngere Buchen heran. Mit dem Trockenstress kommen sie etwas besser zurecht.

Trockenheit in der Region Kassel: Buchen sterben - Experte: „Extreme Dürre“

„Es ist dramatisch“, sagt Zindel. Im Bodenkörper sei faktisch kein Wasser mehr vorhanden. „Die Mineralböden sind bei uns zwischen 50 und 150 Zentimeter tief, aber schon ab 30 Zentimeter Tiefe herrscht extreme Dürre“, sagt Zindel. Nur die obersten 30 Zentimeter seien durch die wenigen Niederschläge der vergangenen Tage und Wochen etwas befeuchtet. Durch den Klimawandel sind die Buchen im Dauerstress.

Zwar erreiche die Buche als Herzwurzler noch gut die tieferen Schichten, „aber das nützt ihr aktuell nichts, denn dort gibt es nichts mehr. Buchen halten das eine Zeit lang aus, aber eben nicht drei Jahre hintereinander weg.“

Uwe Zindel, Leiter Forstamt Wolfhagen.

Trockenheit in der Region Kassel: Buchen sterben - Bäume sind geschwächt

Insofern befürchten die Förster nun, dass die Buche nun der Fichte folgen könnte – wenn auch zunächst nicht in solch großem Umfang. Doch zeigten schon jetzt sehr viele Buchen ähnliche Effekte wie die Fichten. Die Trockenheit schwächt die Bäume, sie werden deutlich anfälliger für Pilz- und Schädlingsbefall. „Es gibt alleine über 20 Pilzarten, die aktuell deutlich zugenommen haben und den Buchen stark zusetzen“, sagt Zindel.

Oft sei solch ein Pilzbefall zunächst gar nicht zu erkennen. „Die Bäume sind noch grün, aber trotzdem brechen plötzlich die Kronen auseinander.“ Zudem gebe es Schädlinge wie den Kleinen Buchen-Borkenkäfer. „Der Käfer frisst sich durch die saftführende Schicht zwischen Borke und Holz und zerstört so den Baum“, erklärt Zindel. Zudem eröffne er so den Zugang für Pilze ins Bauminnere. „Derzeit ist eine strake Zunahme dieses Buchen-Borkenkäfers zu beobachten.“

Trockenheit in der Region Kassel: Buchen sterben - Bestandsaufnahme läuft

Wie hoch der Anteil an Buchen ist, die schon jetzt nicht mehr zu retten sind, ist aktuell noch nicht klar. „Nachdem wir gerade mal die toten Fichten aus dem Wald geholt haben, sind wir bei den Buchen noch mit der Bestandsaufnahme beschäftigt“, sagt Zindel. So sterbe die Buche bei Weitem nicht so flächig ab wie die Fichte, häufig handele es sich nur um kleine Gruppen oder um viele Einzelbäume. „Das wechselt von Standort zu Standort“, sagt Zindel.

Klar sei aber schon jetzt, dass wieder mit einem enormen wirtschaftlichen Schaden zu rechnen sein werde. „Aktuell schauen wir in den Altbeständen, welche Buchen sich noch ohne Qualitätsverlust verwerten lassen, bevor sie absterben und nicht mehr nutzbar sind.“ Schon jetzt gebe es Bereiche, in die allein aus Gründen des Arbeitsschutzes kein Fortsarbeiter mehr gelassen werde.

„Unter dem Strich stehen uns harte Zeiten bevor. Alles, was wir jetzt verlieren, haben wir zuvor in mühevoller Arbeit aufgebaut. Die Trockenheit und ihre Folgen haben uns mit ungeahnter Schnelligkeit und Dynamik getroffen. Nun müssen wir alles wieder aufbauen – mit klimafesten Baumarten und Forst-Konzepten, die dem Klimawandel Rechnung tragen.“ (Boris Naumann)

Auch in Südniedersachsen droht das große Buchensterben.

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