So sieht der Oberbürgermeister die Zukunft des Sports 

Zukünftiger Bürgermeister Geselle: Kassel bekommt zweite Eisfläche

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Blick auf die Eissporthalle: Auf dem Parkplatz soll mit zehn, zwölf Metern Distanz zur Halle eine zweite Eisfläche entstehen.

Kassel. Kassel wird neben der Eissporthalle eine zweite überdachte Eisfläche bekommen. Das machte der Sportdezernent und zukünftige Oberbürgermeister Christian Geselle im Redaktionsgespräch unserer Zeitung deutlich.

Aktualisiert um 20.05 Uhr. Er sagte: „Wir bauen das Ding.“ Schließlich sei die Verwirklichung dieses Projekts so auch im Vertrag der neuen Rathauskoalition aus SPD, Grünen und der Liberalen Liste fixiert.

Geselle erklärte, dass der Bau nun gemeinsam mit den Verantwortlichen der Kassel Huskies vorangetrieben und dass sich die Stadt an den Kosten finanziell beteiligen werde. Er begründete das mit einem Verweis auf die Kultur und das Auestadion: „Wir haben in der Vergangenheit in diesen Bereichen viel investiert. Da ist es selbstverständlich, dass wir auch den Bau einer zweiten Eisfläche unterstützen“, sagte Geselle, der auch Kämmerer der Stadt ist. Wie hoch der Betrag für den Bau konkret sein wird, stehe aber noch nicht fest. Von einer Million bis zwei Millionen Euro ist die Rede.

Die zweite Eisfläche soll direkt neben der Eissporthalle entstehen und vornehmlich der Eishockey-Jugend und dem DEL2-Team der Kassel Huskies als Trainingsfläche dienen. Inwieweit sie auch für den öffentlichen Eislauf nutzbar sein wird, muss noch geklärt werden. Zu den Folgen eines Baus zählt auch, dass eine Reihe von Parkplätzen an der Eissporthalle entfiele, wofür eine Lösung gesucht wird. Denkbar ist, dass die neue Eisfläche auf ein Parkdeck aufgesetzt wird.

Sozialdemokrat Christian Geselle: Er ist der zukünftige Oberbürgermeister der Stadt Kassel. 

Halleneigner Simon Kimm ist aufgeschlossen für das Projekt und gespannt darauf, „was sich da in den nächsten beiden Jahren entwickelt“. Alles stehe und falle mit einem seriösen Finanzierungskonzept, in das die Stadt, die Hallenbetreiber und der Verein Eishockey-Jugend Kassel einzubinden seien. Kimm verweist darauf, dass vor 40 Jahren beim Bau der Halle für eine zweite Eisfläche bereits planerische und technische Grundlagen gelegt worden seien. 

Geselle spricht im Zusammenhang mit der zweiten Eisfläche von einer "nordhessischen, kasselänerischen Lösung: bescheiden, bodenständig, vernünftig".

Schließlich geht mit der Zusage eines solchen Baus erst einmal auch ein Abgesang auf alle anderen Pläne einher, die in der Vergangenheit in Sachen Multifunktionshalle diskutiert wurden. Die Verwirklichung einer solchen Arena ist vorerst vom Tisch egal, an welchem Standort. Das hat auch damit zu tun, dass es derzeit keine Investoren dafür gibt.

Eine Multifunktionshalle auf dem Salzmann-Gelände? Längst kein Thema mehr. Eine Allianzarena in Miniaturformat gegenüber vom Hotel "La Strada" an der Frankfurter Straße? Keine Rede mehr davon. Eine eigenständige Halle mit 8000 Plätze auf den Giesewiesen? Eine längst vergessene Illusion.

Bleibt also die Entwicklung des Standortes Eissporthalle mit einer zweiten Eisfläche. Davon unabhängig ist die Modernisierung der Eissporthalle an sich und damit der Heimstätte des Eishockey-Zweitligisten Kassel Huskies. Diese Modernisierung wiederum wäre in erster Linie aber Sache von Halleneigner Simon Kimm, der sich derzeit dazu aber nicht äußern möchte.

Ginge es nach Geselle, könnte sich die Eissporthalle schließlich zu einer modernen Arena mausern. Ihn würde das freuen, auch weil seine Erinnerungen an die Huskies und die Halle weit zurückreichen: "Ich habe schon als Kind auf dem Heuboden gestanden."

Die Eissporthalle könnte zu einem modernen Veranstaltungsort ausgebaut werden. Ob sie auch eine Alternative sein kann als Austragungsort für die Heimspiele der MT Melsungen, ist aber fraglich. Der Handball-Bundesligist ist derzeit Mieter der Rothenbachhalle auf dem Messegelände. Aktuell soll es keine konkreten Pläne geben über einen Standortwechsel oder gar den Bau einer neuen Halle. "Wenn es hier Gesprächsbedarf geben sollte, wäre die Stadt offen", sagt Geselle.

Wie steht es sonst um den Sport in Kassel?

Der Kasseler Sport in diesem Thema steckt derzeit viel Bewegung: Der Fußball-Regionalligist KSV Hessen Kassel kämpft ums finanzielle Überleben, bei den Kassel Huskies geht es um eine zweite Eisfläche. Überhaupt: Die Hallensituation in der Stadt ist ein Dauerbrenner, die Pläne für den Bau einer Multifunktionsarena eine unendliche Geschichte mit vielen Kapiteln und möglichen Standorten.

Wie also sieht die Zukunft des Kasseler Sports aus? Dazu nimmt der zuständige Dezernent nun Stellung: Christian Geselle, der gewählte Oberbürgermeister. Er sieht Kassel nicht nur als Kulturstadt, sondern auch als Sportstadt und will sie dementsprechend voranbringen und in diesem Bereich investieren: mit Geld aus der Stadtkasse, aber auch mit der Moderation von heiklen Themen.

Wie das alles aussieht, stellen wir auf dieser Seite dar. Ein Überblick über den größeren und kleinen Sport.

KSV ist auf der Suche nach einer Galionsfigur

Wird es in der kommenden Saison weiterhin Regionalliga-Fußball in Kassel geben? Mit 78,5 Prozent bezifferte unter der Woche mit Dirk Lassen der Finanzvorstand des KSV Hessen Kassel die Wahrscheinlichkeit. Sportdezernent Christian Geselle ist da vorsichtiger: "Ich habe mich vor der Wahl zum Oberbürgermeister auf keine Zahl festnageln lassen, nun werde ich das in Sachen KSV auch nicht machen lassen."

Das hat wohl seinen Grund: Nach Informationen unserer Zeitung ist die finanzielle Notlage des KSV nämlich noch schlimmer als zuletzt dargestellt: Die Gesamtverschuldung liegt derzeit angeblich bei mehr als zwei Millionen Euro. Eine Insolvenz ist nur abwendbar, wenn Gläubiger auf viel Geld verzichten. In dieser Beziehung gibt es aber wohl immerhin positive Signale.

Ob sich der Wind dreht? Derzeit weiß keiner so recht, wohin die Reise des Fußball-Regionalligisten KSV Hessen geht.

Das ist auch im Sinn der Stadt, wie Christian Geselle deutlich macht: "Wir haben ein großes Interesse daran, dass der KSV mit seiner Jugend weiter bestehen bleibt und das Auestadion nicht nur alle fünf Jahre bei Deutschen Meisterschaften der Leichtathleten und jedes Jahr beim Marathon genutzt wird."

Er sieht sich und die Stadt dabei in erster Linie in der Rolle des Moderators und Netzwerkers hinter den Kulissen. Als solcher ist auch Geselle zu dem Ergebnis gekommen: "Der KSV braucht eine neue Galionsfigur."

Dirk Lassen hatte bereits Veränderungen in der Führungsetage angekündigt er und auch Vorstand Wolfgang Linnenbrink werden offenbar ausscheiden. Der Weg wäre frei für eine neue Struktur und einen personellen Neuanfang, der womöglich auch beim bisherigen Hauptsponsor VW für ein Umdenken sorgen könnte. Nur: Wer könnte eine solche Galionsfigur sein? Da fällt natürlich in erster Linie sofort der Name Jens Rose, der einst den KSV Hessen geführt hat.

Dazu äußert sich Geselle aber nicht. Er sagt nur: "Der Verein braucht an der Spitze ein neues Image." Fernab davon lobt er die Mannschaft und den Trainer: "Tobias Cramer ist eine ehrliche Haut und Gold wert", sagt Geselle.

Bis Anfang Juni erwartet er eine Entscheidung: hop oder top. Wende oder Insolvenz. Die könnte richtig bitter werden vor allem auch für die aktuell Handelnden als Haftende.

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