Hochschule weist Kritik zurück

Uni Kassel benotet oft besser als andere

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Symbolbild Studenten

Kassel. Die Uni Kassel vergibt in vielen Fächern überdurchschnittlich gute Noten. In elf Studienabschlussformen erreichten die Kasseler Studenten 2010 sogar den besten Notenschnitt im deutschlandweiten Vergleich.

Diese Zahlen legte jetzt der Wissenschaftsrat vor und warnte vor „zu guten Noten“ an deutschen Hochschulen. Die Kasseler Uni weist die Kritik zurück. Für die überdurchschnittlichen Bewertungen seien fachspezifische Besonderheiten verantwortlich. Der Wissenschaftsrat, ein Beratungsgremium von Bund und Ländern, moniert, dass die Prüfungsnoten nicht mehr nur von der Leistung, sondern zunehmend von der Hochschule abhängig seien. Dies will die Kasseler Uni für sich nicht gelten lassen.

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„Wir haben keine Noteninflation. Wir werden den Bericht des Wissenschaftsrats in der Konferenz der Studiendekane diskutieren. Die Untersuchung ist für mich derzeit kein Anlass, die Notenpraxis an der Uni Kassel grundsätzlich infrage zu stellen “, sagt Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Andreas Hänlein.

Über alle Fächer hinweg lag der Notendurchschnitt 2009 in Kassel bei 1,8 (deutschlandweit: 2,1). In etlichen Fächern, darunter die Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften, erhielten Kassels Absolventen 2010 deutschlandweit die besten Noten. Aus den Zahlen, die das Statistische Bundesamt erhebt, geht aber hervor, dass Kassels Professoren und Dozenten auch in anderen Fächern eher besser als der Durchschnitt benoten.

Hänlein sieht für die Ergebnisse mehrere Ursachen: So würden in Kassel keine Fächer angeboten, in denen das Notenniveau schon allein aus der Tradition des Fachs schlechter ausfalle wie etwa Jura. Zudem biete die Uni viele Vorbereitungskurse an und leistungsschwache Studenten würden ausgefiltert und zu anderen Studiengängen verwiesen. Beides hebe das Niveau. Überdies zweifelt er an der Datenbasis der Untersuchung.

Präsidium kann strengere Noten nicht anordnen

Beim Blick auf die Benotung an der Uni Kassel fällt auf: Nur selten bewerten Kassels Professoren und Dozenten im Vergleich mit anderen Hochschulen unterdurchschnittlich. Häufig liegen die durchschnittlichen Abschlussnoten der Uni Kassel sogar im oberen Drittel. Für Prof. Andreas Hänlein, Vizepräsident der Uni Kassel, ist dies aber nicht weiter besorgniserregend.

„Wir haben viele junge Wissenschaftler von außen geholt. Wir sind kein Biotop, in dem sich eine Tradition zu guter Leistungsbewertung entwickelt hätte“, sagt Hänlein. Dennoch gibt es - wie auch an anderen Unis - bei der Notenvergabe professorenabhängige Unterschiede. Aus seiner Sicht ist eine „fächerübergreifende Objektivität“ nicht möglich. So werde es zwischen den Fächern immer unterschiedliche Traditionen in der Vergabe der Noten geben. „Die Benotungspraxis im Fach Jura halte ich unter pädagogischen Gesichtspunkten für problematisch. Die Studenten werden dadurch in ihrem Selbstbewusstsein getroffen.“

Jura zählt zu den Fächern mit den schlechtesten Durchschnittsnoten, wird in Kassel aber nicht angeboten. In den Naturwissenschaften ist der Notenschnitt allgemein außerordentlich gut (zum Beispiel Kassel Biologie: 1,5 ). Dies liegt an dem harten Grundstudium, nach dem viele Studenten ausscheiden. Die in Kassel äußerst guten Bewertungen der diplomierten Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaftler erklärt Hänlein mit der Kasseler Besonderheit des Diploms II aus Zeiten der Gesamthochschule. Beim zweiten Diplom falle die Note eher besser aus. Letztlich, so Hänlein, habe er überhaupt keinen Einfluss auf die Noten: „Es gilt die Freiheit der Lehre. Das heißt, ich kann gegenüber den Professoren nicht anordnen, dass sie strenger benoten sollen. Es gibt aber eine Reflexion über Leistungsstandards.“ (bal)

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