Gründe sind Umwelt und Kosten

Kein Plopp mehr bei Hütt: Beliebtes Naturtrüb nicht mehr in der Bügelflasche

Für sie ist es ein Fortschritt, andere trauern der Bügelflasche hinterher: Brauereichef Frank Bettenhäuser (links) und Hütt-Geschäftsführer Kai Salzmann mit der neuen Naturtrüb-Flasche.
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Für sie ist es ein Fortschritt, andere trauern der Bügelflasche hinterher: Brauereichef Frank Bettenhäuser (links) und Hütt-Geschäftsführer Kai Salzmann mit der neuen Naturtrüb-Flasche.

Es gibt wohl kaum ein heimisches Bier, das eine ähnlich große Fan-Gemeinde hat wie das Naturtrüb von der Hütt-Brauerei. Am liebsten aus der 0,5er-Bügelflasche, das ist die mit dem Plopp. Und jetzt das.

Kassel/Baunatal – „Ja, es stimmt. Wir haben diese Form der Abfüllung zum 1. Februar eingestellt“, sagt Kai Salzmann, Geschäftsführer bei Hütt. Und fügt im gleichen Atemzug hinzu, dass es das Naturtrüb natürlich noch gibt, allerdings in einer Flasche mit Kronkorken.

Salzmann hat in den vergangenen Tagen viel Zeit damit verbracht, aufgebrachten Naturtrübliebhabern die Gründe für die Umstellung zu erläutern. „Für alle, die sich etwas näher mit dem Thema beschäftigen, ist das ein Fortschritt“, sagt er. Wie bitte? Was soll das für ein Fortschritt sein, wenn eine Brauerei ein beliebtes Produkt so sehr verändert? In den sozialen Medien schlägt die Debatte hohe Wellen.

Hütt schafft die Bügelflasche ab: Gründe sind die Umwelt und Kosten

Was also sind die Beweggründe? Zwei wichtige Argumente sind die Umwelt und die Kosten. Denn das nordhessische Naturtrüb wurde bislang – man glaubt es kaum – in Südhessen in der Nähe von Darmstadt abgefüllt. „Es gibt kaum eine Brauerei, die sich sowohl Abfüllsysteme mit Kronkorken als auch mit Bügelverschluss leisten kann“, sagt Hütt-Eigentümer Frank Bettenhäuser. Auf der Knallhütte kommen ausschließlich Kronkorken auf die Flaschen.

Bisher habe man alle paar Tage zwei Sattelschlepper mit mehreren Hektolitern Bier auf die Reise geschickt, die dann mit den Kisten voll Bügelflaschenbier zurückkamen. Diese Tankwagen hat man über eine Bierspedition in Gotha angemietet. „Ich habe das mal ausgerechnet“, sagt Bettenhäuser. Pro Jahr habe man durch den Transport neun bis zehn Tonnen an schädlichem CO2 produziert. Das sei für eine Brauerei, die in allen anderen Bereichen auf Umweltschutz setze, einfach nicht mehr zeitgemäß. Ganz abgesehen von den Kosten für die Lkw-Touren im mittleren sechsstelligen Eurobereich.

Hütt ändert Flasche: In der Corona-Pandemie wird genau auf die Kosten geschaut

Viele Brauereien hätten angesichts geschlossener Kneipen und abgesagter Großveranstaltungen erhebliche Probleme. Da schaue man noch genauer als sonst auf die Kosten. „Wir wollen auch weiter heimisches Bier produzieren und für Arbeitsplätze vor Ort sorgen“, sagt Kai Salzmann.

Die Umstellung auf die Euro-Normflaschen sei aber auch aus anderen Gründen richtig und sinnvoll. Der Kronkorken sorge im Gegensatz zum Gummiring der Bügelflasche für einen unverfälschten Geschmack. Zudem dichte er besser ab, sodass das Bier länger frisch bleibe.

Stichwort Frische: Man sei durch die Umstellung jetzt in der Lage, auch kleinere Chargen bedarfsgerecht abzufüllen. Ziel sei es, die komplette Wertschöpfungskette vom Brauen über das Abfüllen sowie das Sortieren der Flaschen in der Region zu bündeln. Und obendrein noch die Transportwege deutlich zu reduzieren.

Und was sagt Salzmann den Traditionalisten, die den Bügelverschluss trotzdem vermissen? „Einfach mal die neue Flasche ausprobieren, der Inhalt ist frisch und schmeckt mindestens genauso gut.“ Außerdem habe auch diese Flasche Tradition. Die gab es bei Hütt schon vor 40 Jahren und werde mittlerweile von vielen kleineren Brauereien wieder genutzt. (Thomas Siemon)

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