Interview mit Ulrike Gote

Kassels Bildungsdezernentin: „Berg“ an Schulsanierungen wird abgearbeitet

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Pläne in der Phase 0: An der Paul-Julius-von-Reuter-Schule an der Schillerstraße stehen große bauliche Veränderungen an.

Kassels neue Bildungsdezernentin Ulrike Gote gibt Auskunft über die Themen Schule und Kinderbetreuung.

Seit Sommer ist die Grünen-Politikerin Ulrike Gote Kassels Dezernentin für Jugend, Frauen, Gesundheit und Bildung. Damit hat sie die Nachfolge ihrer Parteifreundin Anne Janz angetreten, die als Staatssekretärin ins hessische Sozialministerium gewechselt war. 

Wir unterhielten uns mit Ulrike Gote über mögliche Ausbauten, Sanierungen, Neubauten und Umstrukturierungen.

Interview: Ausblick auf die Zukunft

Frau Gote, sind Sie gut in Kassel und in Ihrem neuen Amt angekommen?

Ulrike Gote: Ja. Ich hatte es mir schwieriger vorgestellt, mich in die Verwaltungsabläufe einzufinden. So eine intensive Lernphase hatte ich zuletzt im Studium.

Ich bin gut angekommen und herzlich aufgenommen worden. Ich habe mein 100-Tage-Programm mittlerweile abgearbeitet. Dabei war es mir wichtig, zu den Ämtern und Kitas zu gehen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort in ihren Arbeitszusammenhängen kennenzulernen. 

Mit der Leiterin des Amts für Schule und Bildung, Gabriele Steinbach, bin ich zum Beispiel einen Tag lang von Schule zu Schule mit dem Fahrrad gefahren.

In meinem Dezernat trage ich Verantwortung für über 1.000 Menschen. Die kenne ich natürlich noch nicht alle, aber es werden immer mehr.

Vieles muss neu für Sie gewesen sein. Sie waren ja zuvor lange als Mandatsträgerin im bayerischen Landtag tätig.

Gote: Ich habe in meinem Dezernat kreative und zugewandte Amtsleiterinnen angetroffen und kennengelernt. Aus den Ämtern kommen viele Ideen und Impulse. Das ist hier geübte Praxis, die mir gefällt. Das Dezernat ist sehr gut aufgestellt.

Trotzdem nehmen Sie jetzt eine strukturelle Veränderung vor, indem Sie das Jugendamt teilen?

Gote: Es ist einfach sehr groß und die Aufgaben werden vielfältiger und wachsen stetig. Jetzt teilen wir das Amt auf in die zwei Bereiche Kindertagesbetreuung und Jugendarbeit/-hilfe.

Der Bereich Kinderbetreuung bekommt damit entsprechend seiner Bedeutung mehr Gewicht. Die Weichen hierfür sind übrigens bereits vor meinem Amtsantritt gestellt worden.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Gote: Am 1. Januar startet das neue Amt „Kindertagesbetreuung Kassel“ mit seiner Arbeit. Die Amtsleitung übernimmt Antje Kühn, die bisherige stellvertretende Amtsleiterin des Jugendamts. Amtsleiterin des Jugendamts bleibt Judith Osterbrink.

Die personellen Änderungen sind im Haushalt ausfinanziert. Allerdings werden die Räume am Scheidemann-Platz wahrscheinlich nicht ausreichen.

Was steht an?

Gote: Wir wollen die Kinderbetreuung im nächsten Jahr auf gut 11.500 Plätze ausbauen. Das sind über 400 Plätze mehr als derzeit. Damit ist der Bedarf aber noch lange nicht gedeckt.

Wir haben uns den Zuzug angeguckt: international, aus Deutschland, aber auch aus dem Landkreis. Die Schwierigkeit ist, dass es da keine konstanten Zahlen gibt. Wir müssen also vierteljährig genau hinsehen und die Zahlen immer wieder aktualisieren.

Die Veränderungen in den Kitas setzen sich ja in den Grundschulen fort. Deshalb ist klar, dass wir über den Zuschnitt der Grundschulbezirke nachdenken müssen, ebenso wie über Aus- und Neubauten.

2025 wollen wir alle Grundschulen im Pakt für den Nachmittag haben. Für dieses Jahr hat der Bund den Rechtsanspruch für die Ganztagsbetreuung angekündigt.

Wir sind optimistisch, weil wir früh mit den Grundschulen in Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe in den Ganztag gestartet sind und inzwischen 18 von 27 Grundschulen im Ganztag arbeiten. Mindestens drei weitere Grundschulen kommen bis 2022 hinzu.

Wo gibt es Engpässe?

Gote: An manchen Standorten haben wir eine unbefriedigende Situation in den Horten und bei der U3-Betreuung. Insgesamt brauchen wir einen Ausbau. Da, wo wir zusätzliche Plätze anbieten, sind sofort alle belegt.

Jetzt sollen ja Container für die Kinderbetreuung aufgestellt werden?

Gote: Ja, temporär nutzen wir Modulbauten, teilweise aus Holz, in denen auch Sanitäranlagen untergebracht sein können. Diese Räume sollen keinen festen Bau ersetzen, aber man kann damit längere Zeit gut arbeiten.

Da, wo wir sie jetzt aufstellen, gibt es meistens schon Pläne für einen stationären Neubau. Aber wir haben tatsächlich einen großen Berg an Sanierungen vor uns. Jetzt bekommt erst einmal die Kita Nordshausen über die GWGpro einen Neubau.

Warum hat sich das aufgestaut?

Gote: Das Problem haben viele Städte und Gemeinden: Über die Jahre haben sich die Probleme angesammelt, auch weil die Kosten für den Bauunterhalt höher sind als kalkuliert.

Hinzu kommt, dass seit einigen Jahren die Bauwirtschaft extrem ausgelastet ist. Die Fachleute sind Mangelware und auch dadurch steigen die Preise.

Und natürlich müssen wir bei Investitionen in der Stadt Prioritäten setzen und Schritt für Schritt vorangehen. Die Mittel sind endlich und wir haben ja viele Bereiche, in die wir investieren wollen.

Wie sieht es bei den Schulen aus?

Gote: Für die gilt das Gleiche. Auch da gibt es einen Berg, der abgearbeitet wird. Auch mit dieser Situation ist Kassel nicht alleine. Es geht aber voran.

Wie steht es um die Paul-Julius-von-Reuter-Schule? Gebäudeteile sind ja nach wie vor wegen Einsturzgefahr gesperrt.

Gote: Wir befinden uns noch in der Phase 0 und die wird in das Jahr 2020 hineinreichen. Es gibt die feste Zusage, dass die Reuter-Schule saniert wird.

Im Haushalt sind mit 1,5 Millionen Euro genau die Mittel vorhanden, die wir für die Planung und die Vorbereitung der Sanierung brauchen. Das wird aber nicht für das gesamte Projekt reichen.

Bevor wir mit größeren Sanierungsarbeiten beginnen, muss auf jeden Fall die Mönchebergschule als Ausweichstandort hergerichtet sein.

Das ist aber schon eine ganze Weile bekannt.

Gote: Das benötigt ja auch Zeit und es gibt eine Prioritätenliste, denn es müssen viele Schulen saniert werden. So sind beispielsweise die laufenden Bauarbeiten an der Valentin-Traudt-Schule eine richtig gute Sache.

Und auch die Kita Brückenhof finde ich sehr gelungen. Man sollte bei allem auch sehen, was bereits geschafft und auf den Weg gebracht wurde.

Welche Konsequenz ergibt sich aus wachsenden Einwahlzahlen in weiterführende Schulen – auch von Landkreiskindern?

Gote: Wir schauen uns die Zahlen für die weiterführenden Schulen an und stellen fest: Wir müssen ausbauen. Mit gymnasialen Plätzen an den grundständigen Gymnasien und an den Gesamtschulen sind wir im Prinzip gut versorgt.

Dennoch verstehe ich den Bedarf der Gymnasien, die gerne anders arbeiten wollen und zeitgemäße Räume fordern wie Lerninseln, Begegnungsorte oder Differenzierungsräume.

An vier Gesamtschulen wird in den nächsten Jahren grundständig saniert oder neu gebaut und damit werden neue, zukunftsfähige Schulen entstehen.

Auch bei den beruflichen Schulen wird Spannendes in Sachen neues Lernen passieren, da werden künftig Kooperationen mit dem Kreis eine Rolle spielen. Die Schulleiter haben mir gute Konzepte vorgestellt.

Apropos: Es gibt Gymnasien, die möchten ihre Kapazitäten erweitern, um mehr Kinder aus dem Landkreis aufnehmen zu können.

Gote: Das Thema ploppt immer wieder auf, wenn es um Schülerlenkungen durch das Staatliche Schulamt geht. Es ist aber so, dass der Landkreis sehr gute Gesamtschulen mit ausreichend gymnasialen Plätzen hat.

Umgekehrt gehen ja auch viele Stadtkinder auf Landkreisschulen. Das gleicht sich nahezu aus. Das vergisst man leicht. Der Landkreis hat gute Schulen und er hat früh mit den Sanierungen angefangen.

Ich finde, dass wir insgesamt eine tolle Schullandschaft haben und ich freue mich über eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Landkreis.

Zur Person: Ulrike Gote

Ulrike Gote, Schuldezernentin Kassel

Ulrike Gote (54) ist 1965 in Trier geboren. Sie hat Geoökologie in Bayreuth studiert, wo sie seit 1986 gelebt hat. 1998, mit Anfang 30, kam die Grünen-Politikerin in den Bayerischen Landtag, wo sie 20 Jahre lang grüne Politik vertrat.

Die letzten fünf Jahre war Gote Landtagsvizepräsidentin. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder (28, 25 und 17 Jahre). In Kassel fühlt sie sich in einem 50er-Jahre-Haus im Stadtteil Mitte wohl.

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