432.000 Einschläge gibt es pro Jahr bundesweit

In Kassel blitzt's am seltensten: Blitzatlas zeigt Gewitterschwerpunkte in der Region

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Blitze über Kassel, rechts das Lichtband der Wilhelmshöher Allee. Das Foto entstand während starker Unwetter im Sommer 2008.

München. In Kassel hat es im vergangenen Jahr hessenweit am seltensten geblitzt. Rechnerisch gingen in der Stadt nur etwa 0,5 Blitze pro Quadratkilometer nieder.

Lediglich 57 Einschläge wurden dort registriert. Das geht aus dem am Donnerstag vorgestellten Blitzatlas des Technologiekonzerns Siemens in München hervor.

Im bundesweiten Vergleich zählt Kassel damit zu den 35 blitzärmsten Regionen. Die meisten Blitze in Hessen gab es laut Siemens mit 3,3 Einschlägen pro Quadratkilometer (1165 Blitze) im Landkreis Offenbach, vor Frankfurt mit 2,7 Einschlägen (672 Blitze).

Blitz-Hauptstadt Deutschlands ist der Studie zufolge mit rund 4,1 Einschlägen pro Quadratkilometer Wesel. Den Landkreis in Nordrhein-Westfalen trafen insgesamt 4297 Blitze. Nur wenige Gewitter schlugen hingegen in Flensburg (Schleswig-Holstein) und im brandenburgischen Frankfurt an der Oder ein (beide 0,2 Blitze pro km2). Insgesamt liegt Hessen im Mittelfeld. Mit 1,2 Blitzen pro Quadratkilometer kommt das Land laut Blitzatlas auf Rang 9 der 16 Bundesländer. Landesweit wurden 24 889 Blitze registriert. Spitzenreiter ist Hamburg mit 1,7 Einschlägen.

Gewitter entstehen, wenn kalte und warme Luftmassen aufeinanderprallen. In den Wolken toben heftige Auf- und Abwinde. So baut sich eine gewaltige elektrische Spannung auf. Die Wolken türmen sich viele Kilometer hoch auf und werden tonnenschwer. Die Spannung steigt und entlädt sich schließlich in einem Blitz. Die vom Blitz erhitzte Luft dehnt sich schlagartig aus und zieht sich wieder zusammen. Dabei entsteht ein lauter Knall: der Donner.

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens (Blids) erfasst die Blitze europaweit an über 155 Messstationen. Mit ihnen kann Siemens nach eigenen Angaben jeden Blitz, der die Erde erreicht, lokalisieren. Der Ort des Einschlags lässt sich bis auf 200 Meter genau bestimmen.

Bundesweit zählte Siemens so im vergangenen Jahr 432.000 Blitzeinschläge. Das ist der niedrigste Stand seit 1999. „Hauptgrund ist, dass im normalerweise blitzreichen August sehr wenige Gewitter zu verzeichnen waren“, sagte Stephan Thern, Leiter des Blids. Im Spitzenjahr 2007 wurden mit 1,14 Millionen mehr als doppelt so viele Blitze registriert.

Wo Gewitter auftreten, hängt laut dem Meteorologen Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst von verschiedenen Faktoren ab. Vor allem hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit begünstigten ihre Entstehung. „Daher gilt rein theoretisch, dass die Wahrscheinlichkeit für Gewitter im Süden höher ist als im Norden“, erklärt Lux. Außerdem werde die warme Luft dort wegen der Berge – wie im Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb – gezwungen aufzusteigen. „Auch das unterstützt die Gewitterbildung.“

Das bestätigt auch der Langzeitvergleich: Von 1999 bis 2016 schlug der Blitz laut Siemens am häufigsten in den bayerischen Landkreisen Garmisch-Partenkirchen (4,2) und Berchtesgadener Land (3,8) ein.

Blitzeinschläge pro km2 in Kreisen in der Region:

  • Rang 17: Werra-Meißner-Kreis mit 0,92 (946 Blitze)
  • Rang 19: Landkreis Kassel mit 0,86 (1117)
  • Rang 20: Schwalm-Eder-Kreis mit 0,80 (1226)
  • Rang 21: Landkreis Hersfeld-Rotenburg mit 0,79 (871)
  • Rang 23: Landkreis Waldeck-Frankenberg mit 0,69 (1283)

Hintergrund: Was tun, wenn es gewittert?

Im Freien: Gehen Sie möglichst in einer Geländemulde in die Hocke und stellen Sie die Füße zusammen. Wenn vorhanden, setzen Sie sich auf ein trockenes Kleidungsstück oder andere trockene Gegenstände.

Unter Bäumen: Das Sprichwort: „Eichen sollst Du weichen, Buchen sollst Du suchen“, stimmt nicht. In der Nähe von Bäumen besteht immer Gefahr. Am besten hält man zu jedem Ast mindestens zehn Meter Abstand, erklärt der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Der Deutsche Wetterdienst rät zu mindestens 30 Metern Distanz. An Waldrändern ist es übrigens gefährlicher als mitten im Wald.

Im Wasser: Sie sollten vor dem ersten Blitz aus dem Wasser sein. Der Blitzstrom kann sich im Wasser über weite Strecken verbreiten.

Auf dem Rad: Steigen Sie ab und suchen Sie Schutz. Lassen Sie das Fahrrad einige Meter entfernt liegen. Dieselben Empfehlungen gelten für Motorradfahrer.

Im Auto: In einem geschlossenen Auto ist man sicher; bei Cabrios hängt es von der Art des Verdecks ab. Trotzdem möglichst rechts ranfahren, damit Sie bei einem Blitzschlag nicht vor Schreck das Steuer verreißen.

Am Telefon: Von Handys und schnurlosen Telefonen geht keine Gefahr aus, erklärt der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Bei Festnetztelefonen am Stecker sieht das anders aus. Hier gilt wie für alle elektrischen Geräte im Haus: Man sollte sie vom Strom nehmen oder einen Überspannungsschutz haben.

Unter der Dusche: Duschen und Baden sollte man während eines Gewitters nur, wenn das Gebäude über einen Blitzschutz verfügt. In allen anderen Häusern ist wichtig, ob das Haus Wasserrohre aus Kunststoff hat, die Strom und Blitze nicht leiten. In älteren Gebäuden können im Badezimmer noch Metallteile wie Wasserleitungen und Badewanne elektrisch verbunden und an einen Haupt-Erdungsanschluss angeschlossen sein. Ist das laut VDE vollständig und dauerhaft haltbar, kann man ebenfalls duschen und baden während eines Gewitters. In allen Zweifelsfällen besser kurz warten. Es gilt die Faustregel: Wenn man eine halbe Stunde keinen Donner mehr gehört, ist das Gewitter vorbei.

Unter dem Regenschirm: Auch wenn man nass wird, schließt man besser den Regenschirm. Denn viele Modelle enthalten Metall, das man während eines Gewitters nicht anfassen darf. Wenn man außerdem auf freier Strecke mit dem Schirm der höchste Punkt einer Umgebung ist, steigt die Gefahr, dass ein Blitz einschlägt.

Quelle: dpa/Deutscher Wetterdienst

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