Standort Kassel

Gefahr oder Chance? - Folgen des möglichen Bombardier-Verkaufs noch offen

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Der mögliche Verkauf an Alstom verunsichert Mitarbeiter. Unser Bild zeigt das Bombardier Werk Mittelfeld in Kassel bei Tarifverhandlungen 2018.

Der Bombardier-Standort in Kassel hat eine ungewisse Zukunft: Der mögliche Verkauf an Alstom kann sowohl Gefahr als auch Chance gewertet werden.

  • Befindet sich Bombardier Transportation in der Krise?
  • Der kanadische Konzern steckt in Verhandlungen mit Alstom.
  • Der mögliche Verkauf kann für den Standort in Kassel Gefahr und Chance sein.

Kassel – Der französische Zugbauer Alstom will die Bahnsparte des angeschlagenen Konkurrenten Bombardier kaufen. Sollte die Übernahme durch die EU-Wettbewerbskommission genehmigt werden, sind die Auswirkungen auf den Bombardier-Standort in Kassel laut dem Betriebsratsvorsitzenden Markus Hohmann ungewiss.

„Die Übernahme könnte eine Gefahr für die Arbeitsplätze in Kassel, aber auch eine Chance für den Standort bedeuten“, sagt er. Das vergleichsweise kleine Werk in Kassel beschäftigt laut Hohmann derzeit rund 700 Menschen inklusive Leiharbeiter. Es stand in den vergangenen Jahren mehrfach vor der Schließung. Denn der kanadische Bombardier-Konzern ist hoch verschuldet.

Bombardier in Schieflage - Gefährdet möglicher Verkauf an Alstom den Standort in Kassel?

Vor allem zu hohe Entwicklungskosten in der Flugzeugsparte hatten das Unternehmen in Schieflage gebracht. Hinzu kamen immer wieder Qualitätsprobleme in der Zugsparte. So hatte zuletzt etwa die Deutsche Bahn die Abnahme von 25 doppelstöckigen Intercity-Zügen wegen Software-Problemen verweigert.

Erst vor wenigen Tagen wandten sich mehrere Verbände in einem Brandbrief an den Vorstandschef von Bombardier Transportation, Danny Di Perna, und beklagten verspätete Lieferungen und technische Mängel. Der Zugbauer müsse die Qualität seiner Produkte deutlich steigern und Vertragsbedingungen konsequent und fristgerecht einhalten, fordern die Kunden in dem Schreiben.

Standort in Kassel gefährdet? - Video zum möglichen Verkauf von Bombardier an Alstom

Sicherheit für Bombardier-Standort in Kassel? - Alstom baut selber keine Lokomotiven in Deutschland

Die finanzielle Misere des Unternehmens hat sich in der Vergangenheit auch massiv auf das Werk in Kassel ausgewirkt. Dabei mangelte es nicht an Aufträgen. Aus Gewerkschaftskreisen heißt es, dass am Standort im vergangenen Jahr bei Weitem nicht so viele Loks gebaut wurden, wie bestellt waren. Zulieferer hätten nicht mehr geliefert, wohl aus Sorge, nicht bezahlt zu werden.

Die Chance für den Bombardier-Standort in Kassel könnte also sein, dass durch den Verkauf der Zugsparte an Alstom ein finanzstarker Partner wieder mehr Vertrauen bei den Kunden und Zulieferern erweckt. Zudem hat Alstom kein eigenes Montagewerk für Lokomotiven in Deutschland. Auch das gibt Anlass zur Hoffnung für den Kasseler Standort, an dem Elektro-, Diesel- und Zweikraftlokomotiven montiert werden.

Mitarbeiter in Kassel sorgen sich wegen möglichem Verkauf von Bombardier an Alstom

Die derzeitige Stimmung bei den Mitarbeitern im Werk in Kassel beschreibt Hohmann als relativ ruhig. „Sie wissen, dass es so, wie es zuletzt war, nicht weitergehen kann“, sagt der Betriebsratsvorsitzende.

Markus Hohmann, Betriebsratsvorsitzender Bombardier Kassel - Informiert über Gefahr und Chance des möglichen Verkaufs an Alstom.

Dennoch lösen die aktuellen Berichte über den möglichen Verkauf an Alstom in der Belegschaft Sorgen aus. „Eine Übernahme geht meistens nicht ohne Entlassungen über die Bühne“, sagt Hohmann. Wie es für den hiesigen Standort nach einem möglichen Verkauf weitergeht, hängt für ihn besonders auch vom Engagement der Politik ab.

Standort Kassel auch nach möglichem Bombardier-Verkauf an Alstom bewahren 

„Die deutsche Bundesregierung muss sich unbedingt in die Gespräche einschalten“, fordert er. Seine Sorge: dass der französische Konzern Alstom die Schienenverkehrstechnologie im eigenen Land dem Industriezweig in Deutschland vorzieht. „Wir brauchen klare Kante für den Standort Deutschland“, betont Hohmann.

Ausdruck findet diese Forderung in einem offenen Brief, den der Betriebsrat gestern gemeinsam mit der IG Metall an die Bundesregierung gesandt hat. Auch an die hessische Landesregierung appelliert Hohmann, das Werk in Kassel als einzigen hessischen Bombardier-Standort auch bei dem Verkauf an Alstom zu unterstützen. Er, der Betriebsrat und die Lokbaumannschaft würden jedenfalls mit allen Mitteln für den Erhalt des Werks in Kassel kämpfen, kündigte der Betriebsratsvorsitzende an.

Sorgt für Aufsehen: Möglicher Verkauf von Bombardier an Alstrom - Auswirkungen auf Standort Kassel ungewiss

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