Ermittlungen gegen Beamten

Polizist soll Flüchtling brutal attackiert haben: Zeugin schockiert von Aggressivität

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Ort des angeblichen Geschehens: In der Erstaufnahme Niederzwehren soll ein Polizist einem Flüchtling mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Bei einem Einsatz in einer Flüchtlingsunterkunft in Kassel soll ein Polizist einen Asylbewerber heftig geschlagen haben. Eine Zeugin berichtet.

  • In einer Flüchtlingsunterkunft in Kassel soll ein Polizist einen Asylbewerber angegriffen haben
  • Eine Zeugin berichtet von einer brutalen Attacke 
  • Gegen den Beamten wird ermittelt

Kassel - Auch mehr als einen Monat später ist Sabine Zeltinger immer noch „absolut schockiert“ über das, was in der Nacht zum 04.04.2020 in der Flüchtlingsunterkunft im Kasseler Stadtteil Niederzwehren passiert sein soll.

Ein Polizist soll einen Asylbewerber ohne Grund mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. So erzählt es Zeltinger, die eigentlich anders heißt, ihren Namen aber nicht in den Medien lesen will. Sie war damals Zeugin und hat gegen den Beamten Anzeige erstattet.

Kassel: Asylbewerber geschlagen? Anzeige gegen Polizist

Der war gegen Mitternacht mit Kollegen „zur Unterstützung einer Rettungswagenbesatzung gerufen worden“, wie ein Polizeisprecher bestätigt. Bei der medizinischen Versorgung eines alkoholisierten Mannes sei es „wegen dessen renitenten Verhaltens zu Problemen gekommen“. 

Laut Zeltinger war der junge Mann aus Afrika lediglich verbal aggressiv. Seine Wunde am Kopf sei wohl Folge eines Sturzes gewesen. Sie hätte eigentlich genäht werden müssen. Doch der Mann habe sich gewehrt. Weil das Thermometer Temperaturen um den Gefrierpunkt anzeigte, habe man den Flüchtling nicht vor die Tür setzen wollen. Darum habe man die Polizei gerufen. 

Kassel: Angriff auf Asylbewerber? „So eine Aggressivität habe ich noch nicht erlebt“

Einer der alarmierten Beamten habe gleich gefragt: „Warum liegt der Mann noch nicht am Boden? Warum tritt noch niemand auf ihn drauf?“ Dann habe er dem Verletzten ohne Vorwarnung mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Keiner seiner Kollegen habe etwas gesagt.

„So eine Aggressivität habe ich noch nicht erlebt. Dabei ging von dem Flüchtling zu keiner Zeit eine Gefahr aus“, sagt Zeltinger. Die Wunde, die das Opfer durch den Schlag erlitt, sei auf Fotos dokumentiert. Laut einem Polizeisprecher wurde der Mann von Beamten des Reviers Süd-West anschließend zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen. Ein Arzt habe den Flüchtling untersucht. Zu dessen Gesundheitszustand macht der Sprecher keine Angaben.

Kassel: Mutmaßlicher Angriff in Flüchtlingsunterkunft - Ermittlungen gegen Polizeibeamten

Am nächsten Morgen dann sei der Mann entlassen worden. Gegen ihn wird nun wegen Beleidigung ermittelt. Er soll die drei Beamten „mehrfach verbal und durch Tätlichkeiten angegangen haben“, wie es bei der Polizei heißt.

Gegen einen der Beamten werde nach der Anzeige wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt. Mehr wollte die Polizei zu dem Fall nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft kann derzeit noch keine näheren Angaben zum Verfahren machen.

Zeltinger befürchtet, dass die Ermittlungen ohne Ergebnis bleiben. Sie weiß, dass Ermittlungen gegen Beamte zu 93 Prozent eingestellt werden, wie die bislang größte Studie zu Polizeigewalt in Deutschland im vorigen Jahr ergab. Darin stellten die Forscher auch fest, dass nur wenige Betroffene Anzeige erstatten, weil sie glauben, dass Polizisten „bei einer Strafanzeige nichts zu befürchten hätten“.

Von Matthias Lohr

In Kassel hat vor einiger Zeit ein Video Diskussionen über Polizeigewalt ausgelöst. Dutzend Polizisten sollen darauf zu sehen sein, wie sie brutal eine Sitzblockade gegen eine Nazi-Demo auflösen. Doch auch die Angriffe auf Polizisten haben zugenommen. In Hessen gibt es immer mehr Angriffe auf Polizei, Feuerwehr und Sanitäter. Über die Gründe sind sich Behörden einig. 

In Witzenhausen bei Kassel wurde eine 18-Jährige das Opfer eines ausländerfeindlichen Angriffs. Sie wurde verbal attackiert und geschlagen. Nun ermittelt die Polizei.

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