Schwangere wollte mit Kinderwagen in Bus: Fahrer blaffte sie an

Kassel. Sonja Timm aus Kassel ist entsetzt über das Verhalten eines Busfahrers. Der Mann, der im Auftrag des Nordhessischen Verkehrsverbundes (NVV) Fahrgäste chauffiert, habe sich am vergangenen Samstag unverschämt aufgeführt, schildert die hochschwangere Frau, die mit ihrer dreijährigen Tochter Bus fahren wollte.

Der NVV will sich nun für den Vorfall entschuldigen, sagt Sprecherin Sabine Herms gegenüber der HNA.

Um 15.51 Uhr wollte die 39-jährige Sonja Timm am Samstag mit ihrer Tochter am Hasselweg (Bad Wilhelmshöhe) in einen NVV-Bus (Linie 53, Richtung Merxhausen) einsteigen. Die Tochter saß in einem Buggy. „Der Fahrer wehrte durch Gesten den Einstieg ab, blaffte mich beim Öffnen der Tür an, dass er bereits einen Kinderwagen transportieren würde und kein Platz für mich wäre“, erzählt die 39-Jährige.

Daraufhin habe sie dem Busfahrer erklärt, dass für gewöhnlich Platz für zwei Kinderwagen im Bus wäre und er sie durch die hintere Tür einsteigen lassen solle. Der Fahrer sei weiterhin abwehrend gewesen. „Erst als ich sagte, ich könne meinen Wagen zusammenklappen, ließ er mich einsteigen.“

Durch das Verhalten des Fahrers sei ihre Tochter allerdings aufgelöst gewesen, habe Angst gehabt und geweint. „Ich war dabei, mein Kind zu beruhigen und dazu zu überreden, sich auf eine Bank zu setzen“, schildert Sonja Timm. Aber die Tochter habe den Kinderwagen nicht mehr verlassen wollen.

Der Busfahrer habe daraufhin „wutentbrannt nach hinten geschnauzt, ich solle gefälligst den Wagen zusammenklappen“, sagt Timm. Daraufhin habe sie geantwortet, dass ihre Tochter Angst vor ihm habe. Vielmehr wäre sie dankbar gewesen, wenn der Fahrer ihr geholfen hätte, da sie schließlich schwanger sei. Daraufhin habe der Fahrer nur die Arme gehoben und gebrüllt: „Klar, ich bin schließlich Kinderschänder.“

„Cholerisch gewesen“

Andere Fahrgäste hätten mittlerweile ebenfalls ihre Irritation über den Fahrer geäußert und berichtet, dass der Mann bereits die ganze Fahrt über unfreundlich und cholerisch gewesen sei. Bevor Sonja Timm aus dem Bus stieg, bat sie den Fahrer um seinen Namen und um die Vorschrift darüber, dass die Linienbusse des NVV nur einen Kinderwagen transportieren dürften. Der Mann sei erneut „verbal ausfällig“ geworden. Seinen Namen habe er nicht genannt. „Ich solle mich beschweren, er hätte sich nichts vorzuwerfen.“

NVV-Sprecherin Herms bezeichnet das Verhalten des Fahrers auf HNA-Anfrage als „unangemessen“. „Das ist nichts, was man akzeptieren kann.“ Natürlich könnte in Bussen mehr als ein Kinderwagen mitgenommen werden. Hauptsache sei, die Fluchtwege würden frei gelassen. Der NVV habe die Hessische Landesbahn, bei der der Mann beschäftigt ist, kontaktiert und gebeten, die Fahrer für angemessenes Verhalten zu sensibilisieren. Es gebe zwar immer mal Beschwerden von Fahrgästen, aber im Großen und Ganzen handele es sich dabei um Einzelfälle.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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