Studentenwerk Kassel

Wegen Corona-Pandemie: Studenten in finanzieller Not - so geht es nun weiter

Wegen der Corona-Krise befindet sich in Kassel so mancher Student in finanzieller Not (Symbolbild).
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Wegen der Corona-Krise befindet sich in Kassel so mancher Student in finanzieller Not (Symbolbild).

Wegen Corona in Not: Diese Aussage trifft nicht nur auf Betriebe und Geschäfte zu, sondern auch auf viele Studierende. Doch was ist, wenn man als Student nun Geld braucht?

Kassel – Seit Kurzem steht die Überbrückungshilfe des Bundes für Studierende bereit, die wegen Corona in Not geraten sind. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu diesem Thema.

Trotz der Lockerungen im Alltag hat die Corona-Krise für viele Studenten in Kassel immer noch dramatische Folgen. Sie wissen wegen Jobverlust oder weggebrochener finanzieller Unterstützung der Eltern nicht mehr, wie sie ihren Lebensunterhalt stemmen sollen. Daher hat das Bundesbildungsministerium eine Nothilfe auf den Weg gebracht.

Wie viel Geld steht zur Verfügung?

Insgesamt hat das Bundesbildungsministerium 100 Millionen Euro bereitgestellt. Für Kassel stehen rund 993 000 Euro zur Verfügung. Die Summe bemisst sich an der Zahl der Studenten in der Region. Allein an der Universität Kassel sind 25 000 Studenten eingeschrieben. Anspruch auf die Hilfe haben auch betroffene Studenten der CVJM-Hochschule und der Diploma-Fachhochschule.

Wie kann die Hilfe beantragt werden?

Anträge können online über das Portal überbrückungshilfe-studierende.de gestellt werden. Geprüft und bearbeitet werden die Anträge vor Ort beim jeweiligen Studierendenwerk. Die Zuschüsse müssen jeweils einzeln für die Monate Juni, Juli und August beantragt werden. Pro Monat werden 100 bis 500 Euro gewährt. Die Höhe richtet sich nach der Bedürftigkeit. Dafür müssen die Kontoauszüge der vergangenen Monate vorgelegt werden. Wer 500 Euro oder mehr auf dem Konto hat, bekommt keine Unterstützung.

Wie viele Anträge sind in Kassel schon eingegangen?

Beim Studierendenwerk Kassel waren bis Ende voriger Woche 1290 Anträge für die Monate Juni und Juli eingegangen. 95 000 Euro wurden nach Angaben des Studierendenwerks bereits ausgezahlt, wobei noch nicht alle Anträge bearbeitet sind. Die Bearbeitung sei recht zeitaufwendig, da häufig Unterlagen fehlten oder Nachfragen nötig seien, berichtet Julia Thonfeld, stellvertretende Geschäftsführerin des Studierendenwerks Kassel.

Julia Thonfeld, Studierendenwerk Kassel

Wie groß ist die Chance auf Unterstützung?

Bislang habe man nur wenige Anträge ablehnen müssen, berichtet Thonfeld. In vielen Fällen sei die Höchstsumme von 500 Euro gewährt worden. Das heißt: Die Studenten hatten weniger als 100 Euro auf dem Konto.

Wird das Geld aus dem Hilfetopf reichen?

Die Zahl der Anträge sei bislang nicht so hoch, wie man erwartet habe, sagt Thonfeld: „Ich dachte, wir werden überrannt.“ Sie hoffe, dass das Geld bis Ende August reiche, um möglichst vielen Studenten helfen zu können. Knapp eine Million Euro seien „ein tolles Budget“, so Thonfeld. Allerdings gehe sie davon aus, dass die Notsituation vieler Studenten auch über den August hinaus noch anhalte. Für die Monate danach seien weitere Hilfen nötig.

Gibt es Kritik an den Überbrückungshilfen?

Die Anträge seien sehr kompliziert, sagt Asta-Vorsitzende Sophie Eltzner. Diese Rückmeldung bekomme man von vielen Studenten. Eine nennenswerte Hilfe gebe es erst, wenn man sein Erspartes komplett aufgebraucht habe. Wer aber wirklich „auf Null“ sei, könne die Bearbeitungszeit nicht abwarten, sondern brauche sofort Hilfe, so Eltzner. Statt der punktuellen Nothilfe plädiert der Asta weiterhin dafür, das BAföG zu öffnen und die Studienförderung unabhängig vom Einkommen der Eltern zu gewähren. „Damit wäre Studenten wirklich geholfen“, sagt Eltzner.

Sophie Eltzner, Asta-Vorsitzende

Wie sieht es mit dem Kasseler Notfonds von Studierendenwerk und Asta aus?

Dieser war Anfang Juni aufgrund der vielen Auszahlungen an notleidende Studenten erstmals komplett leer gefegt. Nach einem Spendenaufruf in der HNA ist inzwischen wieder ein beträchtlicher „Notgroschen“ vorhanden: Mehr als 21 000 Euro wurden gespendet. „Für die große Hilfsbereitschaft der Menschen in Kassel sind wir unheimlich dankbar“, sagt Julia Thonfeld vom Studierendenwerk. Rund 40 Spenderinnen und Spender haben sich beteiligt. Direkt nach Erscheinen des HNA-Berichts meldete sich beispielsweise eine Frau, die einen Dauerauftrag für den Notfonds einrichtete, um das, was sie jeden Monat übrig hat, an Studenten in existenzieller Not abzugeben.

Wer bekommt Geld aus dem Kasseler Fonds?

Derzeit nur jene Studierende, die ganz dringend Hilfe brauchen und nicht auf die Überbrückungshilfe des Bundes warten können. Oder Betroffene, die dort nicht antragsberechtigt sind – beispielsweise Teilzeit-Studenten. So habe man eine Studentin mit Kind unterstützt, deren Waschmaschine kaputt gegangen war, berichtet Thonfeld. Auch in der Zeit nach August, wenn die Bundeshilfe ausläuft, kann auf den Kasseler Fonds zurückgegriffen werden. Weitere Spenden sind willkommen (Infos und Kontakt: Tel. 0561/804-25 67, E-Mail: j.thonfeld@studierendenwerk.uni-kassel.de)

Gibt es jetzt zu Semesterende besondere Belastungen für Studenten?

Derzeit läuft die Klausurenphase. Viele Studenten, können sich aufgrund der finanziellen Engpässe aber kaum aufs Lernen und ihr Studium konzentrieren, sondern sind verzweifelt auf der Suche nach Jobs, berichten Mike Böse und Concette Mugavero von der Sozialberatung des Studierendenwerks, bei der nach wie vor viele Hilferufe eingehen. Eine große Hürde stelle für viele Studenten auch der Semesterbeitrag in Höhe von 293 Euro dar, der bis Anfang August an die Uni überwiesen werden muss. Wer nicht bezahlt, dem droht die Exmatrikulation. Der Asta bemüht sich beim Präsidium aktuell darum, dass die Rückmeldefrist bis Ende September verlängert wird.

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