Pandemie

Kassel: Gesundheitsdezernentin nennt Details zur Corona-Lage und Impfbereitschaft in der Stadt

Eine Karte zu dem Corona-Infektionsgeschehen in der Stadt Kassel: Kommen nun mobile Impfteams für die Stadtteile?
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Das Corona-Infektionsgeschehen in der Stadt Kassel: Kommen nun mobile Impfteams für die Stadtteile?

Im Sozialausschuss hat Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote die Entwicklung der Coronazahlen für Kassel präsentiert.

Kassel – Zur Entwicklung der Coronazahlen in Kassel und der Option, mit mobilen Impfteams in die Stadtteile zu gehen, sprachen wir mit Gesundheitsdezernentin Ulrike Gote.

Anfang Mai haben Sie gegenüber unserer Zeitung gesagt, dass es keine mobilen Impfteams in sozialen Brennpunkten geben wird. Bleiben Sie dabei?

Das ist falsch und ich bitte darum, mich richtig wiederzugeben. Ich habe deutlich gesagt, dass es zu diesem Zeitpunkt keinen Anlass für mobile Impfteams in einzelnen Stadtteilen gab. Erstens, weil die Impfpriorisierung noch nicht aufgehoben war und zweitens nicht ausreichend Impfstoff dafür zur Verfügung steht.

Ich habe schon damals in Aussicht gestellt, dass wir mobile Impfteams nutzen wollen, sobald ausreichend Impfstoff da ist. Die Situation wird jetzt Anfang Juni voraussichtlich eine andere sein: Die Impfpriorisierung wird aufgehoben und es gibt Schritt für Schritt mehr Impfstoff.

Die im Sozialausschuss veröffentlichten Zahlen zeigen, dass es in Stadtteilen wie Nord-Holland, Oberzwehren oder Waldau höhere Zahlen gibt als anderswo. Wie interpretieren Sie das?

Diese Erkenntnis ist nicht neu. Ich habe immer wieder deutlich gesagt, dass die soziale Ungerechtigkeit sich durch die Pandemie verschärft. Ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass dort, wo Menschen enger zusammen leben und/oder einer Arbeit nachgehen, die sie zwingt, viele Kontakte zu haben und die kein Homeoffice erlaubt, stärker gefährdet sind. Ich habe mehrfach auf die vergleichsweise hohen Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen hingewiesen.

Mit der nun vorherrschenden Virusmutante geht einher, dass sich bei einer Infektion in einer Familie oder einem Haushalt fast immer alle Mitglieder infizieren. Sie ist viel ansteckender. Deshalb haben wir dort, wo vergleichsweise große Haushalte sind, auch hohe Fallzahlen.

Ich möchte aber ganz klar sagen: Es ist falsch, Stadtteile mit hohen Fallzahlen pauschal mit dem Etikett „sozialer Brennpunkt“ zu versehen.

Warum wurden diese Zahlen nicht früher öffentlich gemacht?

Die Auswertung der Fallzahlen nach Stadtteilen, die ich im Sozialausschuss vorgelegt habe, wurde für diesen Zweck erstellt. Zuvor lag mir keine Anfrage der Stadtverordneten dazu vor.

Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass verschiedene Gruppen in unserer Stadt unterschiedlich stark unter der Pandemie leiden müssen und ein unterschiedliches Risiko für eine Infektion haben.

Gibt es Erhebungen über die Impfbereitschaft in diesen stärker betroffenen Stadtteilen?

Nein. Insgesamt nehmen wir wahr, dass es eine große Impfbereitschaft in der Bevölkerung gibt, und das ist gut so. Bisher lässt sich zum Beispiel aus den erfolgten Impfungen im Impfzentrum überhaupt nicht ablesen, dass die Impfbereitschaft in den Stadtteilen sehr unterschiedlich wäre.

Trotzdem werden wir mit einer gezielten Informations- und Aufklärungskampagne versuchen, auch die Menschen in unserer Stadt und Region zu erreichen, die aus den verschiedensten Gründen vielleicht Vorbehalte gegenüber einer Covid-Impfung haben.

Können Sie erklären, warum in Kassel die Inzidenzzahlen so hoch sind und wir in Hessen das Schlusslicht bilden?

Die Inzidenzen sinken auch bei uns, und mittlerweile sind wir auch nicht mehr Schlusslicht. Genauso wenig wie wir erklären konnten, warum Kassel über viele Wochen hinweg mit die niedrigsten Inzidenzen hatte, können wir jetzt erklären, warum das Bild anders ist.

Eine Grafik der monatlichen Entwicklung der Corona-Fallzahlen: Kommen nun mobile Impfteams für die Stadtteile?

Es gibt dafür keine einfachen, monokausalen Erklärungen. Wir haben auch keine Hotspots in der Stadt, also einzelne Ausbrüche mit extrem hohen Fallzahlen. Die Infektionen passieren im familiären und beruflichen Umfeld, in allen Bevölkerungsgruppen und allen Stadtteilen, wobei eben manche Gruppen aufgrund ihrer sozio-ökonomischen Situation stärker betroffen sind als andere. Das gibt es aber in allen Städten.

Was ist jetzt der nächste Schritt in Sachen Impfen?

Wir werden weiterhin alles tun, dass möglichst viele Menschen sich impfen lassen können und möchten möglichst bald mit Impfungen der Schülerinnen und Schüler beginnen. Beginnen wollen wir in den Berufsschulen. Alles unter dem Vorbehalt, dass ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht. (Christina Hein)

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