Jahr endet mit Booster-Impfung

Verloren im Corona-Impfchaos: Seniorin aus Kassel sollte für Impfung 200 Kilometer weit fahren

Verzweifelte Versuche, Impftermine zu bekommen: Für Margrit und Justus Herbst begann das Jahr mit Impfchaos und aufgeriebenen Nerven.
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Verzweifelte Versuche, Impftermine zu bekommen: Für Margrit und Justus Herbst begann das Jahr mit Impfchaos und aufgeriebenen Nerven.

Neben den großen Schlagzeilen gab es 2021 viele Geschichten über Menschen, die plötzlich im Mittelpunkt standen. Wir schauen, was aus ihnen geworden ist.

Baunatal/Kassel – Rückblickend kann sich Margrit Herbst nur noch darüber amüsieren, wie chaotisch in Sachen Impfen das Jahr 2021 für sie und ihren Mann Justus begonnen hatte. Heute haben beide längst ihre Booster-Impfungen intus und genießen die Feiertage und kalten Winterwochen wie so oft in der Sonne – auf Teneriffa.

Dort spiele sich der Alltag zwar ebenfalls unter Corona-Maßnamen und -regeln wie Maskentragen und Kontaktbeschränkungen ab. Am Strand das warme Wetter genießen, sei aber möglich, erzählt Margrit Herbst am Telefon. Sie und ihr Mann fühlten sich drei Mal geimpft prima und sicher: „Ich kann Impfgegner nicht verstehen.“

Begonnen hatte das Jahr für sie wie für viele Senioren nervenaufreibend: mit Hotlines, bei denen man sich für einen Impftermin anmelden sollte, man aber über Stunden nicht durchkam, und dann brachen auch noch die Internetportale zusammen.

Corona-Impfchaos: Termine konnten nicht vereinbart werden, weil alle Systeme überlastet waren

Margrit Herbst (85) hatte am 11. Januar um 8 Uhr die angegebene Hotline angerufen, um für sich und ihren 89-jährigen Mann Impftermine zu vereinbaren. Sie kam tatsächlich gleich durch. „Ich gratuliere, Sie sind die erste Anruferin“, wurde sie beglückwünscht. Doch Termine konnten nicht vereinbart werden, weil alle Systeme überlastet waren. „Bitte rufen Sie noch mal später an“, hieß es.

„Dann haben wir uns in unserer Ratlosigkeit an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst gewandt“, sagt Margrit Herbst. Aber das war auch eine Sackgasse. Schließlich funktionierte die Online-Anmeldung. Tatsächlich bekam sie nach ein paar Tagen einen Impftermin für das Impfzentrum in Kassel. Auch eine offizielle Codenummer war ihr zugeteilt worden. Als sie später die Uhrzeit erfragen wollte, hieß es: Sorry, an dem Tag wird gar nicht geimpft.

Doch Margrit Herbst gab nicht auf. Schließlich bekam sie für Justus zwei Termine für die erste und auch für die zweite Impfung in Kassel. Dann hatte sie auch für sich Erfolg: zwei Termine an anderen Tagen als ihr Mann und noch unangenehmer: an einem anderen Ort. Nach Darmstadt solle sie sich am 2. Februar und am 13. März begeben. „Ich dachte, das ist doch ein Witz.“ Ihr sei ganz unwohl geworden bei dem Gedanken, nach Darmstadt fahren zu müssen.

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Verloren im Corona-Impfchaos: Seniorin bekam Termin in einer 200 Kilometer entfernten Stadt

Deshalb fragte sie bei der HNA nach. Wir haben die Frage, was es mit den ominösen Impfterminen für eine 85-Jährige in einer 200 Kilometer entfernten Stadt auf sich hat, dem hessischen Innenministerium gestellt. Die Reaktion war Erstaunen. Ein Fall wie der von Frau Herbst sei bisher nicht bekannt gewesen.

Eigentlich erfolge die Einteilung ins nächstgelegene Impfzentrum, sagte ein Sprecher. Theoretisch könne sich Frau Herbst aber kostenfrei mit dem Taxi nach Darmstadt fahren lassen. Er fragte, ob Familie Herbst mal in Darmstadt gemeldet war. Nein, sagt Margrit Herbst. „Ich habe mit Darmstadt noch nie was zu tun gehabt.“

Auf Nachfrage unserer Zeitung im Innenministerium hat Frau Herbst doch noch ihre Impftermine in Kassel bekommen. (Christina Hein)

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