Abstandsregeln nicht immer eingehalten

Corona in Kassel: Die Menschen gehen mittlerweile lockerer mit Corona-Regeln um

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Hinweise auf Corona-Regeln: Diese Markierung ist vor dem Schnellrestaurant „Nordsee“ in der Oberen Königsstraße in Kassel aufgeklebt worden.

In Kassel gehen die Menschen mittlerweile lockerer mit den Corona-Regeln um. Vor allem bei Sonnenschein wurde der Abstand von 1,50 Metern nicht mehr so ernst genommen.

  • In Kassel gehen die Menschen mittlerweile locker mit den Corona-Regeln um 
  • Vor allem bei Sonnenschein schrumpft der Abstand
  • Auf dem Königsplatz hat eine Demo gegen die Corona-Vorschriften stattgefunden

Kassel - „Es ist eine Mischung zwischen der Sendung mit der Maus, Peter Lustig, Blockwart und Tetris“, beschreibt Dirk van der Werf, Chef von „Joe’s Garage“, seine aktuellen Aufgaben. Seitdem die Kneipe an der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel wieder geöffnet hat, sind van der Werf und seine Kollegen darauf bedacht, dass die Gäste die Corona-Abstandsregeln einhalten.

Bislang habe das alles gut geklappt, sagt der Gastronom aus Kassel. Er habe allerdings das Gefühl, dass die Leute sich nicht mehr lange an die Corona-Einschränkungen halten werden. Einige würden glauben, dass mittlerweile alles wieder erlaubt ist. Einige Parteien im Kassler Stadtparlament fordern, dass die Gastronomie in Corona-Zeiten unterstützt werden sollte.

Corona in Kassel: Menschen gehen lockerer mit Regeln um

Das liege aber wohl auch daran, dass kaum noch einer genau wisse, was für Regeln jetzt in Hessen gelten. Die unterschiedlichen Lockerungen der Corona-Regeln in den Bundesländern würden sicherlich dazu beitragen.

„Die Leute sind lockerer geworden. Das Wort Corona macht nicht mehr so viel Angst“, sagt Ralf Kofer, Chef der Bäckerei-Filialen Kamps am Königsplatz und im Dez in Kassel. Die meisten Menschen, die in der Innenstadt in die Bäckerei kommen, hielten sich noch an die Maskenpflicht, die im Nahverkehr und beim Einkauf gilt. Jene, die keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, würden in der Regel ein Attest vorlegen.

Kofer hat die Erfahrung gemacht, dass sich ältere Menschen weniger um die Corona-Regeln scheren. Ein Senior sei am Samstagmorgen mit einer Melitta-Filtertüte, die er zu einer Maske umgestaltet habe, in den Laden am Königsplatz in Kassel gekommen. Und im Dez in Kassel, wo in der gesamten Ladenstraße Maskenpflicht herrscht, liefen oft ältere Kunden ohne Corona-Schutz durch die Gegend.

Im Dez in Kassel "oft ältere Kunden ohne Corona-Schutz"

Seine Angestellten müssen den ganzen Tag eine Maske zum Schutz vor dem Coronavirus tragen. „Das ist definitiv heftig“, sagt Kofer. Er ist aber überzeugt, dass „diese Schutzmaßnahme uns noch das ganze Jahr begleitet“.

Einen Mundschutz tragen zu müssen, findet auch der zehnjährige Bangally Barage nicht so angenehm. Am Samstagmittag, als er mit seinen zwei Brüdern, seiner Schwester und seinem Vater den Spielplatz hinter dem „Platz der elf Frauen“ an der Friedrich-Ebert-Straße besucht, hat Bangally keine Maske im Gesicht.

Auf dem großflächigen Spielplatz halten sich einige Familien und Gruppen auf, alle halten aber Abstand zum Schutz vor Corona voneinander.

Corona in Kassel: Abstand schrumpft bei Sonnenschein 

Auch Florian Göttermann, der auf dem Königsplatz in Kassel Zuckerwatte und Popcorn verkauft, findet, dass sich die Kunden noch an die Corona-Regeln halten. „Manche trauen sich trotz Plexiglas und Mundschutz gar nicht an unseren Wagen ran.“

Die Kunden halten sich an die Corona-Regeln: Diese Erfahrung hat Florian Göttermann auf dem Königsplatz in Kassel gemacht.

Bei Michele Luciano, der am 28. Mai eine Außenstelle des Restaurants „Avanti“ am Friedrichsplatz in Kassel eröffnet hat, sind draußen alle Tische besetzt. „Die Leute wollen raus bei schönem Wetter. Sie sind aber dennoch vorsichtig“, sagt der Gastronom.

Mit der Abstandsregel von 1,50 Meter haben es allerdings am Samstag in der Innenstadt in Kassel nicht mehr alle Menschen so ernst genommen. Viele kamen sich deutlich näher beim Einkaufsbummel.

Demo gegen Corona-Vorschriften auf dem Königsplatz in Kassel

Um gegen die Corona-Vorschriften zu demonstrieren, versammelten sich am Samstagnachmittag auf der südlichen Seite des Königsplatzes in Kassel wieder 130 Frauen und Männer der Gruppierung „Nicht ohne uns“. Einige trugen T-Shirts mit der Aufschrift „Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht“.

Dirk van der Werf mit Corona-Ordner: Hier sind alle Gäste von Joe’s Garage in Kassel dokumentiert.

Auf der nördlichen Seite des Platzes in der Kassler Innenstadt gab es eine Gegendemo mit 15 Teilnehmern. „Wir protestieren gegen die Hygienedemo und die Verschwörungstheorien, die dort verbreitet werden“, sagte ein junger Mann. Mit dem Protest wolle man deutlich machen, dass es sich bei den Demonstranten auf der anderen Seite um „keine ungefährlichen Spinner“ handele. Denen gehe es nicht um die Regeln zu Corona, sondern um die Verbreitung von Verschwörungstheorien.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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