„Kasseler Sommerspaß“ auf der Schwanenwiese

Corona und Kirmes - Kann das funktionieren? So läuft es in Kassel

Familie beim Kassel Sommerspaß. Peter Gergs (von links), Jonas Bosse und Manuela Tindel
+
Mit Maske auf dem Rummel: Peter Gergs (links) ist mit seinem Enkel Jonas und seiner Freundin Manuela Tindel auf der Schwanenwiese unterwegs.

Ein Rummel zu Corona-Zeiten – kann das funktionieren? Zumindest beim „Kasseler Sommerspaß“ gab es am ersten Wochenende keine Probleme. Wir haben uns auf der Schwanenwiese umgehört.

Natürlich könnte der Andrang größer sein. Aber in Zeiten wie diesen funktioniert ein großer Rummel nur unter speziellen Hygieneauflagen. „Trotzdem bin ich sehr zufrieden“, sagt Dennis Ruppert, der erste Kassierer des Schaustellerverbandes Kassel-Göttingen, der den „Kasseler Sommerspaß“ auf der Schwanenwiese organisiert.

Kirmes auf Schwanenwiese in Kassel

Das erste Wochenende lief reibungslos. Der Einlass gehe zügig vonstatten, „und die Leute halten sich an die Regeln“, sagt Ruppert. Am Samstag kamen insgesamt 5697 Menschen zur Kirmes auf dem Messegelände Schwanenwiese in Kassel, in der Spitze waren gleichzeitig 1720 Besucher vor Ort. Nur zum Vergleich: Vor zwei Jahren strömten innerhalb einer Stunde allein 3000 auf den Rummelplatz.

Heute muss ein Kontaktformular ausgefüllt werden, es gibt überall Spender mit Desinfektionsmitteln, und die Gäste dürfen sich nur in eine Richtung bewegen. Peter Gergs, der mit seinem Enkel Jonas staunend das Treiben im Fahrgeschäft „Take off“ verfolgt, sagt: „Ich fühle mich sicher. Das Konzept ist sehr gut.“ Dazu gehört auch, dass Mitarbeiter der Sicherheitsfirma Protex zwischendurch ins Riesenrad steigen, um sich aus der Vogelperspektive einen Überblick zu verschaffen. Erkenntnis: Es ist ausreichend Platz vorhanden, um Abstände einzuhalten.

Sowohl Besucher als auch Betreiber sind froh, dass überhaupt etwas stattfindet. Andreas Kubitzek zum Beispiel hat erst überlegt, ob er mit seiner Familie hingehen solle. „Aber wir wollen die Schausteller unterstützen.“ Und eine leckere Kirmes-Bratwurst wolle er sich auch nicht entgehen lassen. Für den Organisator Ruppert geht es darum, „den Leuten Vergnügen zu bereiten. Wir möchten beweisen: Wir können das!“ Als er zum Start die ersten lachenden Kinder gesehen hat, sei ihm das Herz aufgegangen.

Viele Attraktionen bei Rummel in Kassel

Neben Verpflegungsbuden gibt es 16 große Attraktionen. Für die Betreiber der Fahrgeschäfte stellt der Sommerspaß nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“ dar, wie es Philip Nülken ausdrückt. Dessen „Sky Dance“ ragt 55 Meter in die Luft und ist der Hingucker schlechthin. Alle Schausteller lebten in diesem Jahr von Reserven oder schon von Hartz IV, erklärt Nülken. Kassel sei erst die zweite Station – ohne Corona hätte der „Sky Dance“ bereits auf 15 Jahrmärkten gestanden. Selbst bei einem kompletten Ausfall müsse Nülken für sein Karussell laufende Kosten von 250 000 Euro im Jahr stemmen. „Erst mal sind wir glücklich, dass wir rauskommen. Sonst wirst du noch depressiv.“

Von einer Depression ist Hermann Kaiser weit entfernt. Obwohl er seine „Western Bonanza Reitbahn“ zum ersten Mal in diesem Jahr öffnet. Was die Kritik an der Haltung seiner Pferde betrifft, da stünde er drüber: „Die Leute wissen doch gar nicht, was Sache ist“, sagt Kaiser. Während vier Tiere gleichzeitig im Einsatz sind, würden sieben weitere auf einer Wiese mit ausreichend Platz grasen. Im Laufe des Tages werde durchgewechselt.

Für die vierjährige Adriana Nold spielt diese Diskussion ohnehin keine Rolle. „Sie liebt Pferde“, sagt die Mama. Für die Kinder gehöre das Ponyreiten zu den Highlights. Adriana strahlt beim Ritt durch die Bonanzabahn. Vor allem den kleinen Besuchern macht der Rummel mit Regeln richtig Spaß. (Robin Lipke)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.