Einschränkungen in Kliniken

Väterstopp im Kreißsaal? Viele Schwangere in Sorge

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Geburt ohne Partner in Kassel? Sofie Riechwald und Benjamin Assarf hoffen, dass sie die Geburt ihres zweiten Kindes gemeinsam erleben können. Sohn Kalle freut sich auf sein Geschwisterchen. 

Viele Schwangere sind in Sorge, dass wegen des Coronavirus der Partner nicht bei der Geburt dabei sein kann. Auch in den Kliniken in Kassel gibt es Einschränkungen.

  • Schwangere in Kassel sorgen sich, ob die Väter wegen der Corona-Pandemie nicht mit in den Kreißsaal dürfen
  • In einigen Krankenhäusern gibt es bereits Besuchsverbote
  • Eine Frau aus Kassel will bei der Geburt nicht auf ihren Partner verzichten

Kassel – Viele schwangere Frauen in Kassel treibt eine große Sorge um: Sie befürchten, dass die Väter wegen der Corona-Pandemie nicht mit in den Kreißsaal dürfen. 

Im Zuge der Besuchsverbote haben einige Krankenhäuser auch die Begleitung in den Kreißsaal verboten. So heißt es etwa in der Geburtshilfe im Hospital in Fritzlar: Väter müssen draußen bleiben.

Kassel: Schwangere in Sorge - Gerüchte um Väterverboten im Kreißsaal wegen Corona

Sofie Riechwald und Benjamin Assarf aus Kassel, die Mitte Mai ihr zweites Kind erwarten, hatten gerüchteweise davon gehört. Der 33-Jährigen hat das einige schlaflose Nächte beschert. So sehr belastete sie die Vorstellung, bei der Geburt auf die Unterstützung ihres Partners verzichten zu müssen. „Auch ich fände es total schlimm, wenn ich nicht dabei sein könnte“, sagt Benjamin Assarf.

Das Paar will wie beim ersten Kind im Diakonissenkrankenhaus mit einer Beleghebamme entbinden. Auf der Webseite der Klinik finden sich über den generellen Besucherstopp hinaus keine Informationen zum Thema. Er könne zwar bei der Geburt an sich nicht helfen, sagt der 35-Jährige. „Aber wenn man seiner Frau die Ängste nehmen kann und dafür sorgt, dass sie möglichst entspannt in die Geburt geht, ist das doch auch viel wert.“

Kassel: Geburt ohne den Vater? Ausschluss unverständlich

Ohnehin falle es schwer, die Logik hinter dem Ausschluss von Vätern zu verstehen, sagt das Paar, das bereits einen zweieinhalbjährigen Sohn hat. Der Vater lebe ja in der Regel im selben Haushalt wie die Mutter. „Wenn der Mann das Virus hätte, hätte die Frau es höchstwahrscheinlich auch, da verstehe ich nicht, inwiefern das Risiko minimiert wird“, sagt der 35-Jährige.

Wir haben nachgefragt, wie die beiden Geburtshilfe-Stationen in Kassel das Thema handhaben.

Diakonie-Kliniken

In den Agaplesion Diakonie-Kliniken dürfe der Vater oder eine andere Vertrauensperson die Schwangere zur Geburt in den Kreißsaal begleiten, teilte eine Sprecherin mit. Das gelte auch für Kaiserschnitte. Die Begleitperson sei „normalerweise auch eine Person des eigenen Hausstandes“, was den von der Bundesregierung verschärften Vorsichtsmaßnahmen entspreche, die seit vergangenem Sonntag gelten.

Nach der Geburt seien auf der Station aber keine weiteren Besuche mehr erlaubt, „da dies eine gewisse Regelmäßigkeit annimmt und dort zu viele Personen zusammenkommen“, so die Kliniksprecherin. Diese Regelungen gälten allerdings unter Vorbehalt und müssten je nach aktuellen Entwicklungen und offiziellen Anordnungen angepasst werden.

Klinikum Kassel

Im Klinikum Kassel darf "zum Schutz der werdenden Mutter und des Kindes" nur eine Begleitperson mit in den Kreißsaal, sagte eine Sprecherin auf Anfrage der HNA. Ab sofort würden die Schwangeren und ihre Partner oder Begleitpersonen vorab auf das Coronavirus getestet. Die Begleitperson müsse gesund sein und dürfe zwischendurch nicht gewechselt werden. Im Kreißsaal müsse der Partner einen Mundschutz tragen. 

Sobald Mutter und Kind auf die Station verlegt werden, greife wieder das Besuchsverbot.

„Wir sind uns bewusst, dass diese Vorsichtsmaßnahmen eine enorme Veränderung zur sonst üblichen Begleit- und Besuchsregelung in der Geburtshilfe des Klinikum Kassel darstellen“, sagte die Sprecherin. Aktuell könne man aber nur so den Schutz der Neugeborenen und ihrer Mütter sowie des Fachpersonals im Kreißsaal, das diesen wichtigen Versorgungsbereich in Betrieb hält, gewährleisten.

Sofie Riechwald und Benjamin Assarf sind unterdessen erleichtert. Sie hoffen, dass die Geburt ihres zweiten Kindes trotz Corona unter ähnlichen Bedingungen stattfinden kann wie die ihres Sohns Kalle.

Da die beiden eine ambulante Geburt planen – also schon kurz nach der Entbindung wieder nach Hause gehen wollen – wird auch der große Bruder nicht tagelang warten müssen, bis er seine Mutter und sein Geschwisterchen sieht.

Von Katja Rudolph

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