Auch Kreis ist Risikogebiet – Keine Sperrstunde

Corona in der Region Kassel: So viele Neuinfizierte wie nie zuvor

Maskenpflicht, Maske, Corona, Symbolbild
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Stadt und Kreis empfehlen nun dringend einen Mundschutz.

Nach der Stadt ist nun auch der Kreis Kassel Corona-Risikogebiet. Dort stieg die Sieben-Tage-Inzidenz von Mittwoch auf Donnerstag von 36,8 auf 61,3.

Laut Vizelandrat Andreas Siebert werden die Corona-Regeln, die ab heute zwei Wochen gelten, aber vorerst nicht verschärft.

Dagegen fiel die Sieben-Tage-Inzidenz in Kassel von 108 auf 70,4, also unter die höchste Warnstufe. Die Zahl ging so deutlich zurück, da die Infiziertenzahlen aus der Flüchtlingseinrichtung in Niederzwehren nach einer Woche aus der Statistik gefallen sind.

Von Entwarnung kann trotzdem keine Rede sein. In der Stadt kamen gestern 54 Neuinfizierte hinzu, im Kreis 61. Mit 436 aktuell Infizierten registrierte das Gesundheitsamt eine Rekordzahl – was allerdings auch an der erhöhten Zahl der Tests liegen dürfte. 25 Infizierte befinden sich im Krankenhaus, 8 davon auf Intensivstation.

Unklar ist weiterhin, ob es in Kassel eine Sperrstunde und weitere verschärfte Maßnahmen geben wird, die die hessische Landesregierung am Montag für Risikogebiete angekündigt hatte. Von der Stadt gab es dazu gestern keine Antwort. Es hieß lediglich, dass aus Wiesbaden noch kein Erlass vorliege.

Dieses Vorgehen stößt bei Kritikern auf Unverständnis. Verwundert ist etwa der Göttinger Staatsrechtler Prof. Dr. Alexander Thiele. Der HNA sagte er, dass die Stadt längst hätte handeln können: „Das Land hat klar vorgegeben, dass die Kommunen befugt und gegebenenfalls verpflichtet sind, weitergehende Maßnahmen zu erlassen.“

Thieles Ansicht nach will die Stadt nicht die Verantwortung übernehmen. Dafür hat der Jurist indes Verständnis: „Politisch brisante Entscheidungen können erhebliche finanzielle Folgen für die Stadt haben, wenn sie etwa von Wirten wegen einer unrechtmäßig verhängten Sperrstunde verklagt wird.“ Sie stehe „zwischen allen Stühlen und muss zwischen dem Schutz von Leben und möglichen finanziellen Folgen abwägen“.

Das hessische Sozialministerium weist darauf hin, dass das Konzept der Landesregierung verbindlich sei. „Wir gehen davon aus, dass die Stadt Kassel, soweit noch nicht geschehen, diese Maßnahme kurzfristig umsetzt“, sagte eine Sprecherin der HNA. Damit ist auch eine Sperrstunde gemeint.

Stadt und Kreis Kassel sind Corona-Risikogebiete: Welche Regeln gelten ab sofort im Landkreis?

Bis Donnerstag, 5. November, hat der Landkreis per Allgemeinverfügung die Teilnehmer für öffentliche Veranstaltungen auf 150 begrenzt. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wird ausgeweitet. An Feiern dürfen nicht mehr als 25 Personen oder zwei Haushalte teilnehmen. Bei Feiern in privaten Räumen wird eine Teilnehmerzahl von 15 Personen oder zwei Haushalte empfohlen. Wenn der Abstand von mindestens 1,5 Metern im öffentlichen Raum – beispielsweise an Haltestellen des Nahverkehrs nicht eingehalten werden kann, wird das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung auch außerhalb geschlossener Räume empfohlen.

Stadt und Kreis Kassel sind Corona-Risikogebiete: Welche neuen Regeln gelten nun in der Stadt?

Keine. Etwa eine Sperrstunde ab 22 Uhr, wie sie im Präventions- und Eskalationskonzept der hessischen Landesregierung für Risikogebiete vorgesehen ist, gibt es auch weiterhin nicht. Dafür sprach das Rathaus die dringende Empfehlung aus, überall einen Mundschutz zu tragen, wo der Abstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann – dies gilt insbesondere in der Innenstadt, auf Wochenmärkten, an Haltestellen und auch in Schulen. Ansonsten gibt es nur die bekannten Einschränkungen: Die erlaubte Teilnehmerzahl bei Zusammenkünften, Veranstaltungen und Kulturangeboten liegt bei 100 Personen, mehr als diese bedürfen einer Genehmigung. Für private Feiern gilt eine Beschränkung auf zehn Personen. Das wird auch für private Wohnräume dringend empfohlen.

Von Matthias Lohr und Alia Shuhaiber

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