Haushalt mit Überschuss

Trotz Corona: Kassel im Plus - „Um zwei dürre Jahre zu überstehen“

Haushalt der Stadt Kassel
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Trotz Corona verzeichnet die Stadt Kassel im Haushaltsplan ein deutliches Plus.

Obwohl auch Kassel die Folgen der Corona-Pandemie spürt, verzeichnet der Haushaltsplan für das Jahr 2021 ein erhebliches Plus.

Kassel – Trotz der Belastungen durch Corona plant die Stadt Kassel auch im kommenden Jahr mit einem wirtschaftlichen Plus. Der Haushaltsplan, den Oberbürgermeister und Kämmerer Christian Geselle (SPD) gestern im Magistrat einbrachte, sieht einen Überschuss von rund 1,5 Millionen Euro vor. Einnahmen von 824,2 Millionen Euro stehen Ausgaben von 822,7 Millionen Euro gegenüber. Damit, so sagte es der Rathaus-Chef bei der Vorstellung, „haben wir genug Speck auf den Rippen, um zwei dürre Jahre zu überstehen“.

Es ist bereits das neunte Jahr infolge, in dem die Stadt mit einem Haushaltsüberschuss rechnen kann. „Eine finanziell derart erfolgreiche Dekade hat es in der Nachkriegsgeschichte Kassels noch nicht gegeben“, sagte Geselle, der im Nachtragshaushalt 2020 gerade erst ein Plus von 14 Millionen Euro verbuchen konnte. Nun zahle sich aus, dass „wir vorsichtige Kaufleute sind“. In den letzten zehn Jahren baute die Stadt rund 390 Millionen Euro Schulden ab und bildete Rücklagen in Höhe von etwa 185 Millionen Euro.

Kassel: Trotz Plus - Stadt spürt Folgen der Pandemie

Die solide Haushaltspolitik habe das 18 Millionen Euro umfassende Programm „Kopf hoch, Kassel!“ zur Wiederankurbelung möglich gemacht, das auch 2021 fortgeführt werden soll. Dennoch spürt auch die Stadt die Folgen der Pandemie. Wurden im aktuellen Nachtragshaushalt noch 130 Millionen Euro durch die Gewerbesteuer verbucht, wird für 2021 nur noch zurückhaltend mit 122 Millionen Euro kalkuliert. Die Einkommenssteuer wird durch mehr Kurzarbeit lediglich noch geschätzt 95 Millionen Euro einbringen.

Bestätigt sieht sich Geselle auch durch das Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos, das in seiner Branchenprognose „Deutschland nach Corona“ Kassel als Beispiel für ökonomisch leistungsfähige Städte aufführt, die trotz Corona auch langfristig wachsen können. Demnach können Hochschulstandort wie Kassel „mit hoher Lebensqualität und guten Rahmenbedingungen für Bildung, Forschung Kreativwirtschaft und wissensbasierten Branchen die Krise gut meistern“. Laut Geselle müssen jedoch „zwei schwerere Jahre“ überstanden werden.

Kassel: Geburten höher als Zahl der Toten

Wie attraktiv Kassel sei, zeige auch die Zahl der Geburten, die 2019 erstmals seit Langem höher war als die Zahl der Toten. Auch deshalb werden im kommenden Jahr 600 neue Plätze in Kindergärten und Horten geschaffen. Kindertagesstätten werden mit 400.000 Euro gefördert.

Große Posten im Haushalt sind etwa:

  • 6,3 Millionen Euro für den Stadtumbau Bettenhausen/Unterneustadt
  • 1,94 Millionen Euro für die Neugestaltung des Brüder-Grimm-Platzes
  • 2 Millionen Euro für die weitere Erneuerung der Königinhofstraße
  • 3 Millionen Euro für Radwege und -routen.

In der Stadtverordnetenversammlung muss der Haushalt spätestens im Februar eingebracht werden. Dort hatte es zuletzt Kritik am Zeitplan des Oberbürgermeisters gegeben. Man habe nicht genügend Zeit, ausgiebig über den Haushalt zu diskutieren, hieß es. Geselle indes verweist darauf, dass Kassel im Vergleich zu anderen Städten noch relativ früh sei. Er ist so überzeugt von den Zahlen, dass er scherzt: „Eigentlich könnten die Stadtverordneten sofort zustimmen.“ (Matthias Lohr)

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