Angst vor Virus

Coronavirus: Erste Auswirkungen der Epidemie in Kassel spürbar: „Wir haben keine Masken mehr“

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So muss die Maske getragen werden: Bahar Bonyadi von der Landgraf-Karl-Apotheke muss täglich Dutzende Kunden vertrösten, die noch eine Schutzmaske haben möchten. Aktuell sind die Masken ausverkauft. Für die auf unserem Foto gab es gleich zwei Anfragen von Kunden.

Das Coronavirus breitet sich nun auch in Deutschland immer weiter aus. Die Menschen sorgen sich. Das ist auch in Kassel spürbar. Ein Blick auf die Stadt.

  • Immer mehr Coronavirus-Infizierte in Deutschland
  • Auch in Kassel ist die Angst vor dem Virus spürbar
  • Masken und Desinfektionsmittel werden knapp, leere Regale in Supermärkten

Kassel – In den Kasseler Apotheken ist die Panik greifbar: Wegen der Corona-Epidemie sind Schutzmasken der höchsten Schutzklasse (FFP3) ausverkauft. Hunderte Kunden haben sich auf Wartelisten setzen lassen. Auch die Belieferung mit Desinfektionsmitteln hat ihre Grenzen erreicht. Durch die hohe Nachfrage haben sich die Preise vervielfacht.

So herrschte gestern etwa in der Landgraf-Karl-Apotheke am Bahnhof Wilhelmshöhe Hochbetrieb. Fast jeder zweite Kunde fragte nach Schutzmasken oder Desinfektionsmitteln. Vor allem ältere Menschen sind durch Corona verunsichert. „Die Nachfrage ist extrem. Wir könnten jeden Tag mehr als 100 verkaufen. Wir haben aber keine Masken mehr. Erst am Dienstag sollen neue kommen“, sagt Inhaberin Angela Müller-Rebstein. 

Kassel: Angst vor Coronavirus - Masken und Desinfektionsmittel werden knapp

Teilweise haben Kunden gleich 20 Masken gekauft. Eine Maske kann nur acht Stunden getragen werden, bevor sie ausgetauscht werden muss. „Auch Desinfektionsmittel werden knapp“, sagt Müller-Rebstein.

Ähnlich ist die Lage in der Post-Apotheke an der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel. Auch hier gibt es keine Masken mehr, mit denen sich die Menschen vor dem Coronavirus schützen wollen. Erst Mitte März erwartet Apotheker Stephan Parzefall Nachschub. Die Preise für Masken der höchsten Schutzklasse schwanken in den Apotheken zwischen 4 und 18 Euro. „Ich kann im Moment nur welche für 18 Euro anbieten“, sagt Parzefall.

Panik vor Coronavirus auch in Kassel:  "Es ist kein Ebola“

Der Apotheker aus Kassel sieht viel Panik im Spiel: „Ich will Corona nicht herunterspielen. Aber es ist vergleichbar mit einem grippalen Infekt. Es ist kein Ebola“, sagt er. Sicherlich sollten sich aber vor allem immungeschwächte Personen schützen. „Es hilft schon viel, die Hände gründlich mit Seife zu waschen und sich nicht ins Gesicht zu fassen“, sagt Parzefall.

Kassel: Anfragen wegen Coronavirus bei Hausärzten

Wer in diesen Tagen bei seinem Hausarzt in Kassel anruft, braucht Geduld. Bei den meisten Medizinern steht das Telefon nicht still. Das ist auch in der Gemeinschaftspraxis von Rainer Suchantke und Dr. Jürgen Mogck am Kirchweg in Wehlheiden so. Laut Suchantke liegt das aber nicht am Coronavirus, sondern daran, dass gerade Saison ist für Atemwegserkrankungen und Grippe: „Wir haben noch keinen Ausnahmezustand.“ Er selbst handelt wie immer: Seine Patienten begrüßt er per Handschlag, aber bevor der nächste kommt, werden die Hände desinfiziert.

Hausarzt Rainer Suchantke

Dr. Uwe Popert hat festgestellt: „Die meisten nehmen es mit Humor.“ Popert hat seine Praxis im Kasseler Vorderen Westen, der Betrieb läuft normal. Vielleicht gibt es ein, zwei Anfragen am Tag zu Corona – mehr nicht. Popert rechnet aber damit, dass die Nachfrage steigt, sobald die Weltgesundheitsorganisation WHO das Virus als Pandemie einstuft.

Kassel: Infokarten über Coronavirus bei Ärzten - Leere Regale in Supermärkten

Die Gemeinschaftspraxis von Dr. Christine Frankman in Fuldabrück (Landkreis Kassel) hat einige Abstrichröhrchen zum Testen des Coronavirus in der Praxis. Diese kommen aber nur zum Einsatz, wenn ein konkreter Verdacht bestehe – in Absprache mit dem Gesundheitsamt. Über Infokarten werden Patienten im Wartezimmer aufgeklärt. Frankman hofft, auf diese Weise Vorurteilen entgegenwirken zu können.

Im Aldi in Wehlheiden und einigen anderen Discountern sind Konserven fast ausverkauft. Die Menschen machen sich offenbar Sorgen um die Nahrungsversorgung. In vielen anderen Supermärkten sind die Bestände dagegen gut gefüllt. „Ich beobachte keine höhere Nachfrage nach Konserven, wohl aber nach Desinfektionsmitteln“, sagt Frank Grau, Inhaber des Tegut-Marktes auf der Friedrich-Ebert-Straße. Ähnlich ist die Lage im Edeka-Markt Todenhöfer in Wilhelmshöhe.

Björn Berszinski, der Rewe-Märkte in der Wittrockstraße, der Friedrich-Ebert-Straße und in Fuldatal betreibt, hat seine Mitarbeiter angewiesen, den Kunden keine Hände mehr zu geben und Abstand zu halten: „Prävention ist besser als Nachsorge.“ Darum lässt er in seinem Markt in Wehlheiden bald kostenlose Desinfektionsspender für Kunden aufstellen.

Kassel: Angst vor Coronavirus - Masken auch in Baumärkten ausverkauft

Selbst in vielen Baumärkten sind Schutzmasken ausverkauft. Normalerweise dienen sie dazu, Staub oder unangenehme Dämpfe abzuhalten. Nun verlangen die Kunden sie, weil sie sich gegen Corona wappnen wollen. 

„Wir haben schon längst keine mehr“, sagt Manuela Kaczmarek vom Obi-Baumarkt in Kassel. In den vergangenen Tagen sei die Nachfrage noch einmal gestiegen. Ein Kollege des Kasseler Toom-Baumarktes bestätigt die große Nachfrage. Bei der Nachbestellung gebe es Probleme, weil deutschlandweit kaum mehr Staubschutzmasken vorrätig seien.

Kassel: Altenheime sind auf Coronavirus vorbereitet

Im Awo-Altenheim in Baunatal bei Kassel wurden Pflege- und Reinigungskräfte vorsorglich zu Pandemien geschult, erklärt Heimleiter Stephan Eigenbrodt. Außerdem verwende das Heim grundsätzlich in der kalten Jahreszeit andere Desinfektionsmittel, auch wegen der Grippe und des Norovirus. Mindestens zweimal am Tag würden Türklinken und Aufzugsknöpfe desinfiziert.

Würde tatsächlich eine Coronavirus-Pandemie ausgerufen, müsste der Publikumsverkehr im Heim eingeschränkt und die Belegung umorganisiert werden. Sogar eine Kinderbetreuung ist angedacht, damit das Personal arbeitsfähig bleibe.

Reisebüros in Kassel: Geringere Nachfrage wegen Coronavirus?

Während das Coronavirus dafür verantwortlich ist, dass mehr Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel verkauft werden, könnte es beim Tourismus für ein Minus sorgen.

Dass es bereits seit drei Monaten eine geringere Nachfrage gibt, könnte laut Klaus Spohr vom Reisebüro Wimke am Ständeplatz in Kassel mit einer „gewissen CO2-Zurückhaltung oder auch mit den Corona-Nachrichten aus Asien zusammenhängen“. Vermutlich verzichten einige Urlauber wegen des Klimawandels auf Flugreisen.

Das Coronavirus ist für Spohr kein Grund, den Urlaub ausfallen zu lassen: „Mit ein paar Vorsichtsmaßnahmen kann man seine Reise antreten. Stornierungen sind derzeit nur zu den normalen Bedingungen möglich. Kostenlos stornieren kann man seine Reise laut Spohr erst, wenn es eine entsprechende Reisewarnung des Auswärtigen Amts gibt.

Video: Deutsche Behörden dehnen Coronavirus-Vorkehrungen weiter aus

VON BASTIAN LUDWIG, FLORIAN HAGEMANN, MATTHIAS LOHR UND VALERIE SCHAUB

In Kassel leiden Inhaber von China-Restaurants seit Ausbruch des Coronavirus unter sinkenden Gästezahlen. Eine Sache ärgert einen Gastronom besonders. Die Sorge, wegen des Coronavirus unter Quarantäne zu stehen und nicht mehr das Haus verlassen zu dürfen, hat bei vielen für Aktionismus gesorgt. Die Folge: Hamsterkäufe wegen Coronavirus-Angst in ganz Kassel.

Für große Beunruhigung sorgte ein Polizeieinsatz in Waldeck-Frankenberg. Im Internet kursierten, nach dem Einsatz der Polizei uind Feuerwehr, Gerüchte über einen Coronavirus-Fall in Waldeck-Frankenberg.

Nun erreicht der Coronavirus auch WhatsApp. Gleich mehrere Fake News werden über den Messenger derzeit verbreitet. 

Auch im Schwalm-Eder-Kreis kommt es derzeit zu vermehrten Hamsterkäufen wegen der Angst vor einer Corona-Epidemie.

Auch die Frühjahrsausstellung in der Messe Kassel spürt die Auswirkungen des Coronavirus: So wenige Besucher wie noch nie besuchten die Ausstellung in den Messehallen. Ebenfalls bereiten sich die Unternehmen aus der Region um Kassel auf das Coronavirus vor.

Die allgemeine Coronavirus-Hysterie greift um sich. Jetzt ist ein skurriles Facebook-Video aus Kassel aufgetaucht. 

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