VW-Krisenstab: „Wir nehmen Corona ernst“

Corona stoppt Dienstreisen: So reagieren Firmen in der Region auf Virusepidemie

+
Hier arbeiten 17 000 Menschen: Im VW-Werk Kassel in Baunatal treffen regelmäßig viele Mitarbeiter aufeinander. Das Bild entstand bei einer Betriebsversammlung 2019 in der Halle 2 des Werks. 

Das neuartige Coronavirus hat auch Auswirkungen auf Unternehmen in der Region. Maßnahmen werden ergriffen, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten.

  • Firmen aus der Region um Kassel bereiten sich auf Coronavirus vor
  • Reisen werden eingeschränkt und Meetings reduziert
  • Bislang keine Coronavirus-Fälle bei Unternehmen in der Region

Kassel/Baunatal -  Von der Ausbreitung des Coronavirus sind auch immer mehr Firmen in Deutschland betroffen. Bei BMW in München hat sich jüngst ein Mitarbeiter mit dem Virus infiziert. 150 Kollegen des Mannes arbeiten deshalb jetzt von Zuhause. Wie aber bereiten sich Firmen in der Region auf einen solchen Fall vor?

Im VW-Werk Kassel in Baunatal, mit 17.000 Beschäftigten größter Arbeitgeber im Raum Kassel, wurde ein Krisenstab eingerichtet, so Betriebsratsvorsitzender Carsten Bätzold. Das Gremium aus Werkleitung, Betriebsrat und Gesundheitswesen tage regelmäßig. Außerdem habe man für Anfragen der Mitarbeiter eine Hotline geschaltet, ergänzt Werksprecher Heiko Hillwig. 

Coronavirus: Unternehmen in Kassel sagen Pressekonferenz abgesagt

Das Gesundheitswesen im Werk teste Mitarbeiter nicht auf eine mögliche Corona-Infektion. Die Mitarbeiter seien angehalten, notfalls selbst zum Hausarzt zu gehen. Bätzold betont: „Wir haben bisher keine Corona-Fälle und auch keinen Quarantäne-Fall.“ 

Mit Blick auf die Ausbreitung des Coronavirus sagte VW gestern die für 17./18. März geplanten Jahrespressekonferenzen in Wolfsburg als öffentliche Veranstaltungen ab. Diese werden nur noch im Internet übertragen. 

Coronavirus: Unternehmen in Kassel sagen Reisen ab

Auch im Mercedes-Benz Werk Kassel, dem mit knapp 3000 Mitarbeitern größten industriellen Arbeitgeber in der Stadt, gibt es keinen Corona-Fall. „Wir beobachten die Entwicklungen genau und passen unsere Maßnahmen gemäß behördlicher Vorgaben entsprechend an“, erklärt ein Sprecher. Zu diesen Maßnahmen gehöre es unter anderem, dass nicht notwendige Geschäftsreisen in Risikogebiete verschoben würden. 

„Wir haben keine Kenntnisse, dass ein Mitarbeiter infiziert ist und auch aufs Geschäft gibt es bislang keine Auswirkungen“, sagt K+S-Pressesprecher Michael Wudonig mit Blick auf den Standort Kassel, an dem 1200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Um das Risiko einer Ansteckung zu mindern, gelten auch bei K+S Reiseverbote – etwa nach China. „Wir haben zwar weder in China noch in Italien Standorte, liefern aber dorthin“, erklärt Wudonig. Damit alle Bereiche über die jüngsten Entwicklungen informiert werden, gebe es regelmäßige Treffen.

Coronavirus: Homeoffice und reduzierte Meetings für Firmen in Kassel

Die meisten der 600 Mitarbeiter von Wintershall Dea in Kassel sind mit Notebooks und Smartphones ausgestattet und könnten im Homeoffice arbeiten, wenn dies notwendig würde, sagt Pressesprecherin Ulrike Michaelis. Auch bei Wintershall sollen Geschäftsreisen und Termine auf ein Minimum reduziert werden. Als Alternativen seien Videokonferenzen möglich. 

Bei der Firma Hübner, die in Kassel 1100 Mitarbeiter beschäftigt, gibt es derzeit laut Pressesprecher Nicholas Neu keinen Corona-Verdachtsfall. Ein Präventionsplan soll die Mitarbeiter sensibilisieren. „Zudem sind alle angehalten, bereichübergreifende Meetings ab einer gewissen Größe und Dienstereisen auf ein Minimum zu reduzieren“, so Neu. Homeoffice sei in der Produktion nicht möglich, in anderen Bereichen schon. 

Coronavirus: Unternehmen in Kassel setzen auf Telefon- und Videokonferenzen

SMA hat schon frühzeitig auf Prävention gesetzt. „Es wurden zum Beispiel Reiseverbote für stark betroffene Regionen wie China, Südkorea und Italien ausgesprochen“, sagt SMA-Sprecherin Anja Jasper. Statt Großveranstaltungen werde auf Telefon- und Videokonferenzen gesetzt. „Ein Expertenteam trifft sich jeden Morgen, um die Aktivitäten und die Kommunikation zum Umgang mit dem Virus im Unternehmen zentral zu steuern“, sagt Jasper. Im Intranet wurde wie auch bei Daimler eine Seite eingerichtet, um die Mitarbeiter zu informieren – zum Beispiel über Hygienemaßnahmen. 

Bei B. Braun gilt ab sofort ein Dienstreiseverbot, teilt das Unternehmen mit. Wenige Ausnahmen gibt es allerdings: wenn Patienten versorgt werden müssen, technischer Service unaufschiebbar ist, Reisen der Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit dienen und rechtliche Notwendigkeiten die Dienstreise erforderlich machen. 

Coronavirus: Abläufe funktionieren trotz Präventionsmaßnahmen

Mitarbeiter, die einen Firmenlaptop nutzen, sollen diesen mit nach Hause nehmen. So könne im Fall einer Quarantäne weitergearbeitet werden. Auswirkungen hat die Corona-Epedemie mittlerweile auf die Lieferung von Produkten: Nicht lieferbar sind derzeit Gesichtsmasken, teilt Pressesprecherin Mechthild Claes mit. Auch Desinfektionsmittel würden mittlerweile rar, sodass sich die Lieferung verzögern könne. 

Mehrere hundert Menschen sind täglich im Kasseler Jobcenter unterwegs. Einschränkungen durch Corona gibt es allerdings noch nicht, alle Abläufe funktionierten normal, sagt Pressesprecher Ekkehard Passolt. Auf Hände schütteln verzichte man allerdings. Zudem seien an allen Eingängen Spender mit Desinfektionsmitteln aufgestellt worden. Wer Angst vor Ansteckungen habe, könnten Fragen online unter jobcenter.digital stellen. Dort könne man auch Unterlagen einreichen.

Video: Erster Corona-Fall bei BMW in München: Unternehmen greift jetzt zu einschneidender Maßnahme

sok/mak/bon/ddd

Die Angst vor dem Coronavirus wirkt sich auch auf die Messe in Kassel aus. Weniger Besucher kommen zur Frühjahrsausstellung. Die Folge: Umsatzeinbuße im Verkauf.

Inzwischen wurde der erste Corona-Fall in Nordhessen bestätigt: Eine Frau in Waldeck-Frankenberg hat sich infiziert.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.