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Demonstrationen in Kassel beendet: Mehrere Personen festgenommen

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Von: Kathrin Meyer, Axel Schwarz, Ulrike Pflüger-Scherb, Marie Klement

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Protest gegen Rüstungsfirmen: Nach dem Start am Hauptbahnhof zogen die rund 700 Demonstranten über die Erzbergerstraße (Bild) via Wolfhager Straße, Holländischen Platz und Stern in die Innenstadt.
Protest gegen Rüstungsfirmen: Nach dem Start am Hauptbahnhof zogen die rund 700 Demonstranten über die Erzbergerstraße (Bild) via Wolfhager Straße, Holländischen Platz und Stern in die Innenstadt. © Dieter Schachtscheinder

Mehrere Polizisten sind am Freitag bei einer Demonstration von Rüstungsgegnern in Kassel verletzt worden. Für Samstag waren weitere Aktionen angekündigt. Die Polizei warnte vor Behinderungen.

Kassel – Mit einem Demonstrationszug, der weitgehend friedlich verlief, sind am Samstag die mehrtägigen Anti-Rüstungs-Proteste des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“ in Kassel zu Ende gegangen.

Für Samstag (3. September) war ab 14 Uhr eine weitere Demonstration des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“ mit 500 Teilnehmern angemeldet worden. Erneut wurden daher Verkehrsbehinderungen in der Kasseler Innenstadt erwartet. Und das bis in den Abend, denn laut Polizei wurde die Demo zwischen 12 und 20 Uhr angemeldet. Zwischen 14 und 18 Uhr sollte es einen Aufzug durch die Stadt geben. Er endete allerdings früher.

Start des Aufzugs war am Kulturbahnhof, von dort ging es über die Wolfhager Straße und den Holländischem Platz zum Opernplatz, wo sich die Demo nach einer Abschlusskundgebung ab 16.30 Uhr auflöste.

Unterwegs habe es nahe dem Stern am Rande des Zuges kleinere Zusammenstöße mit den begleitenden Beamten gegeben, so ein Polizeisprecher. Auch Pyrotechnik sei dort gezündet worden. In einem Fall trat und schlug ein Teilnehmer in Richtung der begleitenden Polizeibeamten. Dadurch „kam es kurzfristig zu polizeilichen Zwangsmaßnahmen“, so die Polizei. Verletzt wurde niemand. Die ursprünglich vorgesehene Route der Demo (Werner-Hilpert-Straße, Erzbergerstraße, Grüner Weg, Reuterstraße, Schillerstraße, Uferstraße, Brandaustraße, Wolfhager Straße, Untere und Obere Königsstraße bis zum Opernplatz) sei nach Gesprächen zwischen Veranstaltern und Polizei allerdings kurzfristig abgekürzt worden.

Gegen 15.15 Uhr waren die Teilnehmer auf dem Opernplatz angekommen. Die Bahnen wurden umgeleitet, fuhren also nicht durch die Innenstadt. Zeitweise waren laut polizeilicher Schätzung etwa 700 Teilnehmer in dem Protestzug mitgelaufen. Auf dem Opernplatz waren es aber deutlich weniger Teilnehmer. An den Rändern des Platzes waren starke Polizeikräfte zusammengezogen worden.

Gegen 17 Uhr erklärte die Polizei die Demo in der Innenstadt für beendet. Verkehrsbeeinträchtigungen oder Störungen im ÖPNV gab es zu diesem Zeitpunkt nicht.

Im Nachgang der Veranstaltung stellten Polizisten bei zwei Teilnehmern die Personalien fest. Sie hatten sich vermummt und damit gegen das Vermummungsverbot verstoßen. Die beiden Demonstranten kamen anschließend wieder frei.

Kassel: Festnahmen auch am Samstagmorgen

Bereits am frühen Morgen hatte die Polizei im Stadtgebiet vier Rüstungs-Gegner vorläufig festgenommen, da bei einer Kontrolle Sturmhauben, Seitenschneider und eine Akkuflex, gefunden wurden. Diese wurden sichergestellt. Die Kontrollierten wurden ebenfalls entlassen, nachdem die Beamten die Personalien festgestellt hatten.

Weitere Demonstrationen in Kassel verliefen friedlich

Die weiteren Versammlungen im Stadtgebiet - zum Thema „Europa ist stark“ mit etwa 100 Teilnehmern, „Missstände in der Schweinehaltung“ mit zehn Teilnehmern und „Friedlich, frei & selbstbestimmt“ mit 15 Teilnehmern - verliefen laut Polizei ohne besondere Vorkommnisse.

Kassel: Hubschrauber kreiste erneut

Nachdem am Freitagmorgen stundenlang ein Polizeihubschrauber über Kassel gekreist war, war am Samstagmorgen erneut ein Hubschrauber zu hören. Und auch am Nachmittag war ein Hubschrauber in der Luft.

Die Polizei hatte im Vorfeld angekündigt, dass sie „auch Verkehrskräfte im Einsatz habe, um die Verkehrsbeeinträchtigungen für die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten“.

Seit dem vergangenen Dienstag zelten Teilnehmer der antimilitaristischen Aktionen in einem angemeldeten Camp in der Kasseler Goetheanlage im Vorderen Westen. Für Sonntag (4. September) ist der Abbau dieses Camps vorgesehen.

Hinweis: Wir berichten am Samstag aktuell, wenn es zu Behinderungen kommt.

Anti-Rüstungs-Demo in Kassel
Aktion in der Nordstadt: Das Bündnis „Rheinmetall entwaffnen“ hielt am Freitag eine Aktion unweit des Standortes von Rheinmetall in der Nordstadt ab. © Andreas Fischer

Kassel: Hubschrauber kreiste am Freitag stundenlang über der Stadt

Am frühen Freitagmorgen hatten Aktivisten versucht, auf das Gelände des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann (KMW) im Schillerviertel zu kommen. Während der Aktion kreiste ein Polizeihubschrauber mehrere Stunden über Kassel, der viele Menschen aus dem Schlaf gerissen hatte.

Mitglieder der Gruppe „Rheinmetall entwaffnen“, die zurzeit in der Goetheanlage campen und sich gegen die Produktion von Kriegswaffen aussprechen, hatten sich zum Ziel gesetzt, die Produktion in den Kasseler Rüstungsbetrieben stilllegen zu wollen. Laut Polizei kam es dazu aber nicht.

Gegen 5 Uhr hatten sich am Freitag laut Polizei 200 Personen vor einem der Werkstore von KMW versammelt. Einige hatten versucht, dieses zu überwinden. Die Polizisten seien dort von Demonstranten mit Teilen einer Baustellenabsperrung beworfen worden. Einer Polizistin wurde demnach der Helm vom Kopf gerissen. Da die Aktivisten versucht hätten, die Polizeikette zu durchbrechen, seien Pfefferspray und Schlagstöcke zum Einsatz gekommen. Die Polizei schrieb auf Twitter: „Die Stimmung ist aggressiv. Wir werden Straftaten verfolgen und gegen Gewalttäter konsequent vorgehen.“ Vier Demonstranten wurden vorläufig festgenommen. Gegen sie wird wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, wegen Verstoßes gegen das Vermummungsverbot und Landfriedensbruch ermittelt.

Acht Polizeibeamte seien bei dem Einsatz leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit. Erkenntnisse zu verletzten Aktivisten würden nicht vorliegen. Am Vormittag gab es eine weitere Kundgebung unweit des Rheinmetall-Standorts in der Nordstadt. Dort warfen die Demonstranten der Polizei „massive Gewalt“ bei dem Einsatz am Morgen vor. Eine Polizeisprecherin wies diesen Vorwurf zurück. Man hätte Pfefferspray und Schlagstöcke eingesetzt, um die Angriffe abzuwehren.

Weitere kleinere Versammlungen am Freitag verliefen laut Polizei bis abends problemlos.

Kassel: Krauss-Maffei Wegmann äußert sich nicht zu Vorfällen

Ein Sprecher von KMW teilte auf Anfrage mit, man kommentiere die Vorfälle nicht. Von Rheinmetall hieß es, man respektiere das Recht zur freien Meinungsäußerung und lasse kritische Positionen Andersdenkender gelten. Man verwehre sich aber gegen unsachliche Stimmungsmache.

Kassel: Antimilitaristisches Bündnis wirbt mit Aufklebern im documenta-Design

Die Aktivisten machten mit allerhand Plakaten, Bannern, verschiedenen Flyern und Stickern auf sich und ihre Veranstaltungen aufmerksam. Darunter sind auch Aufkleber, die aussehen, als seien sie von der documenta fifteen hergestellt worden. Die documenta-Leitung scheint die Aneignung ihres Designs auf den Werbemitteln des Bündnisses gelassen zu sehen. 

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