Bei ihm hört die Musik niemals auf

+
Steht seit mehr als 35 Jahren am Plattenspieler: Thomas Illert alias DJ Chilly-T bei der Arbeit. Im Gleis 1 im Kulturbahnhof startet er nun eine neue Partyreihe. 

Wer mit dem Namen Chilly-T nichts anfangen kann, war in den vergangenen 35 Jahren abends in Kassel womöglich nicht aus und hat auch die Sendung verpasst, die das Radio veränderte.

Kassel – Sein Alter merkt Thomas Illert daran, dass er nun früher aufsteht – in der Woche spätestens um neun. Um diese Zeit ist er früher manchmal erst ins Bett gegangen, nachdem er als DJ Chilly-T andere die Nächte hat durchtanzen lassen.

Illert ist jetzt 52, für einen Discjockey ist das fast schon Rentenalter. Aber der gebürtige Kasseler macht einfach weiter. Zum Beispiel alle zwei Monate im Gleis 1 im Kulturbahnhof. „Black is beautiful“ heißt das Format, bei dem er mit seinem Kumpel Membrain Soul und R’n’B auflegt.

Wer mit dem Namen Chilly-T nichts anfangen kann, war in den vergangenen 35 Jahren abends in Kassel womöglich nicht aus und hat auch die Sendung verpasst, die das Radio veränderte.

Ab 1990 gehörte Illert zu den vier Stamm-DJs der „HR3-Clubnight“, die bei Musik-Fans noch heute einen legendären Ruf hat. „Sonst gab es damals keine Sendung, in der drei Stunden lang nur Club-Musik gespielt wurde“, sagt Chilly-T, der sich unter anderem mit Techno-Veteran Sven Väth abwechselte.

Damals war Illert oft kurz davor, seine Heimatstadt zu verlassen. Mehr als 100 000 Kilometer fuhr er jedes Jahr – von einem DJ-Set zum nächsten. Aber die Freundinnen hielten ihn doch immer in Nordhessen.

Dort hatte seine Karriere begonnen, als er 13 und zum ersten Mal in einer Disco war. Seine Mutter hörte Motown Soul, damit war er aufgewachsen. Die Familie wohnte im Schillerviertel nur 200 Meter vom Last Penny entfernt, einem Club, in dem US-GIs feierten.

Als in der Disco San Remo in der Frankfurter Straße der Stamm-DJ ausfiel, durfte der 17-jährige Thomas ran. Die Eltern wollten, dass ihr Sohn studiert. Stattdessen fing er nach dem Fachabi an, im Plattenladen Heaton Records zu arbeiten. Eine Ausbildung hat Illert nie gemacht: „Mein Vater sagt heute noch, ich solle was Anständiges machen.“

Dabei kann auch Plattenauflegen sehr anständig sein – wenngleich es nicht einfacher geworden ist. Früher war Chilly-T Resident-DJ in den HipHop-Clubs World und Da Jam. Auf den After-Hour-Partys dort legte er auch für die Techno-Fans des benachbarten Aufschwung Ost auf – manchmal 24 Stunden am Stück. Dank seines Jobs im Heaton war er der Erste, der die neueste Musik hatte. Mittlerweile haben viele Clubs dicht gemacht, auch den Plattenladen gibt es nicht mehr.

Dafür legt Illert, der 25 000 Platten besitzt, bei Hochzeiten und Firmenfeiern auf. Wünschen sich die Gastgeber Helene Fischer, spielt er sogar „Atemlos durch die Nacht“: „Ich bin offen für alles, nur für Schlager und Ballermann bin ich der Falsche.“

HipHop ist für ihn durch, wie er sagt. Mit Deutschrap kann er gar nichts anfangen. Dafür legt er nun mehr House auf – unter anderem in einer neuen Reihe im Gleis 1, die nächsten Freitag startet. Das liegt an seiner Freundin, mit der er in Habichtswahl-Ehlen lebt und die ein Haus auf Ibiza hat. Auf der Party-Insel, auf der viel House läuft, machen beide oft Urlaub.

Zudem steht Chilly-T bei der Reihe „Silent Night“ im Gleis 1 am Plattenspieler, der längst digital bedient wird. Hier tragen die Besucher Kopfhörer. Wer sich in Ruhe unterhalten will, nimmt sie einfach ab. Man muss gar nicht alt sein, um so eine chillige Party cool zu finden.

House is House: Freitag, 13. Dezember, 22 Uhr, Gleis 1 im Kulturbahnhof mit DJ Chilly-T und Denis Dzeko.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.