Filmprojekt: Dorothea Lipps erinnert sich

Jetzt spielt sie mal die Erste Geige: Dorothea Lipps, langjähriges Mitglied im Staatsorchester, erinnert sich

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Zeitzeugen: Christina Ecknigk (links) vom MOK filmt Dorothea Lipps, langjähriges Mitglied im Staatsorchester (rechts). Das Projekt "Reise in die Erinnerung" ist mit Thomas Warlies (Mitte) entwickelt worden. 

Dorothea Lipps (91), langjähriges Mitglied im Staatsorchester Kassel, erinnert sich, und der Offene Kanal Kassel dreht einen Film über sie.

Kassel - Kamera läuft. Medientrainerin Christina Ecknigk vom Offenen Kanal nimmt verschiedene Einstellung auf: Dorothea Lipps geht ins Opernhaus, setzt sich im Foyer auf einen Sessel, geht die Treppe hinauf. „Ich kenne mich hier aus“, sagt das 91-jährige Filmobjekt vergnügt, bewegt sich geschmeidig am alten Arbeitsplatz, geht allen Wünschen der Kamerafrau nach und gibt geduldig Auskunft über sein langes Leben. Die meiste Zeit spielte Lipps darin – „gerne“, wie sie betont – die Zweite Geige, wenigstens während der letzten 25 Berufsjahre als Musikerin im Orchester des Staatstheaters Kassel.

Jetzt steht sie im Zentrum und wird für einen Fernsehbeitrag des Medienprojektzentrums Offener Kanal Kassel (MOK) porträtiert. Ganz allein, ohne Mitspieler. Hintergrund ist eine Filmreihe, für die das MOK mit dem Theaterpädagogen und Kunsttherapeuten im Wohnstift am Weinberg (wo Lipps wohnt), Thomas Warlies, zusammenarbeitet. Unter dem Titel „Zeitzeugen – Reise in die Erinnerung“ erzählen Senioren ihr Leben. 

Staatsorchester Kassel 1977: Dorothea Lipps mit Heinz Feldewert an den Zweiten Geigen. 

Dorothea Lipps Leben verlief in ruhigen Bahnen, hatte eine einzige Richtschnur: die Musik. Als Tochter musikalischer Eltern – „Wir sangen viel, meine Eltern gehörten der Wandervogelbewegung an und waren leidenschaftliche Konzertgänger“ – lernte sie Klavier und Geige, besuchte ein renommiertes Musikkonservatorium in Berlin und studierte Instrumentallehrerin mit dem Schwerpunkt Geige.

Dabei hatte sie einst einen Schrecken bekommen, als sie ihre erste Geige in der Hand hielt: „Da gibt es ja gar keine Tasten.“ Es wurde die Liebe ihres Lebens und sie beschloss: „Von der Musik wirst du dich nie mehr trennen.“

Nach Engagements in einem Provinzorchester, wo sie wichtige Spielerfahrung sammelte, und im Landesorchester Hannover, kam sie 1968 nach Kassel, wo sie bis zur Rente, 1992, blieb.

Wenn Dorothea Lipps in ruhigen, klug gewählten Worten ihr Leben Revue passieren lässt, klingt alles folgerichtig und einfach. Doch das täuscht. In Lipps Jugend und später noch waren Karrieren für Frauen in einem Orchester Herausforderungen. Hunderte Bewerbungen habe sie in ihrem Leben geschrieben. Nur auf wenige bekam sie überhaupt eine Reaktion. Es habe so viele männliche Geiger gegeben, die hatten Vorrang. Lipps: „Viele Orchester nahmen grundsätzlich keine Frauen auf.“. A propos Karriere: Hätte sie gerne Erste Geige gespielt? „Ja“, sagt sie, ohne dies zu kommentieren.

Auch in Kassel waren sie am Anfang nur vier Frauen im Orchestergraben: drei Geigerinnen und eine Harfenistin. „Das ist gottseidank Schnee von gestern“, sagt Lipps. Inzwischen sei das Verhältnis Männer-Frauen ausgeglichen. Früher mussten sich Frauen oft anhören, dass lange Ausfälle wegen Schwanger- und Mutterschaft hinderlich seien für ein eingespieltes Orchester. Heute gibt es so etwas wie Elternzeit für Männer und Frauen. „Da hat sich etwas verändert für die Frauen und das ist gut so.“

Info: Der Beitrag wird Ende März im Offenen Kanal gesendet und ist danach in der Mediathek zu sehen: mediathek-hessen.de

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