Angeklagter war mit Familie des Jungen befreundet

Gericht: Dreieinhalb Jahre für Missbrauch eines Minderjährigen

Kassel. Er gehörte fast zur Familie, und das nutzte der 45-jährige Angeklagte dazu aus, um den damals 13-jährigen Sohn dieser Familie zu missbrauchen. Am Dienstag verurteilte ihn das Landgericht zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren.

Nachdem der aus Kassel stammende und inzwischen im saarländischen Homburg lebende Werkschutz-Mitarbeiter mit den Worten „So war’s“ alle in der Anklage aufgeführten Vorwürfe eingeräumt hatte, war der Prozess nach wenigen Stunden beendet, der betroffene Junge kam so um eine Zeugenaussage herum.

Der Angeklagte und der Vater des Jungen kennen sich seit Kindesbeinen, auch später unternahmen sie öfter etwas gemeinsam, als der 45-Jährige Kassel verlassen hatte, brach der Kontakt nicht ab. Ostern 2008 lud der Freund der Familie den Jungen zu sich ein, und da kam es zu den ersten sexuellen Übergriffen, unter anderem ließ der Angeklagte den Jungen bei sich den Analverkehr vornehmen. Ähnliche Vorfälle wiederholten sich bis Februar 2009, außer in Homburg auch bei Besuchen des Angeklagten in Kassel. Dem Vater des Jungen fiel bei einem gemeinsamen Abendbrot mit dem Gast auf, dass sein Freund auffällig stark auf das Kind fixiert war. Er stellte seinen Sohn zur Rede, bekam jedoch nichts aus ihm heraus. Als er - obwohl er es als „schweren Vertrauensbruch“ einstufte - das Handy seines Sohnes kontrollierte, fand er dort einen regen SMS-Verkehr mit dem Angeklagten. Erneut zur Rede gestellt, sei der Junge „zusammengebrochen“. Der Vater zeigte daraufhin seinen Freund bei der Polizei an.

Die Anklage schildere das Geschehen lediglich in „dürren Worten“, so Staatsanwalt Frank Lohr in seinem Plädoyer, wie sich der Junge emotional während der Übergriffe und danach fühlte, „wissen wir nicht“. Der von seinem Vater geschilderte Zusammenbruch lasse es erahnen. Lohr nannte das Verhalten des Angeklagten einen „erbärmlichen Vertrauensbruch“. Anwältin Andrea Eggert, die die Nebenklage vertrat, war „erschrocken“, wie wenig Empathie, Reue und Mitgefühl der Angeklagte im Gerichtssaal gezeigt hatte. Auf ihre Frage, ob er sich denn Gedanken darüber gemacht habe, wie es dem Jungen in der jeweiligen Situation ergangen war, hatte er schlicht mit Nein geantwortet Sein Verteidiger Olav Stalling hielt eine Bewährungsstrafe für angemessen, doch das Gericht folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Vorsitzender Richter Volker Mütze rechnete dem 45-Jährigen dessen Geständnis und die Tatsache an, dass er nicht vorbestraft war, zudem habe er keine Gewalt angewandt. Die Folgen seien für den heute 17-Jährigen jedoch gravierend, da er - wie sein Vater als Zeuge berichtete - nach wie vor mit den Folgen kämpft. (pas)

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