Ärzte drohen mit Praxis-Streiks in Kassel

Kassel. Im Zuge des Ärzteprotestes zeichnet sich in Hessen offenbar eine Mehrheit für vorübergehende Praxisschließungen ab. Laut Dr. Jörg Simon, Vorsitzender des Verbandes hessischer Arztnetze Hessenmed, haben sich zwei Drittel der 2000 dort organisierten Ärzte dafür ausgesprochen.

Dem Verband gehört auch die Kasseler Ärztegenossenschaft Doxs an.

Nach einer bundesweiten Auswertung der Rückmeldungen aus den verschiedenen Ärzteverbänden und -organisationen soll am Donnerstag das Ergebnis der Urabstimmung bekannt gegeben werden.

Sollte es zu Praxisschließungen kommen, sind dafür Simon zufolge die letzten drei Tage im September vorgesehen. Eine endgültige Entscheidung werde aber frühestens am Freitag fallen. „Wir wollen bundesweit geschlossen auftreten“, sagt der Diabetologe aus Fulda und betont gleichzeitig, dass man keinen Arzt zu Protestaktionen zwingen könne.

Die Umsetzung der Aktionen sei aber in den Regionen am höchsten, in denen wie in Kassel Ärztenetze bestehen. „Die Ärzte sind dort einfach besser organisiert“, sagt er.

Überdies ist in den kommenden vier Wochen ein Boykott von bürokratischen Aufgaben geplant, die die Ärzte für die Krankenkassen übernehmen müssen. Dazu gehört etwa die Entgegennahme der Praxisgebühr oder das Abstempeln von Bonusheften.

Zudem seien die Ärzte häufig mit der Beantwortung unnötiger Anfragen der Kassen beschäftigt. „Für diese Aktionen gibt es eine überwältigende Mehrheit“, sagt Simon. Laut Dr. Stefan Pollmächer, Vorstand der Kasseler Ärztegenossenschaft Doxs, haben sich beispielsweise Internisten in der Region bereits an einer bundesweiten gezielten Fax-Aktion an die Krankenkassen beteiligt, um deren Leitungen zu blockieren.

Anstoß für die Proteste ist die Forderung der Ärzte nach elf Prozent mehr Lohn. Die Kassen haben aber nur einer Anhebung von 0,9 Prozent zugestimmt. Angesicht der Inflationsrate ist das aus Sicht der Ärzte eine Minusrunde. „Die Kassen sitzen auf insgesamt 22 Milliarden Euro und fordern eine Verringerung der Honorare - das hat bei den Ärzten das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt Simon. Darüber hinaus kritisieren die Ärzte den hohen und laut Simon oft überflüssigen Bürokratieaufwand.

Von Mirko Konrad

Rubriklistenbild: © dpa

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