Tausende haben App bereits herunter geladen

E-Scooter auf den Straßen in Kassel: Verleihsystem überraschend eingeführt - Interesse ist riesig

Ordentlich geparkt: Die Roller am Samstagmorgen am Friedrichsplatz.
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Ordentlich geparkt: Die Roller am Samstagmorgen am Friedrichsplatz.

In anderen Städten gehören sie schon längst zum Bild dazu. Seit Samstag kann man sich auch in Kassel E-Scooter ausleihen. Der Betreiber Skooty ist ein Kasseler Unternehmen.

Update vom Montag, 21.09.2020, 17.00 Uhr: Die neuen E-Scooter vom Kasseler Unternehmen Skooty waren in der ganzen Stadt Gesprächsthema. Kaum jemand wurde nicht mindestens einmal gefragt, ob er schon eine Probefahrt unternommen habe.

Vom Unternehmen hieß es auf Anfrage, seit Samstag (19.09.2020) hätten sich mehr als 23.000 Nutzer in der App registriert, um die Scooter ausleihen zu können. „Wir haben schon mit großem Interesse gerechnet“, sagt Florian Kleinschmidt vom Unternehmen Skooty. „Aber dass sich so schnell so viele Personen registrieren und die Scooter nutzen, das hätten wir nicht gedacht. Das ist einfach nur Wahnsinn und macht uns sehr stolz.“

Am Sonntag hätte es viele „Beschwerden“ gegeben, die für das Unternehmen allerdings positiv gewesen seien. Die Nutzer meldeten sich nämlich, weil sie keine Skootys mehr leihen konnten. Der Grund: Alle E-Scooter waren bei den warmen Temperaturen im Stadtgebiet unterwegs. So, dass sie eben nicht ausgeliehen werden konnten.

„Der Spitzenreiter war tatsächlich 120 Minuten am Stück mit einem Skooty unterwegs“, sagt Kleinschmidt. Man habe erst gedacht, dass es sich um einen Fehler handele, aber da habe tatsächlich jemand eine größere Tour gemacht. Teilweise seien sogar Personen ins Lager nach Waldau gekommen, weil dort noch verfügbare E-Scooter angezeigt worden sind.

Interesse ist riesig: E-Scooter wurden den Mitarbeitern aus den Händen gerissen

„Teilweise war es gerade am Sonntag schwierig, Herr der Lage zu werden“, sagt Kleinschmidt. Die Scooter würden von den Mitarbeitern entweder mit einem Fahrrad angefahren, um den Akku zu tauschen, oder es gäbe auch einige E-Scooter, die im Lager aufgeladen würden. Die würden dann von zwei Bullis mit Elektroantrieb eingesammelt, im Lager in Waldau aufgeladen und wieder ausgeliefert. „Sie sind den Mitarbeitern bei der Auslieferung aus den Händen gerissen worden“, so Kleinschmidt. Die Fahrt mit dem E-Scooter kostet 1 Euro Freischaltungsgebühr pro Fahrt und dann 19 Cent pro Minute. Maximal 30 Euro pro Tag können aufgeladen werden.

Die Begeisterung für die neuen Roller mit Elektromotor wird allerdings nicht überall geteilt: „Die schon jetzt angespannte Situation auf Fuß- und Radwegen in Kassel wird durch den Verleih von E-Scootern deutlich verschärft“, heißt es von der Kasseler Linken. E-Scooter stünden der Verkehrswende im Weg und seien der Elektroschrott des nächsten Quartals, so Mark Bienkowski, umweltpolitischer Sprecher der Kasseler Linken.

E-Scooter dürften nicht auf Gehwegen, nicht zu zweit, nicht unter Alkoholeinfluss und die Verleihgeräte erst ab dem Alter von 18 Jahren genutzt werden. Schon am Wochenende habe sich gezeigt, dass diese Regeln den meisten Nutzern nicht bekannt sind.

E-Scooter jetzt auch in Kasel - überraschend startet Verleihsystem

Erstmeldung vom Montag, 21.09.2020, 13.15 Uhr: Kassel – Auf dem Weg zum Bäcker fiel der Blick am Samstagmorgen, 19.09.2020, auf einen kleinen grünen Roller. Genauer gesagt: einen E-Scooter, also einen Tretroller mit Elektroantrieb. Bekam das Gefährt am frühen Morgen nur einige verwunderte, noch leicht verschlafene Blicke, entwickelten sich die neuen Fortbewegungsmittel im Laufe des Tages zum Stadtgespräch. Wer sich nicht selbst einen Roller auslieh, beobachtete aufmerksam die, die damit durch die Gegend flitzten.

Warum aber war im Vorfeld nirgendwo bekannt gegeben worden, dass auch Kassel jetzt mit E-Scootern ausgestattet wird? „Wir wollten sichergehen, dass wir die Ersten sind, die die E-Scooter in Kassel anbieten“, sagt Florian Kleinschmidt vom Unternehmen Skooty. „Skooty“ das ist zum einen der Name des Waldauer Unternehmens von Turgay Genc, aber auch der Name der Scooter. Wenn Florian Kleinschmidt von den grünen Rollern spricht, dann nämlich von den „Skootys“.

Kleinschmidt hat an der Universität Kassel Maschinenbau studiert und sich schon immer für erneuerbare Energien und E-Mobilität interessiert. Dort entstand auch der Kontakt zu Genc.

In den vergangenen Wochen habe es immer wieder Gerüchte gegeben, dass auch andere Scooter-Verleiher in Kassel aktiv werden wollten. „Kassel ist unsere Heimat, da wollten wir, dass uns kein anderes Unternehmen zuvorkommt“, sagt Kleinschmidt, der aus dem Landkreis stammt. Auch die Stadt Kassel bestätigt Gespräche mit verschiedenen Unternehmen. Konkrete und verbindliche Aussagen zu Zeitpunkten lagen der Stadt aber nicht vor, erklärte ein Sprecher am Wochenende. Das könne von den Betreibern aber auch nicht verlangt werden. Insofern sei auch der Betriebsbeginn von „Skooty“ nicht abgestimmt gewesen – er war also auch für die Stadt eine kleine Überraschung.

Kleinschmidt hat sich über einen längeren Zeitraum die kleinen Elektro-Roller in Schweden angesehen. „Dort sind die eigentlich gar nicht mehr wegzudenken“, sagt er. Allerdings sind dort die Vorgaben andere als in Deutschland. So braucht hier jeder Tretroller zwei Bremsen und ein Versicherungskennzeichen. Auf dem Roller ist nur eine Person zugelassen. Das Tragen eines Helms wird empfohlen.

Früher, als Kleinschmidt noch im Landkreis gewohnt hat, da hätte er oft gerne einen E-Scooter gehabt. Dann nämlich, wenn etwa am Abend oder an Wochenenden kein Bus mehr fährt. Für ihn sollen die Roller für die letzte „Meile“ sein – also beispielsweise der Weg vom Zuhause bis zu Bushaltestelle.

Wie können die Scooter in Kassel ausgeliehen werden?

Das Verleihsystem läuft über eine gleichnamige App. In ist zu sehen, wo in der Stadt E-Scooter abgestellt sind und in welchen Bereichen sie genutzt werden können. Wer einen Scooter ausleihen will, muss seinen Namen, Telefonnummer und Mailadresse angeben. Am Scooter ist ein QR-Code, der zum Start der Fahrt mit dem Handy gescannt werden muss. Ein Führerschein ist für die E-Scooter nicht notwendig.

Wozu werden die Daten genutzt?

Die Daten werden zur Auswertung an die Stadt Kassel weitergegeben. Die kann dann beispielsweise sehen, in welchen Bereichen besonders häufig Scooter ausgeliehen werden. Sollte es zu Verstößen im Straßenverkehr kommen, können über das Versicherungskennzeichen, mit dem alle Skootys ausgestattet sind, auch die Daten des Fahrers weitergegeben werden.

Welche Bezahlmöglichkeiten gibt es?

Eine Bezahlung ist per Kreditkarte oder das Online-Bezahlsystem Paypal möglich.

Was kostet eine Fahrt?

Die Freischaltung in der App kostet 1 Euro. Pro Minute muss der Nutzer 19 Cent zahlen. Laut Skooty betragen die durchschnittlichen Kosten pro Nutzung 3,85 Euro. In der App ist ein Maximalwert von 30 Euro für die Aufladung pro Tag angegeben. Im Durchschnitt legen die Kunden drei Kilometer mit den Elektro-Tretrollern zurück. Kosten für ein Taxi auf dieser Strecke würden laut Skooty 9,40 Euro betragen.

Was muss bei der Fahrt beachtet werden?

Die Roller dürfen nur von einer Person genutzt werden. Das Mindestalter beträgt 18 Jahre. Die Betreiber empfehlen zudem, einen Helm zu tragen. Die Skootys sind mit Licht, Reflektoren und Bremsen ausgestattet. Für eine gültige Betriebserlaubnis müssen E-Scooter mit einem Versicherungskennzeichen versehen sein. Es gelten die Alkoholgrenzwerte wie für Autofahrer. Die Haftpflicht-Versicherung kommt für Schäden Dritter auf. Für eigene Schäden muss der Fahrer selbst zahlen.

Wo stehen die Scooter?

Die Scooter können bislang in den nördlichen und westlichen Stadtteilen genutzt werden. Eine Ausweitung ist nach Angaben des Unternehmens geplant.

Ist es möglich, das von dem Betreiber in seiner App ausgewiesene Gebiet zu verlassen?

Das ist möglich, allerdings kann der Roller außerhalb der in der App grün markierten Fläche nicht zurückgegeben beziehungsweise die Fahrt nicht beendet werden. Auch in den Grünanlagen ist es nicht möglich, den Roller dauerhaft wieder abzustellen.

Was passiert, wenn man die Scooter außerhalb der Fläche abstellt?

„Wir haben Mitarbeiter, die alle Scooter digital im Blick haben“, sagt Florian Kleinschmidt vom Unternehmen. „Wenn ein Scooter längere Zeit ungenutzt außerhalb der grün markierten Fläche steht, dann nehmen wir Kontakt zu dem auf, der ihn ausgeliehen hat.“ Bei Vergehen gäbe es für den Betreiber auch die Möglichkeit, eine Gebühr zu erheben oder den Nutzer zu sperren.

In welchen Bereichen dürfen die Scooter nicht fahren?

Am Friedrichsplatz und auf der Unteren Königsstraße sind digitale Schranken eingebaut, so dass es nicht möglich ist, mit den E-Scootern in der Fußgängerzone zu fahren. Der Scooter bekommt dann einen digitalen Impuls, sodass der Fahrer in den gesperrten Bereichen kein Gas mehr geben kann. Gleiches gilt für Friedhöfe.

Dürfen die Scooter auf Bürgersteigen fahren?

Nein. Scooter dürfen nur auf Radwegen oder auf der Straße fahren. Die Fahrt auf Fußgängerwegen ist untersagt.

Wie wird die Fahrt beendet?

Der Nutzer muss erneut einen QR-Code scannen und anschließend ein Bild vom geparkten E-Scooter an Skooty schicken. Parken ist nur in den in der App grün markierten Zonen möglich. Möglichst soll in der Nähe von Fahrradständern geparkt werden. Ist das nicht möglich, sollte darauf geachtet werden, dass weder Gehwege, Türen oder Rampen blockiert sind.

Was sagt die Stadt zum E-Scooter-Verleih?

Verkehrs- und Ordnungsdezernent Dirk Stochla erklärt dazu: „Wir werden sehr genau beobachten, wo und wie die E-Scooter abgestellt werden. Sollten diese die Verkehrssicherheit beeinträchtigen, wird die Stadt die betroffenen Fahrzeuge auf Kosten des jeweiligen Betreibers zeitnah entfernen. Die Sicherheit vor allem von Fußgängern mit und ohne Mobilitätseinschränkungen ist hier maßgeblich. Wir werden insbesondere das wilde Zustellen von abgesenkten Borden, des Blindenleitsystems, von Wartebereichen an Haltestellen und schmalen Gehwegen nicht dulden und die Betreiber in die Pflicht nehmen. Es ist derzeit nicht vorgesehen, Fußwege oder Fußgängerzonen über das bisherige Maß hinaus für andere Verkehrsarten freizugeben. Im Gegenteil: Die Anstrengungen sind darauf gerichtet, dem Fußverkehr wieder mehr eigene Fläche zu widmen, indem – soweit möglich – separate Radverkehrsführungen gesucht werden. Es ist momentan nicht vorgesehen, diese Strategie zu ändern.“ (Kathrin Meyer)

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